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10. November 2016, 18:03 Uhr

DGB-Umfrage zu Digitalisierung

Mehr Arbeit, mehr Multitasking, mehr Kontrolle

Die Arbeit ist digitaler geworden, die Belastung dadurch größer - das findet laut einer DGB-Umfrage jeder zweite Arbeitnehmer. Arbeitgeber dagegen bewerten den technologischen Fortschritt ganz anders.

Das Diensthandy vibriert kurz vor dem Einschlafen. Gleichzeitig können Mails schon beim Frühstücken im Schlafanzug beantwortet werden. Wie kommen Menschen damit zurecht, dass ihre Arbeit immer digitaler wird? Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat dazu fast 10.000 Beschäftigte befragt.

Die Gewerkschaft fühlt sich durch das Ergebnis bestätigt: Durch die Möglichkeiten der Digitalisierung sei der Feierabend in Gefahr, die Arbeitsbelastung gestiegen, das Mitspracherecht beim Einsatz von Technik zu gering. "Wir müssen leider feststellen, dass sich die Arbeitsbelastung erhöht hat", sagt der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann.

Rund zwei Drittel der Befragten sind der Studie zufolge in ihrem Job in hohem bis sehr hohem Maß von Digitalisierung betroffen. Fast die Hälfte davon, 46 Prozent, findet, dass die Arbeitsbelastung dadurch größer geworden ist. Fast genauso viele Befragte, 45 Prozent, geben jedoch an, sie sei gleich geblieben. Mehr als die Hälfte der Befragten meint, sie müsse mehr Arbeit und mehr Aufgaben gleichzeitig bewältigen - Stichwort Multitasking. 39 Prozent finden jedoch, das habe sich nicht verändert.

Arbeitgebervertreter dagegen bewerten den technologischen Fortschritt ganz anders. Sie sehen vor allem die Chancen: Beschäftigte erfahren durch Digitalisierung "verringerte Anforderungen", "körperliche Erleichterung" und "größere Entscheidungsfreiheit", findet der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter.

Das Hauptproblem: wenig Mitsprache

Dabei hapert es laut der DGB-Studie oft gerade an Entscheidungsfreiheit und Mitsprache. Arbeitnehmer müssen sich demnach ständig auf neue Maschinen oder Computerprogramme einstellen. Viele kämen mit der ständigen Umstellung nicht klar, zeigt die DGB-Studie.

Das Hauptproblem: 74 Prozent der Befragten hätten kaum oder keine Mitsprache, wie Technik im Betrieb eingesetzt wird. Fast die Hälfte findet außerdem, dass die eigene Arbeitsleistung durch die Digitalisierung stärker überwacht und kontrolliert wird.

Unklar ist auch, wie die Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt werden sollen, was die Frage der persönlichen Erreichbarkeit betrifft. Wann fängt Arbeit an, wann beginnt das Privatleben? Muss man mitten in der Nacht auf eine Mail antworten, oder hat das Zeit?

"Viele Arbeitnehmer fühlen sich extrem unter Druck gesetzt", sagt Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Knapp ein Drittel der Befragten meint, dass der Anteil der Arbeit, den sie zu Hause oder unterwegs erledigen, größer geworden sei. Zwei Drittel stellen keinen Unterschied fest.

Digitalwirtschaft sieht "riesige Chance"

Vertreter der Digitalwirtschaft wie der IT-Branchenverband Bitkom dagegen erkennen in der Digitalisierung eine "riesige Chance" für die Beschäftigten, ebenso für die Arbeit in den Betrieben und den Standort Deutschland. Man könne flexibler arbeiten, weil Aufgaben nicht mehr zwangsläufig vom Schreibtisch im Büro erledigt werden müssten, sagt Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder.

Außerdem entstünden neue, spannende Jobs - nicht trotz, sondern wegen der Digitalisierung. "Digitalisierung bietet auch die Möglichkeit, erstmals seit Jahrzehnten Produktion und Wertschöpfung - und damit Arbeitsplätze - zurück nach Deutschland zu holen, weil die Produktivität durch Digitalisierung stark steigt", erklärte Rohleder.

Oft fehle Mitarbeitern allerdings das nötige Wissen, wie man digitale Hilfsmittel richtig einsetzen könne, heißt es bei Bitkom. Digitalkompetenz müsse deshalb schon vor dem Berufsleben vermittelt werden - in Schulen, Ausbildungsbetrieben und Hochschulen.

Und: "Unternehmen müssen verstehen, dass Weiterbildung zu Digitalthemen kein "Nice-to-have" ist, sondern zum Pflichtprogramm jedes einzelnen Mitarbeiters gehört", sagt Rohleder. Nach einer Umfrage des Bundesverbandes gehen neun von zehn Unternehmen davon aus, dass die Digitalkompetenz der Beschäftigten genauso wichtig wird wie ihre fachliche oder soziale Kompetenz.

David Fischer, dpa/mamk/fok

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