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Im Dienst der Reichen: Mein Geld, mein Schloss, mein Porsche

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Luxusmarkt Bling Bling fürs Handwerk

Ob Porsche oder Montblanc - den deutschen Luxusfirmen geht es prima. Sie exportieren Rekordmengen, reiche Touristen kaufen die Lager leer, jetzt haben angeblich auch noch die Deutschen den Luxus entdeckt - Lehrlinge werden für die Premium-Unternehmen daher besonders wertvoll.

Jennifer Beuster und Olof Meier hantieren fast jeden Tag mit Gold. Die beiden Galvaniseure arbeiten bei Montblanc in Hamburg. Sie veredeln winzige Metallkappen, die später die Spitzen von Füllfederhaltern werden. Mit einem Stift dieser Edel-Marke wurde bereits der Vertrag zur Deutschen Einheit oder die Ehe von Fürst Albert von Monaco besiegelt.

Mindestens zweihundert Euro zahlt man für einen solchen Füller. Andere Modelle kosten so viel wie Kleinwagen. Es gibt sogar Einzelanfertigungen mit dem Gegenwert eines Eigenheims. Handgemachtes kostet Geld - und immer mehr sind bereit, es zu zahlen. Der Luxusmarkt im Land wächst, allen Krisen zum Trotz. Seit ein paar Jahren wird in Deutschland wieder mehr Geld für teure Waren und extravagante Dienstleistungen ausgegeben. Einen großen Teil des Geldes verdienen die deutschen Firmen aber weiterhin im Ausland.

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Bei Montblanc in Hamburg sind die Auftragsbücher gefüllt. Die Nachfrage steigt - und zwar so stark, dass das Unternehmen mit Hochdruck nach neuen Auszubildenden sucht, gerade nach Handwerkern wie Beuster und Meier: "Wir besuchen die Jugendlichen in den Schulen, wir laden sie in unsere Manufaktur ein, aber es ist trotzdem schwer, guten Nachwuchs zu finden", sagt Wiebke Mehlitz aus der Montblanc-Personalabteilung.

Gute Chancen haben im Moment: Werkzeugmacher, Zerspanungs- und Verfahrensmechaniker sowie Oberflächenbeschichter. Wer handwerklich nicht so geschickt ist, kann es auch in der Lagerlogistik versuchen.

Jugendliche Schulabgänger kehren überall dem Handwerk den Rücken, auch Serviceberufe tauchen in Lehrstellen-Börsen vermehrt bei den offenen Stellen auf. Darunter leidet auch die Luxus-Branche, die Produkte oder Dienstleistungen für ein reiches Klientel anbietet: Hochklassige Hotels, Uhrenhersteller, exklusive Herren- und Damenausstatter, private Flugfirmen.

Luxus? Autos über 80.000 Euro, Yachten ab 15 Metern

Aber was gilt überhaupt als Luxus? Alles, was teuer ist? Alles, was es nur einmal gibt? Die Beschreibungen in den Werbekatalogen der Hersteller-Firmen sind oft willkürlich. Eine allgemeingültige Definition, was Luxus ist und wer ihn herstellt, gibt es nicht - selbst in Studien, die sich ausschließlich dem Thema Luxus widmen, bleibt der Begriff unscharf.

Für die Studie "Wirtschaftsfaktor Luxus Deutschland - Branchenmonitor 2012" versuchte die Unternehmensberatung Roland Berger, Luxus zu definieren: Autos über 80.000 Euro, Uhren über 2500 Euro, Echtschmuck über 1500 Euro, Restaurants mit einem Michelin-Stern, die First Class im Flugzeug, Privatjets, Hotels mit fünf Sternen, Unterhaltungselektronik über 1500 Euro Neuwert, Originalkunst aus "exklusiven" Galerien, Musikinstrumente der "obersten Güteklasse", Yachten ab 15 Metern Länge, Möbel aus dem "selektiven Vertrieb", Wein ab 20 Euro, Parfüms aus "selektiver Distribution".

Das Ergebnis: Nach dieser Studie hätten deutsche Luxusunternehmen im vergangenen Jahr eine Gesamtwertschöpfung von knapp 50 Milliarden Euro erzielt. Darin enthalten sind 30 Milliarden, die aus dem Export kommen - in China, Russland oder Schwellenländern mit neureicher Oberschicht gelten deutsche Produkte als Statussymbol. Die verbleibende Summe wird von deutschen Konsumenten oder Luxus-Touristen ausgegeben.

Kein Geld mehr auf die Kante legen

Den Löwenanteil erwirtschaftet dabei die Autoindustrie, vor allem Porsche: Autos stehen für 27 der knapp 50 Milliarden Euro Gesamtwertschöpfung, also für mehr als die Hälfte. Auf Platz zwei kommt teure Mode (4,4 Milliarden), dann folgen Uhren und Schmuck (3 Milliarden). Schreibgeräte wie die Füller von Montblanc tauchen erst auf Platz 12 auf.

In ganz Europa und besonders in Deutschland wachse der Luxusmarkt sehr stark, sagt Philip Beil von Roland Berger. Für die Analyse wurden Luxus-Sektoren aus den Jahren 2010 und 2011 verglichen. "Mit einem Plus von 16 Prozent zeigt Deutschland die höchsten Wachstumszahlen auf", so Beil.

Auch Rolf Bürkl, Konsumexperte des Marktforschungsunternehmens GfK, bestätigt diese Tendenz. Die Kauflaune der Deutschen hätte auch mit dem Misstrauen der Verbraucher in die Finanzmärkte zu tun. "Viele Konsumenten halten es derzeit nicht für sehr attraktiv, ihr Geld auf die hohe Kante zu legen. Sie tendieren eher dazu, es in werthaltigen Anschaffungen wie Autos, Möbel oder für die Instandsetzung ihres Wohneigentums zu verwenden."

Suche nach qualifizierten Kräften

Ein wichtiger Grund für die Zuwächse bei teuren Waren und Dienstleistungen ist, dass es von Jahr zu Jahr mehr Menschen in Deutschland gibt, die sehr viel Geld haben - die Kehrseite der Entwicklung, dass immer mehr Menschen fast gar kein Geld mehr haben. Die Mittelschicht schrumpft zugunsten der Ränder der Gesellschaft.

Nie gab es mehr Millionäre und mehr Geld in privaten Vermögen als heute. Untersuchungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigen, dass sich die Vermögensverteilung in Deutschland seit Jahren auseinander entwickelt und sich das große Geld auf wenige Prozente der Bevölkerung verteilt.

Dass in Deutschland inzwischen mehr in teure Sachwerte investiert wird, macht Fachkräfte wie Goldschmiede, Möbelmacher oder Uhrmacher für die Luxus-Hersteller besonders wertvoll. Auch Servicekräfte für die Dienstwünsche der Reichen werden dringend gesucht. Denn hält die Lust nach dem Luxus an, dann könnte es eng werden in der Produktion.