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MBA-Programme Die häufigsten Fehler bei der Bewerbung

Geschlossene Gesellschaft: Wer einen begehrten MBA-Studienplatz ergattern will, darf die Bewerbung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Caroline Diarte Edwards, zuständig für die Auswahl an der Top-Schule Insead, berichtet vom Murks der Bewerber - und wie er sich vermeiden lässt.
Von Bärbel Schwertfeger
An dieser Frau müssen Insead-Bewerber vorbei: Caroline Diarte Edwards

An dieser Frau müssen Insead-Bewerber vorbei: Caroline Diarte Edwards

Foto: INSEAD

Mal eben so am Wochenende die Bewerbung für das MBA-Studium fertig machen: Das funktioniert nicht. Da müssen Zeugnisse übersetzt, Referenzen eingeholt und Essays geschrieben werden, hinzu kommen Prüfungen wie der englische Sprachtest TOEFL und der MBA-Eignungstest GMAT. Mindestens drei, besser noch sechs Monate sollte man einplanen.

Hinzu kommt: Es ist keineswegs sicher, dass man an der favorisierten Schule zugelassen wird. Also ist es ratsam, sich bei mehreren Einrichtungen bewerben. Die zehn besten US-Schulen nehmen weniger als 20 Prozent der Bewerber  an. Besonders wählerisch ist die kalifornische Stanford Graduate School of Business. In der aktuellen Klasse bekamen von den 7204 Bewerbern lediglich knapp sieben Prozent eine Zusage. Bei der Harvard Business School waren es immerhin elf Prozent.

Auch in Europa wird gesiebt

Auch in Europa ist die Auslese an den Topschulen hart. Allerdings geben viele Schulen ihre Quoten nicht bekannt. So etwa das Insead, das mit seinen Standorten in Fontainebleau bei Paris, Singapur und Abu Dhabi zu einer der führenden Business Schools weltweit zählt.

Trotzdem bekommen die Hochschulen überraschend häufig unausgegorene Bewerbungen. "MBA-Interessenten sind oft viel beschäftigte Menschen und nehmen sich nicht genug Zeit für die Bewerbung", sagt Caroline Diarte Edwards, Director of Admissions am Insead. Mit KarriereSPIEGEL sprach sie über die fünf häufigsten Mängel.

Nur so dahingehuscht - mangelnde Sorgfalt

Einlass ins MBA-Studium: Zuerst sind es die Schulen, die ihre Bewerber studieren

Einlass ins MBA-Studium: Zuerst sind es die Schulen, die ihre Bewerber studieren

Foto: Corbis

Lücken im Lebenslauf, unzureichend beantwortete Fragen oder wenig durchdachte Essays - oft fehlt es den Bewerbern einfach an der Sorgfalt. Sie sollten zunächst genau analysieren, worauf eine Business School besonders achtet. Am besten ist das bei einem Besuch der Schule herauszufinden. Einige Business Schools bieten dafür spezielle Info-Sessions auf dem Campus an.

Das Insead legt auf vier Bereiche speziellen Wert: akademische Fähigkeiten, Berufserfahrung und Führungspotential, internationales Profil sowie der Beitrag, den der Kandidat für die Insead-Community leisten kann.

"Unser Lernansatz ist sehr interaktiv", sagt Caroline Diarte Edwards. "Daher suchen wir Studenten, die interessante Aspekte bieten können und bereit sind, sich auch außerhalb des Studiums in Studentenclubs oder später im Alumni-Netzwerk zu engagieren. Wir suchen Interessen und Leidenschaften."

Rückstand beim Nüsseknacken - schlechter GMAT

Prüfungsstress: Es ist keine Schande, den GMAT mehrfach zu wiederholen

Prüfungsstress: Es ist keine Schande, den GMAT mehrfach zu wiederholen

Foto: Andreas Lander/ picture-alliance/ dpa

Eine der größten Hürden ist der Graduate Management Admission Test (GMAT). Er wird auf Englisch durchgeführt und misst verbale und mathematisch/logische Fähigkeiten. Erreicht werden kann ein Ergebnis zwischen 200 und 800 Punkten. "Wir sehen eine hohe Korrelation zwischen dem GMAT und der akademischen Leistung im MBA-Studium", sagt Insead-Frau Edwards.

Der Test sei stets nur eines von mehreren Auswahlkriterien. Dabei achte man weniger auf das Gesamtergebnis als auf das Abschneiden in dem quantitativen und sprachlogischen Teil, so Edwards. Kandidaten sollten in jedem dieser beiden Teile zum besten Viertel der Teilnehmer gehören.

Ich wär so gerne MBA...
Foto: Corbis

Hier können Sie beweisen, dass Sie das Zeug haben, den GMAT-Test zu bestehen. Elf Fragen vom GMAT-Vorbereiter Manhattan Review, in feinstem US-Englisch - trauen Sie sich?MBA-Zulassungstest: Die große Hürde GMAT 

Viele schätzen die Herausforderung des Tests falsch ein, sagt Edwards. Sie empfiehlt, sich mindestens drei Monate Zeit zu nehmen, um sich mit Hilfe von Büchern oder CDs mit dem Test vertraut zu machen und die Aufgaben zu üben.

Wer schlecht abschneidet, kann den Test beliebig oft wiederholen. Da die Ergebnisse jedoch stets direkt an die vom Kandidaten angegebenen Schulen geschickt werden, sehen diese, wie oft der Test abgelegt wurde und ob man sich verbessert hat. "Wir kreiden es niemandem an, wenn er den Test wiederholt", so Edwards.

Auster-Verhalten - verschlossen in der Selbstbeschreibung

Untersuchung einer Auster: Business Schools mögen keine verschlossenen Bewerber

Untersuchung einer Auster: Business Schools mögen keine verschlossenen Bewerber

Foto: Bundesinstitut für Risikoforschung

Business Schools sind äußerst neugierig. Sie wollen detaillierte Auskünfte zum derzeitigen Job, zu den Karrierezielen und privaten Interessen. "Viele beschreiben ihren Job nur technisch aus der Sicht eines Experten", sagt Edwards. "Aber wir wollen wissen, was man dort genau macht und erreicht hat."

Bei anderen fehle die Logik oder Kohärenz im Lebenslauf. Zwar müsse man nicht jeden Schritt rechtfertigen, aber es solle schon klar werden, warum sich ein Kandidat für ein MBA-Studium entscheiden hat und ob das überhaupt Sinn ergibt.

Ein Fehler sei es, Misserfolge zu vertuschen oder Lücken im Lebenslauf zu kaschieren. "Wenn jemand nach sechs Monaten gefeuert wurde, ist das auch okay", sagt Edwards. "Aber wir wollen wissen, was er daraus gelernt hat."

Mangelnde Auskunftsfreude beobachtet Edwards auch bei den privaten Interessen. Dabei seien diese oft ein Hinweis auf wichtige Fähigkeiten. Wer ein erfolgreicher Marathonläufer ist, hat schließlich bewiesen, dass er Durchhaltevermögen hat.

Tendenz zum Phrasendreschen - unreflektierte Essays

Essay über die eigenen Motivationen: Wer nur Phrasen drischt, hat verloren

Essay über die eigenen Motivationen: Wer nur Phrasen drischt, hat verloren

Foto: A3576 Maurizio Gambarini/ dpa

Was sind Ihre kurz- und langfristigen Karriereziele? Was war Ihre bisher größte Herausforderung - persönlich oder beruflich - und wie haben Sie diese gemeistert? Fast alle Schulen verlangen von Bewerbern kurze Essays zu vorgegebenen Fragen. Gefordert sind oft überzeugende Begründungen, welche neuen Fähigkeiten man sich durch das MBA-Studium erhofft und wie diese zur persönlichen Karriere beitragen können.

"Das kann man nicht einfach so herunter schreiben, das erfordert eine Menge Reflexion", warnt Edwards und empfiehlt, mehrere Entwürfe zu machen und auch andere Personen um ihre Meinung zu fragen. Wichtig sei, dass man sich seiner selbst bewusst ist und aufrichtige Beschreibungen abgibt. Schlecht seien floskelhafte Antworten oder übertriebene Darstellungen.

"Wir wollen wissen, was einzigartig an Ihnen ist", betont sie. Eine große Hürde ist dabei die vorgegebene Länge von 250 bis 400 Wörtern. Da muss jedes Wort wohl überlegt sein.

Der Vater eines Freundes - wenig aussagekräftige Referenzen

Referenzgeber: Der Herr legt ein gutes Wort ein - aber kennt er den Kandidaten wirklich?

Referenzgeber: Der Herr legt ein gutes Wort ein - aber kennt er den Kandidaten wirklich?

Foto: Corbis

Um auch die Meinung von Dritten zu erfahren, fordern die Schulen Empfehlungsschreiben. Gefragt sind Informationen über die bisherigen Managementleistungen und das Führungspotenzial des Bewerbers. "Schon bei der Auswahl des Referenzgebers machen viele Fehler", beobachtet Edwards. So sollte der Schreiber möglichst aus dem beruflichen - und nicht aus dem akademischen - Umfeld kommen. "Manche setzen auf den Freund ihres Vaters, weil der CEO bei einer großen Firma ist, und wollen uns damit beeindrucken", sagt sie.

Vergebens. Denn entscheidend ist, dass der Referenzgeber den Kandidaten auch gut kennt und aussagekräftige Antworten auf die vorgegebenen Fragen gibt. Auch das geht nicht von heute auf morgen. Edwards: "Lassen Sie den Referenzgebern ein paar Wochen Zeit."

Und wenn es trotzdem nicht klappt?

"Wir geben nur in seltenen Fällen ein Feedback", erklärt die Insead-Direktorin. Denn die Entscheidungen, die stets im Team getroffen werden, seien vertraulich. Ihr Tipp: "Konzentrieren Sie sich einfach darauf, ihr Bestes zu geben. Wir haben keine heimliche Agenda."

Foto: Helga Kaindl

KarriereSPIEGEL-Autorin Bärbel Schwertfeger ist freie Journalistin in München. Sie schreibt seit 20 Jahren über das Thema MBA - auch in ihrem "MBA-Journal".

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