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Job & Karriere

Tipps von den Karrierecoaches Authentisch und ehrlich? Vergessen Sie's

Dorothea Assig
Dorothee Echter
Ein Gastbeitrag von Dorothea Assig und Dorothee Echter
Jeder kennt die ungeschriebenen Regeln des Aufstiegs: Leistung bringen, MBA machen und fleißig netzwerken. Alles falsch, sagen zwei, die es wissen müssen. Hier entlarven sie neun Karrieremythen.
Foto: z_wei / iStock / Getty Images

Wer sich beruflich weiterentwickeln will, sollte seine Karriere planen und das Netz der Gelegenheiten, in dem glückliche Zufälle sich verfangen können, dicht weben und breit auswerfen. Dabei stehen aber immer wieder Glaubenssätze im Weg, die Ihr Fortkommen behindern können. Hier sind die gefährlichsten neun.

1. Chefs sind mies, Unternehmen auch

Diese miesen Chefs in diesen miesen Unternehmen ... wer sich diese Weltsicht aneignet, wird keine Karriere machen können. Mit Lästern und Klagen signalisieren Sie, dass Sie sich selbst ohnmächtig und weiter unten verorten. Und genau da werden Sie dann auch von anderen gesehen, machtlos, schlechte Stimmung verbreitend, für keine größeren Aufgaben geeignet. Entwickeln Sie eine positive Perspektive, warum Sie gern hier arbeiten und Einfluss gewinnen möchten.

2. Ich will authentisch bleiben und ehrlich

Sie sind kaum je authentisch, Sie passen sich ganz selbstverständlich unterschiedlichen Rollen an. Der junge Vater, der seine Tochter zur Kita bringt, ihr ein bisschen verträumt und sentimental hinterherschaut, ist schon Minuten später der zahlenorientierte Investmentbanker, der von kühler Ratio dominiert ist. Diese Rollenwechsel sind nicht unauthentisch, sondern soziale Rituale. Sie sind selektiv authentisch. Je nach Situation. Das ist für Sie selbstverständlich, dazu gehört, dass Sie Ihre negativen Emotionen für sich behalten und heiter und gut gestimmt bleiben. Nehmen Sie im Beruf Ihre professionelle Rolle an.

3. Irgendwann werde ich entdeckt

Sie haben für Ihr Unternehmen schon größte Erfolge erreicht. Das ist gut, aber für Ihre Karriere ist gute Leistung die Basis, mehr nicht. Um entdeckt zu werden, müssen Sie wissen, wie Sie entdeckt werden: indem Sie einflussreiche Menschen positiv auf sich aufmerksam machen. Sie brauchen große Worte, die Sie ständig kommunizieren: »Wir brauchen eine schnelle Entwicklung von Wasserstoffantrieben, daran wirke ich als Ingenieurin mit.« Denn woher sollen Menschen wissen, wofür Sie stehen? Wie sollte jemand Sie sonst empfehlen? Entwickeln Sie große, positive, mitreißende Worte für Ihr inneres Anliegen.

4. Nie werde ich schleimen

Die Widerstände gegen Lob sind zahlreich. Ob es nicht übertrieben ist? Ob es überhaupt jemandem etwas bedeutet? Ist es nicht eine Anmaßung? Ich erhalte nie ein Lob, und schließlich ist das bei uns nicht üblich. Vergessen Sie diese Bedenken einfach. Ein Lob für etwas, das der Empfänger selbst an sich gut findet, erfordert etwas Nachdenken, gilt jedoch niemals als zu groß. Ohne Lob gibt es kein Wohlwollen, kein Vertrauen, auch nicht für Sie. Sie wünschen sich, dass Ihre Leistung gewürdigt wird? Dann würdigen Sie die Leistung anderer. Geben Sie Anerkennung.

5. Das Unternehmen sorgt doch für meine Karriere

HR-Verantwortliche haben die Aufgabe, die beste Lösung für das Unternehmen zu finden, die deckt sich nicht zwangsläufig mit Ihrer Ambition. So passiert es, dass jemand in einer Position feststeckt, weil sie oder er die Idealbesetzung ist. Interne Personalentwicklung stärkt Sie für den momentanen Job. Karrieresprünge sind möglich durch externe Konferenzen und Seminare, später offline, jetzt online. Hier kommen Sie auf Ideen, knüpfen hochkarätige Kontakte, werden in Ihrem Erfolg gespiegelt. Sie gewinnen die Gewissheit: Da geht noch mehr. Erfolg ist draußen!

6. Ich brauche keine Ratschläge

Sie wissen Bescheid? Dann haben Sie schlechte Karten. Sie sehen kaum neue Gefahren, kaum neue Chancen. »Kenn' ich schon« bedeutet oft das Karriereende. Neugierde, Staunen, Fragen, Begeisterung für die Erkundung neuen Wissens sind die Zutaten zum Weiterkommen. Lernen Sie. Mehr. Immer.

7. Mir fehlen Beziehungen

Sie kommen aus einfachen Verhältnissen – na und? Gut, Sie sind nicht in ein Schloss hineingeboren, in dem sich Prinzessinnen, Nobelpreisträger, Ministerinnen und Vorstände die Klinke in die Hand geben. Viele Hochbegabte, Könner, zukünftige Spitzenmanager, die große Karrieren machen, auch nicht. Wie sie das trotzdem schaffen? Sie verbinden sich mit anderen zu einer einflussreichen Community. Sie eignen sich den Top-Liga Habitus an, stets wertschätzend und großzügig. Sie unterstützen andere und würdigen ihre Erfolge, feiern und empfehlen andere. Lernen Sie, wie Sie auch ohne Schloss und Adel einflussreiche Verbindungen herstellen und pflegen. 

8. Eine falsche Entscheidung hat meine Karriere für immer beendet

Karrieren sind immer unterbrochen von Krisen, von falschen Entscheidungen wie der Jobwechsel um des höheren Gehaltes willen, die Kündigung wegen eines unerträglichen Chefs, für einen MBA zu schuften, statt eine interessante internationale Aufgabe zu übernehmen. Wenn Sie Ihre Fehler erkennen, können Sie auf den Weg der Ambition zurückgelangen: Welche Aufgaben suchen und erfüllen mich wirklich? Was will ich in die Welt bringen? Nur das wird kommuniziert. Sie lernen mit jeder Erfahrung mehr darüber, was Sie jetzt im Moment antreibt.    

9. Zu einer Karriere braucht man auch Glück

Wer von Glück spricht, kennt die Dynamiken von großen Karrieren nicht. »Dann hatte ich einfach Glück und saß neben dem zukünftigen CEO« – beim genauen Hinschauen saßen Tausende schon neben zukünftigen Irgendwas und haben es nicht nutzen können. Neben wem Sie auch sitzen, gewinnen Sie sie für sich: bewundern Sie ihre Erfolge, machen Sie ihm Komplimente, sprechen Sie in großen Worten über Ihre eigenen Anliegen und Ambitionen. Schreiben Sie danach eine Karte, wie inspirierend Sie dieses Gespräch erlebt haben. Wir nennen das Strategie, das Gegenteil von Glück. Bleiben Sie dran. Feiern Sie kleine Erfolge.

Die eigenen Glaubenssätze zu überprüfen, ist der beste Weg nach oben. Wir wünschen viel Freude beim Lernen und viel Erfolg bei der Umsetzung.

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