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Carsharing bei Unternehmen Dienstwagen für alle!

Dienstwagen sind ein Statussymbol - noch. Denn viele Arbeitgeber begeistern sich derzeit für Corporate Carsharing. Damit kriegt jeder das Auto, der's gerade braucht. Endet damit eine Ära?
DriveNow-Flotte: Jeder sechste Kunde nutzt das Angebot bereits beruflich

DriveNow-Flotte: Jeder sechste Kunde nutzt das Angebot bereits beruflich

Foto: DriveNow

Ein Dienstwagen ist für viele das Sahnehäubchen auf dem Gehaltspaket. Schließlich signalisiert ein A6 oder eine Mercedes E-Klasse vor der Tür Geschäftspartnern wie Nachbarn, dass man's geschafft hat. Doch derartige Statussymbole kosten. Schon jetzt ist der Fuhrpark in manchen Firmen der zweitgrößte Kostenblock nach dem Personal. Entsprechend intensiv suchen viele Unternehmen nach Möglichkeiten, die Kosten dafür zu senken.

Viele Unternehmen bevorzugen inzwischen nicht nur kleinere, benzinsparende Wagen - sie haben auch Corporate Carsharing entdeckt. Noch sei das ein sehr kleiner Markt, betont Gerd Heinemann vom Kölner Berater BBE Automotive, aber mit enormem Wachstumspotenzial. Er hat die Akzeptanz und das Potenzial verschiedener Carsharing-Modelle zusammen mit dem TÜV Rheinland in einer Studie unter die Lupe genommen.

Beim Corporate Carsharing nehmen sich Mitarbeiter bei Bedarf das Auto eines Verleihbetriebs; die Firma zahlt. Ein und dasselbe Auto kann für viele verschiedene Unternehmen unterwegs sein.

Freie Auswahl: Privat oder dienstlich?

Einer der größten Anbieter dürfte Ubeeqo sein. Das französische Unternehmen wurde erst in diesem Jahr von Europcar übernommen und soll zügig in Deutschland und Großbritannien an den Start gehen. In Frankreich betreibt Ubeeqo einen Fuhrparkt mit mehr als 500 Fahrzeugen mit vielen Elektroautos, die auf zuletzt rund 40 Großkunden wie Airbus, L'Oréal und Danone verteilt waren. Will ein Mitarbeiter eines der Fahrzeuge nutzen, kann er dies per App anmelden und dann einfach das gewünschte Gefährt vom Parkplatz nehmen. Die Abrechnung erfolgt - je nach Nutzung - über das Unternehmen oder privat.

Dienstfahrzeug-Quiz

Neben expliziten Corporate-Carsharing-Anbietern wie Ubeeqo haben aber auch Autobauer den Carsharing-Markt für Firmenkunden für sich entdeckt. So experimentiert Volkswagen bereits jetzt in China mit einem Corporate-Carsharing-Modell namens VRent, bei dem sich benachbarte Unternehmen einen komplett gewarteten Fuhrpark teilen.

BMW/Sixt mit ihrem Joint-Venture-Ableger DriveNow kooperieren ebenso mit Firmenkunden wie auch Car2Go (Daimler/Europcar). In vielen Fällen haben sie mit den Unternehmen spezielle Konditionen für die Nutzung ausgehandelt. Die Abrechnung können die Mitarbeiter zum Beispiel direkt über die Firmenkreditkarte abrechnen.

"Mittlerweile nutzt schon etwa jeder sechste DriveNow-Kunde in Deutschland die Möglichkeit, vor der Fahrt zwischen einem privaten und geschäftlichen Profil auszuwählen", heißt es bei DriveNow. Bei 365.000 Kunden in Deutschland zum Jahresende 2014 sind das immerhin mehr als 60.000 Kunden.

Auch Uber geht auf Firmen zu

Aber auch Anbieter wie Uber, Lyft, Blablacar, ZipCar oder die Dynamic-Ridesharing-Plattformen Flinc oder TwoGo (Nokia/SAP) werben um Pendler, die sich dort für die Fahrt zum und vom Arbeitsplatz weg einen Mitfahrer organisieren können. Auch dort gibt es Kooperationen mit Firmen, die neben dem Imagegewinn als umweltfreundliches Unternehmen auch ihr Parkplatzangebot schonen können.

Bei den Programmen "Uber Perks" oder "Lyft for work" in den USA können Arbeitgeber ihren Angestellten für bestimmte geschäftliche Fahrten Vergünstigungen anbieten oder die Kosten sogar komplett übernehmen.

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Flott bei der Arbeit: Die beliebtesten Dienstwagen

Foto: BMW

Dass den Autobauern, die bislang einen Großteil ihres Umsatzes mit Firmenkunden machen, ihr Geschäft mit den Dienstwagen wegbricht, ist nicht zu erwarten: Die Zahl derjenigen, die sich ein Auto teilen wollen, bleibt beschränkt. Nur ein Drittel aller Arbeitnehmer, ergab kürzlich eine Studie von BBE, kann sich überhaupt vorstellen, mit einem Leihwagen zur Arbeit zu fahren. Zwei Drittel hingegen wollen auf den eigenen Wagen nicht verzichten.

In der Vernetzung liegt die Zukunft

Womöglich könnte die Nachfrage nach Fahrzeugen mit den neuen Carsharing-Angeboten sogar steigen, glaubt Martyn Briggs von der Marktforschung Frost & Sullivan, derden Corporate-Carsharing-Markt unter die Lupe genommen hat. Schließlich könnten Unternehmen auch Mitarbeitern, die sonst eigentlich keinen Anspruch auf einen eigenen Dienstwagen hätten, so Zugang zur Firmenflotte gewähren.

"Damit würden sie nicht nur die Arbeitsmoral der Beschäftigten stärken und deren Verweildauer im Unternehmen verlängern", sagt Briggs. Da es sich bei den Carsharing-Modellen in der Regel um sehr neue und hochwertige Fahrzeuge handele, sei auch den Anbietern geholfen.

Bedeutet die Entwicklung das Ende des klassischen Dienstwagens als Gehaltsbestandteil? Nein, sagt Berater Bernd Heinemann: "Autos sind immer noch Statussymbole - und das werden sie auf absehbare Zeit auch bleiben."

Mirjam Hecking ist Redakteurin bei manager magazin Online. Dort erschien ihr Beitrag zuerst.

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