OECD-Studie Deutsche nur mittelmäßig auf digitalen Wandel vorbereitet

Arbeitnehmer in Deutschland sind im globalen Vergleich nur durchschnittlich gut auf die Digitalisierung vorbereitet. Für Spitzenplätze reicht es laut einer Studie in nur wenigen Bereichen.

Produktion eines Industrieroboters: Jeder zehnte deutsche Arbeitnehmer muss umgeschult werden
Daniel Ingold/Getty Images/Westend61

Produktion eines Industrieroboters: Jeder zehnte deutsche Arbeitnehmer muss umgeschult werden


Massenarbeitslosigkeit durch den technischen Wandel und Globalisierung drohe zunächst nicht, hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zuletzt in einer Studie befunden. Dennoch seien insbesondere die Jobs Geringqualifizierter durch Automatisierung und Digitalisierung bedroht - nicht nur in Deutschland.

Bei welchen Fähigkeiten es genau hapert, hat die OECD nun in einer weiteren Studie untersucht. Und herausgefunden: In vielen Bereichen sind deutsche Arbeitnehmer zumindest etwas besser qualifiziert als Menschen in anderen OECD-Ländern. Meist sind sie jedoch nur Mittelmaß, für einen ersten Platz in den Rankings reicht es nie.

Für den "Skills Outlook 2019" untersuchte die Organisation etwa, ob und wie häufig Angestellte bei der Arbeit Computer nutzten, etwa um damit E-Mails zu schreiben oder sich tiefergehend zu informieren. Zudem wurden die Digital-Fähigkeiten von Lehrern gezielt untersucht. Sie sind laut OECD maßgeblich dafür, wie gut die kommenden Generationen auf die Digitalisierung vorbereitet sind.

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Für Arbeitnehmer, deren Schulzeit schon länger zurückliegt, gibt es dagegen teils noch Nachholbedarf. Der Studie zufolge muss etwa jeder zehnte deutsche Arbeitnehmer (11 Prozent) Umschulungen mit einer Dauer von einem bis drei Jahren besuchen, um "einem Beruf mit hohem Automatisierungsrisiko zu entkommen". Durch solche Fortbildungen wären die Arbeitnehmer in der Lage, Berufe auszuüben, bei denen sie nur in geringerem Maße durch Maschinen oder Computer ersetzt werden können. In Norwegen haben demnach weniger als fünf Prozent der Beschäftigten solche Maßnahmen nötig (OECD-Durchschnitt 10,9 Prozent).

Vorne mit dabei sind jedoch deutsche Jugendliche, sie sind überdurchschnittlich gut mit digitalen Arbeitsweisen vertraut. Weniger als ein Prozent von ihnen (OECD-Durchschnitt: 2,3 Prozent) verfügt demnach über "geringe kognitive und digitale Fähigkeiten". In die Kategorie fällt etwa, wer nur über mangelhafte Lese- und Rechenfähigkeit verfügt und keine Erfahrung mit der Arbeit an Computern habe.

Anders als häufig unterstellt, ist auch der Anteil der älteren Menschen in dieser Kategorie in Deutschland vergleichsweise gering. Er liegt laut OECD nur bei knapp zehn Prozent (OECD-Durchschnitt: 17 Prozent). In der Türkei dagegen verfügen dagegen annähernd zwei Drittel der älteren Menschen nicht über ausreichende Lese- und Rechenfähigkeit sowie Computererfahrung.

Als "Vorreiter" in vielen Bereichen führt die OECD Belgien, Dänemark, Finnland, die Niederlande, Norwegen und Schweden. Sie seien auf die Digitalisierung besonders gut vorbereitet, "weil ein großer Teil der Bevölkerung die notwendigen Vorkenntnisse besitzt oder Zugang zu entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen hat."

fek



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
SchmidtPe 09.05.2019
1. Oberflächlich und unverständlich!
Warum Norweger nun wesentlich besser auf die digitale Zukunft vorbereitet sein sollen, bleibt unbeantwortet. Vielleicht haben sie auch viele Arbeitsplätze, die nicht so gefährdet sind. Industriearbeiter werden jedoch dem digitalen Wandel stark unterworfen sein. Da helfen aber auch keine 3-jährigen Umschulungen. Was sollen die denn alle werden? Müllberater? CO2-Wächter?
kalim.karemi 09.05.2019
2. Der Grund liegt in den Unternehmen
was Digitalisierung betrifft, ist der öffentliche Sektor in Deutschland weiter als Großteile selbst bedeutender Unternehmen. Wie dort teilweise in der IT noch gearbeitet wird, lässt einem die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Kaum Innovation, Festhalten am Bekannten, Entscheider ohne Plan und Verstand und wenn ein Trend aufgegriffen wird, darfs nichts kosten. Da wird lieber jahrelang gefrickelt, als auf Standardslösungen zuzugreifen. Mit Einblick und der Möglichkeit des Vergleiches, wie innovative Teile der Welt, z.B. die USA, Israel, selbst Russland und die Türkei, Innovationen vorantreiben und zu ihrem Vorteil nutzen, kann man nur eine gute Nacht wünschen.
MichaelundNilma 09.05.2019
3. Alte und neue IT
Zitat von kalim.karemiwas Digitalisierung betrifft, ist der öffentliche Sektor in Deutschland weiter als Großteile selbst bedeutender Unternehmen. Wie dort teilweise in der IT noch gearbeitet wird, lässt einem die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Kaum Innovation, Festhalten am Bekannten, Entscheider ohne Plan und Verstand und wenn ein Trend aufgegriffen wird, darfs nichts kosten. Da wird lieber jahrelang gefrickelt, als auf Standardslösungen zuzugreifen. Mit Einblick und der Möglichkeit des Vergleiches, wie innovative Teile der Welt, z.B. die USA, Israel, selbst Russland und die Türkei, Innovationen vorantreiben und zu ihrem Vorteil nutzen, kann man nur eine gute Nacht wünschen.
Die Anschaffung einer neuen IT muß gut überlegt sein. Nicht immer ist eine neue IT notwendig. IT macht ca. 10 Prozent der Kosten eines Unternehmens aus. Je nach dem kann die Einführung neuer IT eine Produktion lahm legen, da noch nicht implementiert oder dazugehörige software noch fehlerlastig. Neue IT heißt neue Mitarbeiterschulungen und oder sogar höher qualifiziertes Personal zusätzlich einstellen. Es geht nicht nur um modern, sondern auch um Wirtschaftlichkeit, denn die neue IT schlägt sich auch auf die Verkaufspreise nieder - positiv oder aber auch negativ. Wenn wir statt die Modernität der IT betrachten, sollten wir einmal die Produktivität in Deutschland anschauen, Innovationen inklusive, stehen wir hervorragend da. Wir sollten nicht vergessen, das die IT - Firmen in den USA nichts produzieren sondern oft hochverschuldete Dienstleister (Uber z.B.) sind, welche vom Börsenhype und Risikokapital "leben". Tesla brauchte jedenfalls Hilfe aus dem Land mit weniger innovativer IT. MfG
brooklyner 09.05.2019
4.
Zitat von SchmidtPeWarum Norweger nun wesentlich besser auf die digitale Zukunft vorbereitet sein sollen, bleibt unbeantwortet. Vielleicht haben sie auch viele Arbeitsplätze, die nicht so gefährdet sind. Industriearbeiter werden jedoch dem digitalen Wandel stark unterworfen sein. Da helfen aber auch keine 3-jährigen Umschulungen. Was sollen die denn alle werden? Müllberater? CO2-Wächter?
Nr. 1: die völlig anachronistischen deutschen Betriebshierarchien aus der Kaiserzeit, wo es besser scheint, seinen Mund zu halten, anstatt out of the box zu denken und das kundzutun, um den Laden voranzubringen, nur um nicht anzuecken. Ich war sprachlos darüber, wie das hingenommen wird, als ich nach einem Jahrzehnt aus den USA zurück kam. Hier werden komplette Honks zu Chefs, nur weil sie schon lange in der Firma sind. Nr. 2: Die unterirdischen Englischkenntnisse der Deutschen im Vergleich zu den Skandinaviern. Oder haben Sie schon Mal einen Deutschen getroffen, der Elisabeth richtig aussprechen kann, oder nicht gewusst, wo sie hinschauen sollen, wenn irgendein Wichtigtuer irgendwas vom Kreisverkehr erzählt, um ihre leeren Inhalte zu kaschieren? Das liegt natürlich an der unsäglichen Synchronisierungsindustrie, anstatt in Zweikanalton auszustrahlen. Nr. 3: Erstmal immer gegen alles Neue und neidzerfressen zu sein, weil man es schon immer so gemacht hat, oder erwartet wird, dass der Neuling sich erst Mal bewähren muss. Und das sklavische Festhalten an Microsoft Produkten, weil alles andere ja angeblich nur von Hipstern forcierter Klamauk sei, usw, usf. In Norwegen, Schweden und Finnland läuft das alles viel unaufgeregter mit weitaus weniger Ellebogenmentalität und man nimmt sich nicht so ernst und hat flache Hierarchien, weswegen man sich gemeinsam auf das Fortkommen konzentrieren kann.
Referendumm 09.05.2019
5.
Zitat von brooklynerNr. 1: die völlig anachronistischen deutschen Betriebshierarchien aus der Kaiserzeit, wo es besser scheint, seinen Mund zu halten, anstatt out of the box zu denken und das kundzutun, um den Laden voranzubringen, nur um nicht anzuecken. Ich war sprachlos darüber, wie das hingenommen wird, als ich nach einem Jahrzehnt aus den USA zurück kam. Hier werden komplette Honks zu Chefs, nur weil sie schon lange in der Firma sind. Nr. 2: Die unterirdischen Englischkenntnisse der Deutschen im Vergleich zu den Skandinaviern. Oder haben Sie schon Mal einen Deutschen getroffen, der Elisabeth richtig aussprechen kann, oder nicht gewusst, wo sie hinschauen sollen, wenn irgendein Wichtigtuer irgendwas vom Kreisverkehr erzählt, um ihre leeren Inhalte zu kaschieren? Das liegt natürlich an der unsäglichen Synchronisierungsindustrie, anstatt in Zweikanalton auszustrahlen. Nr. 3: Erstmal immer gegen alles Neue und neidzerfressen zu sein, weil man es schon immer so gemacht hat, oder erwartet wird, dass der Neuling sich erst Mal bewähren muss. Und das sklavische Festhalten an Microsoft Produkten, weil alles andere ja angeblich nur von Hipstern forcierter Klamauk sei, usw, usf. In Norwegen, Schweden und Finnland läuft das alles viel unaufgeregter mit weitaus weniger Ellebogenmentalität und man nimmt sich nicht so ernst und hat flache Hierarchien, weswegen man sich gemeinsam auf das Fortkommen konzentrieren kann.
Wie wahr, wie wahr, willkommen zurück in Deutschland. Aber auch in den USA ist nicht alles Gold was glänzt, es sei denn, Sie waren nur im Silicon Valley o.ä. unterwegs. Honks, Red Necks etc. gibts dort nicht nur in der Arbeiterschaft. Eigentlich sollte ich mal ein Buch schreiben, was hier in D in Industrieunternehmen so alles los ist (von wegen, das gibts nur bei den Beamten). Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich nur noch. Wen wundert es denn noch, dass z.B. ein Konzern wie Siemens in vielen Bereichen komplett scheitert. Und selbst die großartige deutsche Automobilindustrie handelt nicht nur ab und an komplett dilettantisch - VW-Abgasskandal & Co lassen grüßen ***. Denn das Arbeitsumfeld bei VW ist schon arg schräg, um es mal höflich auszudrücken. Noch ein Schwank aus dem Arbeitsleben. Mittelgroßer Konzern, eine Hauptverwaltung mit etwa 20 Stockwerken. Es gab zwei Aufzüge. Einer war ausschließlich dem Vorstand vorbehalten. Lustig, was jeden Morgen um 8 Uhr am anderen Aufzug ständig los war. Diese Firma existiert allerdings nicht mehr; hatte aber nix mit dem Aufzug zu tun; gab noch gravierendere Sachen. Und, brooklyner, schon das One-way-ticket in die USA gebucht?;) *** Allein die Tatsache, warum es überhaupt massig Dieselautos hier in D gibt: F. Piech und seine Leute waren nämlich damals bei NSU (heute Audi Neckarsulm) zu doof, den Wankelmotor des Ro 80 zum Laufen zu bringen. Das tat dann später mit Erfolg die japanische Mazda. Und da die damals nicht wussten, was man in Sachen F&E noch machen könnte, kauften die die Lizenz vom TDI von Ludwig Elsbett. Dann wurde massig in die Dieseltechnologie investiert und das führte dann zu dem, mit was wir uns heute leider rumschlagen müssen. Japan und die USA setzten bekanntlich nie auf die Dieseltechnologie, aus den heutigen, wohlbekannten Gründen.
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