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Diplomat über seinen Job »In Nairobi waren unsere Kinder am Anfang ein bisschen verloren«

Jonas Koll zieht ständig mit seiner Familie um. Derzeit leben sie in Kenia. Hier erzählt der Diplomat, was er für den Auswahltest des Auswärtigen Amts können musste – und warum er 12.000 Euro brutto für ein angemessenes Monatsgehalt hält.
Ein Podcast von Verena Töpper

1404 Bewerber für 70 Stellen – von solchen Zahlen können die meisten Arbeitgeber nur träumen. Aber das Auswärtige Amt ist auch ein besonderer Arbeitgeber, und Diplomat oder Diplomatin für viele Menschen ein Traumjob. Um die Welt jetten und in exotischen Ländern unter diplomatischer Immunität leben, das klingt schließlich großartig. Doch der begehrte Beruf hat auch Schattenseiten. Und bis Absolventen überhaupt beim Auswärtigen Amt antreten dürfen, müssen sie durch ein hartes Auswahlverfahren.

Wie wird man Diplomatin oder Diplomat?

Eine einjährige Ausbildung ist der Einstieg in eine Beamtenlaufbahn im höheren Auswärtigen Dienst. Sie besteht aus sechs Monaten praktischer Arbeit in Berlin oder einer Auslandsvertretung und sechs Monaten Ausbildung in der Akademie Auswärtiger Dienst in Berlin. Dazu gehören dann Sprachkurse, aber auch Seminare in Völkerrecht, VWL, Politik oder Geschichte oder Schulungen zu Personalführung oder Rhetorik.

Bewerber für diesen sogenannten Attachélehrgang benötigen die deutsche Staatsbürgerschaft und müssen ein Hochschulstudium mit einem Master oder einem gleichwertigen Abschluss vorweisen können und sehr gute Kenntnisse in Englisch und einer weiteren Fremdsprache haben. Außerdem werden Grundlagenkenntnisse in Französisch erwartet.

Ein Gesundheitstest und eine Sicherheitsüberprüfung sind ebenfalls Voraussetzung – und schließen auch Lebenspartnerinnen und -partner und Kinder mit ein.

Es gibt keine Höchstaltersgrenze für die Bewerbung.

Das Auswahlverfahren besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil und findet in der Regel jedes Jahr statt.

Im schriftlichen Teil müssen Bewerber für den höheren Auswärtigen Dienst die Position der Bundesregierung zu einem außenpolitisch relevanten Thema aufschreiben, eine psychologische Eignungsprüfung und Sprachtests in Englisch und einer weiteren Fremdsprache bestehen.

Dann folgt der gefürchtete Multiple-Choice-Test: Die Bewerber müssen unter Zeitdruck insgesamt hundert Fragen aus unterschiedlichen Wissensgebieten beantworten – Völker-, Europa- und Staatsrecht, Wirtschaft, Geschichte und Politik sowie Allgemeinwissen. Nur wer alle Prüfungen besteht, wird zum mündlichen Test eingeladen. Im Auswahlverfahren 2021/2022 waren das 239 der 1404 Bewerber.

Würden Sie den Wissenstest des Auswärtigen Amts bestehen?

70 von ihnen werden als »Beamte auf Probe« am 1. Juli einen zwölfmonatigen Vorbereitungsdienst an der Akademie Auswärtiger Dienst in Berlin-Tegel beginnen. Und erst wer dann, nach dem Jahr als Attaché, noch eine schriftliche und mündliche Prüfung besteht, wird Beamter im höheren Dienst.

So wie Jonas Koll, 39. Er arbeitet seit 2009 für das Auswärtige Amt – im Moment an der deutschen Botschaft in Nairobi. Kenias Hauptstadt kennt er gut: Er hat dort an der deutschen Schule sein Abitur gemacht. Seine Eltern sind Pastoren, alle vier bis sechs Jahre zog die Familie um.

Inzwischen ist Koll selbst Vater. Der Start in Kenia war nicht ganz leicht: »Unsere Kinder sprachen kein Englisch und waren am Anfang hier ein bisschen verloren.«

Die Schule war wegen der Sommerferien noch geschlossen, aber Koll musste sofort anfangen zu arbeiten. »Wenn man eine Partnerin hat, die sich am Anfang um die Kinder kümmern kann, ist das natürlich sehr hilfreich«, sagt er. »Aber Gott sei Dank gibt es auch eine gewisse Flexibilität in unserem Job, so dass man auch mal früher wegkann.«

So wie für ihn damals gehören Umzüge nun auch für seine eigene Familie zum Leben dazu. Beamtinnen und Beamte im höheren Dienst wechseln alle drei bis vier Jahre den Dienstort. Für Jonas Koll und seine Familie geht es nach drei Jahren in Nairobi im Sommer wieder zurück nach Berlin.

Ein wenig wehmütig sei er schon, gibt er zu: »Wir finden Berlin super, und es hat uns dort immer gut gefallen. Aber natürlich ist man traurig, einen Posten zu verlassen und die Freunde, die man dort gefunden hat.«

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An Bürotagen fängt Jonas Koll oft schon um 6.30 Uhr mit der Arbeit an. E-Mails, Telefonate, Meetings stehen dann an. Oft ist er aber auch unterwegs zu Konferenzen oder Gedenkfeiern, er hält dort Reden oder richtet Grußworte im Namen Deutschlands aus. Eine Rede, die ihm besonders in Erinnerung geblieben ist, schrieb er erst auf der Autofahrt zu der Veranstaltung: Er hatte gedacht, er solle nur stiller Konferenzteilnehmer sein. Stattdessen stand er am Ende vor Dutzenden Fernsehkameras und seine Rede wurde live im kenianischen Fernsehen gezeigt.

Wie er sich damals auf den Auswahltest des Auswärtigen Amts vorbereitet hat, wann er in Flipflops ins Büro kommt und welche Klischees über den Beruf des Diplomaten gar nicht stimmen – das erzählt er im Podcast.

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