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Diversität im Vorstand Gemischte Führungsteams sind finanziell erfolgreicher

Die Zusammensetzung eines Vorstands hat laut einer Studie einen signifikanten Einfluss auf den Erfolg einer Firma. Die besten Entscheidungen treffen Führungsteams, in denen Männer und Frauen vertreten sind.
Diversität zahlt sich aus

Diversität zahlt sich aus

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Klaus Vedfelt/ Digital Vision/ Getty Images

Firmen, in denen Frauen führende Positionen innehaben, erwirtschaften mehr Gewinn. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey, für die 1039 Unternehmen in 15 Ländern analysiert wurden, darunter alle Dax-Konzerne und 35 deutsche Mittelständler.

Die Unternehmen mit dem höchsten Frauenanteil im Topmanagement haben eine 25 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein, als diejenigen, die am wenigsten divers aufgestellt sind, so das zentrale Ergebnis der Studie mit dem Titel "Diversity wins", die an diesem Dienstag veröffentlicht wird.

Als Topmanagement definiert die Unternehmensberatung den CEO und alle, die direkt an sie oder ihn berichten. Für den finanziellen Erfolg wurde das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen betrachtet.

Schon 2014 und 2017 hatte McKinsey untersucht, wie sich die Zusammensetzung des Topmanagements auf den Unternehmenserfolg auswirkt. Auch die beiden Vorgängerstudien waren zu dem Ergebnis gekommen, dass es eine Korrelation zwischen Diversität in Führungsteams und unternehmerischem Erfolg gibt - der Effekt hat sich allerdings noch verstärkt.

2014 hatten Unternehmen, deren Vorstand sich aus Männern und Frauen zusammensetzt, eine um 15 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, finanziell überdurchschnittlich erfolgreich zu sein. Seither ist dieser Wert um zehn Prozentpunkte gestiegen. Julia Sperling, Partnerin bei McKinsey, überrascht dieses Ergebnis nicht: "Um in der heutigen Arbeitswelt zu bestehen und all die Herausforderungen zu bewältigen, die New Work mit sich bringt, sind zunehmend andere Führungsstärken gefragt. Homogene Führungsteams haben es schwerer, passende Antworten auf all diese Veränderungen zu finden."

Eine Quotenfrau reicht nicht

Finanziell erfolgreich und auch langfristig gut aufgestellt seien vor allem jene Unternehmen, in denen verschiedene Blickwinkel in die Entscheidungsprozesse miteinbezogen werden. "Ein rein weiblich besetzter Vorstand würde wahrscheinlich anders entscheiden als ein rein männlich besetzter - aber die besten Entscheidungen würden wahrscheinlich beide nicht treffen, weil in homogenen Gruppen die Vielfalt fehlt", sagt Sperling im Gespräch mit dem SPIEGEL.

Entscheidend sei, dass im Topmanagement möglichst verschiedene Stimmen gehört und unerwartete Fragen gestellt werden – deshalb reiche es aber auch nicht, eine Quotenfrau zu benennen und das Thema Diversität dann abzuhaken. "Es bringt nichts, wenn Frauen zwar formal dabei sind, aber nicht gehört und zu entscheidenden Meetings nicht eingeladen werden."

"Diversität erfordert Energie - aber die Mühe lohnt sich"

Erst wenn es im Unternehmen eine Kultur gebe, die es vielen verschiedenen Talenten ermögliche, sich einzubringen, könne man von einem echten Wandel sprechen. Jeder einzelne im Vorstand könne seinen Teil dazu beitragen: "Als Rollenvorbild verzichtet ein CEO dann vielleicht auf die Teilnahme an einem Panel, das nur mit Männern besetzt ist. Oder fragt nach, warum auf einer Beförderungsliste keine einzige Frau auftaucht. Im Alltag gibt es viele kleine Stellschrauben."

Dass dies mühsam sein kann, will Sperling nicht bestreiten. Eine gewisse "Diversitäts-Müdigkeit", über die Manager immer wieder klagen, kann sie ein Stück weit sogar verstehen: "Diversität schafft keine Harmonie, sondern erfordert Energie. Es ist deutlich einfacher, Entscheidungen in einer homogenen Gruppe zu treffen, in der ohnehin aller einer Meinung sind. Aber unsere Studie beweist eindeutig: Die Mühe lohnt sich." Wenn nur jede dritte Stelle im Topmanagement mit einer Frau besetzt sei, seien schon positive Effekte auf den Unternehmenserfolg messbar.