Diversität Wie aus Michael Megan wurde

Michael, Megan: Eine Geschlechtsumwandlung, so offen vorbereitet und in der Führungsriege eines Unternehmens - das ist selten

Michael, Megan: Eine Geschlechtsumwandlung, so offen vorbereitet und in der Führungsriege eines Unternehmens - das ist selten

Von Daniel McGinn, Harvard Business Review

3. Teil: Auf der Karriereleiter


Für Mitarbeiter, die Megan nie als Michael gekannt haben (was aufgrund von Stellenwechseln und der seitdem verstrichenen Zeit mittlerweile auf die meisten Leute in ihrem Team zutrifft), ist es so, als habe ihre Geschlechtsumwandlung gar nicht stattgefunden. Schließlich haben sie nur aus zweiter Hand - durch Beobachtungen und Erinnerungen anderer Kollegen - davon erfahren. "Ich habe gehört, dass ihre Stimme heute viel ruhiger klingt", sagt Angie Anderson, eine Projektabteilungsleiterin, die seit zwei Jahren zu Wallents Team gehört. "Sie soll jetzt eine bessere Managerin sein."

Aber diejenigen Mitarbeiter, die sowohl für Michael als auch für Megan gearbeitet haben, sagen, dass ihnen die Veränderung auch heute noch auffällt. Calvo, der Leiter der Prüftechnikabteilung, erinnert sich, wie die Mitarbeiter früher auf Michaels Feedback zu ihren Softwareprototypen reagierten: "Wenn sie den Konferenzraum verließen, waren sie wie gelähmt und hatten das Gefühl, haarscharf einer Kündigung entronnen zu sein - weil er ihnen so unverblümt und schonungslos seine Meinung sagte." Aber, fügt Calvo hinzu, "Megan geht ganz anders mit den Leuten um. Sie kommt zwar zu denselben Schlussfolgerungen, führt ihre Mitarbeiter aber auf einfühlsamere Weise, indem sie zum Beispiel fragt: ,Hast du über dies oder jenes nachgedacht?' Inzwischen ist sie eher ein Coach und kein General mehr."

Steuerlich noch öfters ein Mann

Mittlerweile betrachtet Wallent ihre Geschlechtsumwandlung als abgeschlossenes Kapitel. Trotzdem macht sie sich immer noch Sorgen, ob sie bei Kundenbesuchen wirklich als Frau "durchgeht" oder ob Klienten, die ihr ansehen, dass sie eine Geschlechtsumwandlung durchgemacht hat, möglicherweise negativ darauf reagieren könnten. Bis jetzt sei das aber noch nie passiert. Und ab und zu wird sie noch heute an ihren besonderen Status erinnert: So wird sie beispielsweise in der Personalabteilung offiziell immer noch als Mann geführt - teilweise, um steuerlichen und rechtlichen Problemen aus dem Weg zu gehen.

Ihre Sorge, dass sie mit ihrer ungewöhnlichen Entscheidung ihre Karriere gefährdet, scheint unbegründet gewesen zu sein. Zurzeit steht sie auf der Karriereleiter von Microsoft nur noch eine Stufe unter dem Rang eines Vice President, und angesichts ihrer Leistungsbeurteilungen glaubt sie, auf dem besten Weg zu einer Beförderung zu sein. Vielleicht wird ihr das als Frau sogar noch schneller gelingen, weil ihr Führungsstil sich so positiv entwickelt hat. Michael baute seine Autorität in erster Linie auf seinem technischen Know-how auf; für Megan sind die Menschen am wichtigsten: "Ich möchte eine Führungspersönlichkeit sein, die anderen Leuten hilft, ihr größtes Potenzial zu verwirklichen. Ich will meine Mitarbeiter motivieren, jeden Tag aufs Neue zu Hochform aufzulaufen", sagt sie. "Auch das habe ich meiner Geschlechtsumwandlung zu verdanken - ich habe von meinen Mitarbeitern gelernt, wie man Menschen richtig führt."

Daniel McGinn ist leitender Redakteur der "Harvard Business Review".

© 2010 Harvard Business Publishing



insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
Tanja Krienen 31.05.2011
1. Lächerlich
Lächerlich, der Mensch ist nicht kompett von A nach B gegangen - gerade nicht auf dem vielbeschworenen "sozialem Gebiet". Sexualität, Status etc. sind unverändert und werden auch so bleiben. Eine Transgenderfarce.
kulinux 31.05.2011
2. Erstaunlich, …
… dass jemand, der erst aufgrund seiner extremen persönlichen Veränderung anscheinend einfachste Grundsätze des menschlichen Zusammenlebens und der Teamleitung erlernt hat, vorher bei Microsoft so hoch steigen konnte … Naja, besser spät als nie.
cookiely 31.05.2011
3. böse Zungen könnten behaupten....
er habe das ganze nur gemacht um über die Minderheitenregelung an die Beförderung zu kommen. Kann mir auch nicht vorstellen das sich der Führungstil so stark geändert hat. Eine Geschlechtsumwandlung ist keine Lobotomie, hier ist wahrscheinlich ein bisschen erzählerischer Pathos mit eingeflossen. Dennoch sehr mutiger Schritt. Hut ab.
meinung3000 31.05.2011
4. Vokabular von gestern
Die Geschlechtsumwandlung beim Menschen wird seit vielen Jahren als "Geschlechtsangleichende Maßnahme" bezeichnet. Vielleicht sollten das Journalisten wissen, die über dieses Thema schreiben.
ID Fake 31.05.2011
5. x
Zitat von meinung3000Die Geschlechtsumwandlung beim Menschen wird seit vielen Jahren als "Geschlechtsangleichende Maßnahme" bezeichnet. Vielleicht sollten das Journalisten wissen, die über dieses Thema schreiben.
Jaja, und ein Hausmeister ist Facility Manager, ein Maler ein Farbverteilungstechniker, ein Maurer ein Backsteinverbindungsmonteur und eine Putzfrau eine Raumpflegerin. Man muss ja nicht jeden Mist mitmachen.
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