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Home Office Immer weniger Deutsche arbeiten von zu Hause aus

Heimarbeit schien jahrelang auf dem Vormarsch. Viele hofften, Job und Familie so leichter unter einen Hut zu bekommen. Doch tatsächlich arbeiten immer weniger Menschen in den eigenen vier Wänden, so eine Studie des DIW. Besonders überraschend ist die Entwicklung bei Frauen.
Klischeebild: Müssten nicht vor allem Frauen gern zu Hause arbeiten?

Klischeebild: Müssten nicht vor allem Frauen gern zu Hause arbeiten?

Foto: Corbis

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Erwerbstätigen, die von zu Hause aus arbeiten, deutlich zurückgegangen. Ab 2008 ist ihr Anteil in fast allen Berufsgruppen um zweistellige Raten gesunken. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)  hervor.

Die Zahl der Heimarbeiter verringerte sich demnach in Deutschland ab 2008 um rund 800.000. Im Jahr 2012 hätten lediglich noch rund 4,7 Millionen Menschen überwiegend oder manchmal von zu Hause aus gearbeitet, schreibt Karl Brenke, der Autor der Studie. Von diesen Heimarbeitern waren 2,7 Millionen Angestellte.

Ab der Jahrtausendwende wuchs die Zahl der Heimarbeiter zunächst, doch nach acht Jahren war die Spitze der Entwicklung erreicht. 2008 haben 9,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten teils von zu Hause aus gearbeitet. Dann kehrte sich der Trend offenbar um - 2011 lag der Anteil den Angaben zufolge nur noch bei 7,8 Prozent.

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Vor allem Hochqualifizierte arbeiten von zu Hause aus, die meisten davon aber nur gelegentlich. Überraschend: Männer arbeiten etwas häufiger zu Hause als Frauen, 2011 haben sich 7,8 Prozent der Männer und 7,3 Prozent der Frauen für Heimarbeit entschieden. Eigentlich hätte man erwarten können, dass Frauen die technischen Möglichkeiten der Telearbeit häufiger nutzen, um Familie und Beruf in Einklang zu bringen, schreibt Brenk: "Frauen sind sehr viel stärker als Männer darauf orientiert, Berufstätigkeit mit Haushalt und Familie in Einklang zu bringen", das zeige die Tatsache, dass der Anteil von Teilzeitarbeit bei ihnen fünfmal so hoch sei wie bei Männern.

In vielen Ländern der Europäischen Union arbeiten deutlich mehr Menschen von zu Hause aus als hierzulande, heißt es weiter in der Studie. In Island ist es fast jeder dritte Arbeitnehmer, in Frankreich, Großbritannien, Luxemburg und in den skandinavischen Staaten jeder fünfte.

Große Hoffnungen

Als sich in den Nullerjahren Telearbeit allmählich verbreitete, waren damit große Hoffnungen verbunden, gerade was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht. Andererseits fehlt vielen Mitarbeitern, die häufig von zu Hause aus arbeiten, der direkte Kontakt zu den Kollegen. Isoliertes Arbeiten schlägt sich bei vielen auf die Motivation, und auch die Interessen der Arbeitnehmer lassen sich so schlechter vertreten.

Zudem sind manche Arbeitgeber skeptisch, weil sie weniger direkte Kontrolle über die Mitarbeiter haben. Vor einem Jahr beorderte deshalb die neue Chefin von Yahoo alle Heimarbeiter des Internetkonzerns zurück in die Firmenzentrale und löste damit eine Debatte über das Thema aus. Derzeit beschäftigt viele deutsche Konzerne die Balance zwischen Arbeit und Privatem. So hat gerade BMW eine neue Betriebsvereinbarung abgeschlossen, nach der auch mobile Arbeit im Stundenkonto der Mitarbeiter festgehalten wird.

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afp/mamk
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