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Disney-Zeichner Gulbransson: Ente gut, alles gut

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Donald-Zeichner Gulbransson "Was soll ich denn mit Micky?"

Sex, Religion und Tod, das sind die Tabus in Disney-Comics. Jan Gulbransson hat sie schon unterlaufen - und ist dennoch der einzige Deutsche, der komplette Donald-Duck-Geschichten zeichnen darf. Demnächst schickt er den cholerischen Erpel auf Deutschlandreise. Höhepunkt: das Oktoberfest.

Ein großer Teil von Entenhausen liegt mitten in der bayerischen Landeshauptstadt. Denn dort, in seiner Wohnung im Münchner Stadtteil Haidhausen, denkt sich der Comic-Zeichner Jan Gulbransson, 63, die Geschichten über Donald Duck aus und bringt sie für die legendären "Micky Maus"-Hefte zu Papier.

Er ist nach eigenen Angaben der einzige Deutsche, der ganze Donald-Geschichten zeichnet. Er ist auch der erste und einzige Deutsche, der in Disneys Ruhmeshalle, die "Hall of Fame" aufgenommen wurde.

Für Gulbransson ist es ein Kindheitstraum. "Alle Erwachsenen haben uns in den fünfziger Jahren gesagt, wir werden Verbrecher oder Schlimmeres, wenn wir Comics lesen", sagt er. Ein Ereignis habe ihn damals besonders berührt: "1957 ist das erste und einzige Mal nach dem Dritten Reich in Deutschland Schriftgut verbrannt worden", erinnert er sich. Auf öffentlichen Plätzen seien damals Berge von Comics in Flammen aufgegangen.

Tatsächlich rief der Boom der Bildergeschichten in den Nachkriegsjahren schrille Kritik von Pädagogen und Kulturschaffenden hervor: Der "Brunnen spontaner Kinderphantasie" werde damit vergiftet, befürchtete ein einflussreicher US-Arzt. Auch der SPIEGEL schrieb 1951 besorgt über das "Opium der Kinderstube" , allerdings ohne dass die Rede von Verbrennungen war. "Das, was ich hier mache", sagt Gulbransson, "ist die Rache des kleinen Burschen aus den fünfziger Jahren."

Der Zeichner ist der Enkel des berühmten Malers und Karikaturisten Olaf Gulbransson. Schon während der Schulzeit zeichnete er, nach dem Abschluss heuerte er in einem Münchner Zeichentrick-Studio an. Dort blieb er bis Anfang der achtziger Jahre - bis er auf einer Kinderbuchmesse Kontakt zu dem holländischen Verlag aufnahm, der die Disney-Lizenzen hatte.

Gespickt mit mehrdeutigen Pointen

Hier begann seine Arbeitsbeziehung zu Donald, die ihn schließlich zurück nach Deutschland und zum Berliner Ehapa-Verlag führte. Neben vielen anderen Comic-Projekten entwickelt und zeichnet er nun auch Donald-Geschichten für die deutsche Ausgabe der "Micky Maus".

Am 24. August startet ein ganzer Abenteuer-Reigen in der Kinderzeitschrift. Gulbransson schickt Donald und seine Kumpanen in acht Folgen und auf 100 Comic-Seiten auf Deutschland-Reise, darunter aufs Oktoberfest. Die neue Publikation ist Gulbranssons erste Duck-Geschichte seit zehn Jahren. Für eine Geschichte mit elf bis zwölf Seiten benötigt er etwa vier Wochen.

Soweit er weiß, ist es das erste Mal, dass Donald im ganz realen Deutschland unterwegs ist. Seine Reise führt ihn von Berlin über Hamburg ins Ruhrgebiet, nach Köln, Frankfurt, Stuttgart, Dresden und nach München.

Dabei sind Gulbranssons Kreativität allerdings Grenzen gesetzt. Alles machen darf er im Auftrag von Disney nicht. "Es gibt natürlich die klassischen Disney-Tabus: Sex, Religion und Tod", erzählt er. "Die kann man aber unterlaufen." Die Geschichten seien gespickt mit mehrdeutigen Pointen, so dass auch Erwachsene ihren Spaß haben.

In seiner dritten Donald-Folge habe er Dagobert sterben lassen - zumindest für die Entenhausener. Der Leser wusste die ganze Zeit, dass er sich nur im Himalaja verlaufen hatte. "Ich wollte einfach wissen, was passiert, wenn Donald und sein Cousin Gustav die gesamten 13 Trilliarden wirklich erben", sagt Gulbransson.

Nie Micky Maus zeichnen wollen

Nicht im Auftrag von Ehapa, sondern vor allem zum Spaß, hat Gulbransson sich auch einmal Gedanken über das geheime Leben des Donald Duck gemacht. Donald für ein Erwachsenenmagazin - aber alles noch im Rahmen. Mehr als einen Kuss gibt es auch da nicht. "Ich habe das Ende etwas entschärft", sagt Gulbransson.

Donald zu zeichnen, sei eine dauernde Herausforderung, sagt der 63-Jährige. Er gelte zu Recht als am schwierigsten zu zeichnende Comic-Figur. Erst 20 Jahre nach seinem ersten Donald sei er mit seiner Arbeit zufrieden gewesen, sagt Gulbransson. Was ihm an der hitzköpfigen Ente am besten gefällt, ist ihr Charakter.

Immer wieder sei er auch gefragt worden, ob er nicht auch Micky Maus malen würde. "Ich habe mich immer strikt geweigert, weil er mich einfach als Charakter überhaupt nicht interessiert", sagt er. "Was soll ich denn mit dem Micky?"

dpa/jon/mamk
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