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28. Mai 2015, 14:29 Uhr

Karriere-Notbremse

Ich bin doch keine Maschine

Ständig Stress, dieser Druck, niemals Zeit... und das soll jetzt alles sein? Arbeit ist nur das halbe Leben. Wenn Angestellte oder Manager Beruf und Privates neu justieren, sprechen Psychologen von "Downshifting". Sechs Tipps.

Eigentlich hat Tanja Kessler im Berufsleben immer gut funktioniert. Schnurgerade führt ihr Lebenslauf nach oben: Nach dem Abi eine Lehre als Groß- und Außenhandelskauffrau bei einem Automobilhersteller, der hat sie anschließend in der Werbeabteilung übernommen. Zehn Jahre später der nächste Schritt, Wechsel in eine Werbeagentur. Kessler wollte kreativer sein, mehr schreiben. Wieder zehn Jahre, da kam eine Sinnkrise: Ich funktioniere wie eine Maschine. So will ich nicht leben.

Es war eine bittere Erkenntnis in der Mitte des Lebens, Kessler hatte gerade ihren 40. Geburtstag gefeiert. Was tun? Ausharren, weitermachen oder einen Ausweg für den Ausstieg suchen? Dazu braucht es Mut. Trotzdem werfen immer mehr Menschen den Griffel hin, wagen den Sprung in ein neues Leben. Downshifting nennen es Arbeitspsychologen. Übersetzt heißt das: einen Gang runterschalten, um mehr Spaß zu haben.

Der Trend kommt aus den USA und ist an sich nicht neu. "Neu ist, dass die Frage immer früher gestellt wird", sagt Wiebke Sponagel, Coach in Frankfurt. Sie berät Berufstätige, die aus dem Trott raus wollen. Vor zehn Jahren waren es vor allem Männer zwischen 40 und 50 Jahren, mittlerweile sind es auch Berufsanfänger.

Höher, schneller, weiter: Tanja Kessler zog nach 20 Jahren im Beruf eine Zwischenbilanz. Was waren meine Ziele? Welche haben sich erfüllt?

"Mancher neigt dann dazu, alles hinwerfen zu wollen", sagt Sponagel. Sie warnt vor übereilten Entscheidungen in Stresssituationen: "Wer aussteigen will, sollte vorher zwei bis drei Wochen in den Urlaub gehen und alle Fragen klären." Welche Alternativen gibt es? Wie lange kann ich vom Ersparten leben? Wie werden Familie und Freunde reagieren? Kann der Traum vom anderen Leben gelingen?

70 Arbeitsstunden in der Woche, Zeitdruck, Angst um den Arbeitsplatz... Besonders Menschen in leitenden Positionen sind anfällig für krankhaften Stress, ermittelte die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK). Mehr als die Hälfte wälzt sich nachts schlaflos im Bett, rund ein Drittel leidet an Konzentrationsstörungen, Unruhe und depressiven Verstimmungen, jeder Siebte hat Herzrasen.

Auch Tanja Kessler konnte das Grübeln nicht mehr abschalten. Sie machte eine Ausbildung als Naturpädagogin und kündigte vor drei Jahren ihren Job in der Werbeagentur. Heute leitet sie den Glücksgarten, ein Zentrum für naturnahes Leben, bietet Kochkurse an, stellt Käse, Brot und Naturkosmetik her. "Weniger arbeite ich eigentlich nicht", erzählt sie. Aber sie sei zufriedener.

Kristin Kruthaup, dpa/sid

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