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Drei Euro Stundenlohn im Wellness-Hotel "Mit Ausbeutung hatte ich gerechnet, aber das hat mich geschockt"

Als Trainees reifen Berufseinsteiger zu Führungskräften heran - theoretisch. Doch in der Praxis heißt es manchmal Ausbeutung statt Ausbildung, Langeweile statt Leistung. Hier erzählt eine junge Frau, die ihren Namen lieber nicht nennen möchte, von ihren Erfahrungen als "Trainee" in einem Wellness-Hotel.
Massage im Wellness-Hotel: Für "Trainees" nicht immer ein Arbeitsplatz zum Wohlfühlen

Massage im Wellness-Hotel: Für "Trainees" nicht immer ein Arbeitsplatz zum Wohlfühlen

Foto: dapd

"Ich habe als Trainee im Spa eines Vier-Sterne-Hotels gearbeitet - mit einem Stundenlohn von drei Euro. Die Stelle war als Trainee Beauty Professional ausgeschrieben, bewerben sollten sich ausgebildete Kosmetikerinnen oder Wellnessberater. Man werde in traditioneller chinesischer Medizin weitergebildet, hieß es.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Ausbildungen gemacht: zur Kosmetikerin, Masseurin und Heilpraktikerin. Ich war arbeitslos und wollte unbedingt einen Job. Deshalb habe ich zugesagt, obwohl das Gehalt niedriger war als in der Anzeige versprochen. Dort stand: Die Vergütung richtet sich nach Ihrer Ausbildung und liegt zwischen 500 bis 900 Euro brutto. Bekommen habe ich trotz meiner Ausbildung nur 600 Euro brutto und eine warme Mahlzeit am Tag, 30 Euro Wohngeld gab's vom Staat dazu. Zum Leben hat das Geld nicht gereicht.

Ich habe vorher in Norddeutschland gewohnt, musste also umziehen. Für 230 Euro im Monat habe ich ein möbliertes Zimmer gefunden, zur Arbeit bin ich mit einer Kollegin gefahren, habe mich am Spritgeld beteiligt. Dazu noch Kleidung und Essen, dann war von den 500 Euro, die ich netto jeden Monat bekomme habe, nichts mehr übrig.

Das Hotel war quasi ein Trainee-Hotel

Bei der Stellenanzeige des Hotels hatte ich mir schon gedacht, dass man ausgebeutet wird, aber wie sehr und wie systematisch, das hat mich dann doch geschockt. Das Hotel war quasi ein Trainee-Hotel. An der Rezeption, in der Küche, im Service - überall arbeiteten sogenannte Trainees.

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Foto: Corbis

Das Verrückte ist: Obwohl es keine qualifizierten Schulungen gab und wir alle einfach so auf die Gäste losgelassen wurden, lief das richtig gut. Alle waren hochmotiviert. Viele waren wie ich vorher arbeitslos gewesen und hofften nun auf eine Festanstellung, deshalb hat jeder sein Bestes gegeben. Und eine Ausbildung hatten ja alle schon. Auf meinem Namensschild stand: Kosmetikerin und Heilpraktikerin. Erst später wurde in kleinerer Schrift Trainee dazu geschrieben.

Sieben Monate habe ich in dem Hotel gearbeitet. Mir und einer Kollegin wurde unter einem Vorwand gekündigt - pünktlich zum Saisonende. Komischer Zufall, oder? Auf dem Arbeitszeugnis stand als Datum der 31. Februar, also ein Tag, den es gar nicht gibt.

Zum Glück musste ich das Zeugnis bisher nirgendwo vorlegen, ich habe nämlich noch während der Kündigungsphase einen Job in einem Fünf-Sterne-Hotel gefunden und bin dort jetzt sehr glücklich. Die Trainee-Stelle war reine Ausbeutung, aber für mich persönlich hat die Sache trotzdem funktioniert. Ich konnte Berufserfahrung sammeln - und das hat meinen neuen Arbeitgeber überzeugt. Trotzdem bin ich immer noch wütend, wenn ich an die Zeit zurückdenke."

(vet/jam)

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