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Dubai: Alles XXL

Foto: Daniel Garofoli

Deutscher Auswanderer in Dubai "Wir wohnen im höchsten Gebäude der Welt"

Daniel Garofoli, 36, hatte keine Ahnung von Immobilien, als er vor fünf Jahren nach Dubai zog. Inzwischen verkauft er erfolgreich Luxuswohnungen und sieht die Vereinigten Arabischen Emirate als neues Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

"Ich bin vor fünf Jahren mit ein paar Hundert Euro in der Tasche nach Dubai gezogen und habe mir mit meiner Freundin ein 20-Quadratmeter-Zimmer in der Wohnung von Freunden geteilt. Jetzt wohnen wir im Burj Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt, und verdienen mehrere Hunderttausend Euro im Jahr. Gerade sitze ich auf einer Bank am Strand, es sind 27 Grad, und ich schaue aufs Meer.

Mit 16 Jahren habe ich meinen Realschulabschluss gemacht und dann eine Ausbildung zum Automobilkaufmann in Karlsruhe, danach jobbte ich bei Mercedes und absolvierte meinen Zivildienst. Ich musste mich dabei um einen 35 Jahre alten Mann kümmern, der vom Hals abwärts gelähmt war. Damals wurde mir bewusst, dass ein Unfall ein Leben von einem auf den anderen Tag verändern kann. Und ich habe entschieden, dass ich nie wieder einen Job des Geldes wegen annehmen werde. Ich wollte meine Zeit nicht in einem Büro verschwenden.

Ich arbeitete erst einmal als Barkeeper und später als DJ, weil ich damit mehr Geld verdiente als mit dem Mixen von Cocktails und meine Begeisterung für House-Musik immer größer wurde. Auf dem Abendgymnasium holte ich mein Abi nach und studierte danach auf einer privaten Uni Wirtschaft.

Das Auflegen lief inzwischen richtig gut, ich wurde weltweit gebucht, war in 30 Ländern unterwegs und kam vor zwölf Jahren das erste Mal nach Dubai. Ich habe mich sofort in die Stadt verliebt.

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Dubai: Alles XXL

Foto: Daniel Garofoli

Dubai ist international, alles ist super organisiert, die Menschen sind freundlich. Alle haben hier große Pläne, wollen Geschäfte machen, Geld verdienen. Das hat mich begeistert. In dieser Zeit lernte ich meine Frau kennen. Sie kam als Austauschstudentin aus Weißrussland nach Karlsruhe, und als ihr Auslandssemester vorbei war, führten wir fast zwei Jahre lang eine Fernbeziehung.

Meine Freundin kam mich oft besuchen und wir versuchten damals, ein dauerhaftes Visum für sie für Deutschland zu bekommen, doch das war leider aussichtslos. Auf der Ausländerbehörde sagte uns ein Mitarbeiter sowie jemand von der weißrussischen Botschaft, dass Weißrussen nur eine längere Aufenthaltsgenehmigung bekämen, wenn sie etwas könnten, das niemand sonst in der EU könnte. Sie müssten also zum Beispiel Fußballprofis oder spezialisierte Chirurgen sein.

Vor fünf Jahren entschlossen wir uns, Deutschland aufzugeben und nach Dubai zu ziehen, weil es meiner Freundin dort auch gut gefiel. Sie fand schnell einen Job als Assistentin für eine Investmentfirma, weil sie viele Sprachen spricht. Und ein Freund brachte mich auf die Idee, Immobilienmakler zu werden. Ich wollte ohnehin mit dem Auflegen aufhören, weil ich mich mit Anfang 30 zu alt dafür fühlte.

Ich hatte keine Ahnung von Immobilien, aber einen Versuch war es wert. Ich bewarb mich bei verschiedenen Maklern, aber alle sagten mir ab, weil ich keine Erfahrung hatte. Auf einem Flug sah ich dann eine US-Serie über Immobilienmakler in ihren Dreißigern in New York. Damals dachte ich mir, ich will genauso sein wie diese Jungs. Ich probierte es weiter und landete bei einer pakistanischen Immobilienfirma. Wir schlugen uns da alle irgendwie durch. Mittags aßen wir zusammen aus einer großen Schale Reis und Chicken Biryani.

Am Anfang bin ich oft gescheitert, Deals, in die ich viel Zeit gesteckt hatte, platzten wieder. Doch ich merkte schnell, dass man als Immobilienmakler nur Erfolg hat, wenn man viel über die Gebäude, die Bauweisen und die Gegenden weiß - und ein gutes Netzwerk hat. Ich nahm also zu vielen Leuten und Unternehmen Kontakt auf, sprach die Menschen offensiv an und hatte Erfolg: Ich bekam einen Job bei einer von Dubais exklusivsten Immobilienfirmen. Ich machte eine offizielle Lizenz zum Immobilienmakler und lernte viele Regeln und Gesetze des Marktes.

Das Wichtigste ist: Als Immobilienmakler muss man schnell sein - dem Kunden also zuerst eine Immobilie anbieten, die zu ihm passt. Man muss ihm die Aufmerksamkeit geben, die er verdient. Man muss ein Gespür dafür haben, wer etwas kauft und wer sich nur mal ein schönes Penthouse anschauen will. Am Ende muss ich einen kühlen Kopf bewahren und mir immer wieder sagen, dass ich nur ein Berater, nur ein Dienstleister bin. Meine Strategie ist es, die Zeit mit dem Kunden so effektiv wie möglich zu gestalten. Kommissionen kann man zurückzahlen, Zeit aber nicht.

Über meine Kontakte bin ich schließlich auch an die Wohnung im Burj Khalifa gekommen. Wir wohnen hier auf 110 Quadratmetern im 50. Stock und zahlen 4000 Euro Miete. Das ist schon viel, aber wir verdienen gut - und müssen keine Einkommensteuern zahlen.

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Kulturschock: Arbeiten in fremden Welten

Foto: Daniel Garofoli

In Dubai ist alles XXL. Stadien, Beach Clubs, Einkaufszentren werden an jeder Ecke gebaut. Es herrscht eine Aufbruchsstimmung. Für mich sind die Vereinigten Arabischen Emirate das neue Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Menschen machen hier die Dinge einfach möglich, in Deutschland versucht jeder nur das Haar in der Suppe zu finden. Aber dafür arbeitet jeder auch ziemlich viel, auch ich arbeite bis zu 16 Stunden am Tag, mindestens an sechs Tagen die Woche, meistens aber jeden Tag.

Natürlich leben wir hier auch nicht in einem demokratischen Land, sondern in einem Königreich. Es gibt viele Regeln, an die wir uns halten müssen, und wenn wir es nicht tun, drohen drakonische Strafen. Wir müssen etwa ganz genau darauf achten, dass wir uns nicht in der Öffentlichkeit betrinken. Bei Alkohol gibt es hier null Toleranz. Wer betrunken am Steuer erwischt wird, muss eine hohe Geldstrafe zahlen oder sogar ins Gefängnis.

Außerdem ist die Regierung sehr streng, was Krankheiten anbelangt. Wer eine lebensbedrohliche oder ansteckende Krankheit hat, kommt nicht ins Land. Und wer sich hier ansteckt, etwa mit Hepatitis, muss sich in seinem Heimatland behandeln lassen. Nur wer einen Gesundheitscheck besteht, bekommt eine Arbeitsgenehmigung in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Wenn Ramadan ist, sollte man nicht in der Öffentlichkeit essen oder trinken. Vor einigen Jahren durfte man nicht einmal mit einer Wasserflasche auf der Straße herumlaufen oder Kaugummi kauen, aber inzwischen ist es etwas lockerer geworden, Restaurants haben geöffnet, und Nicht-Muslime dürfen einkehren. Allerdings sind die Scheiben zugehangen, damit Muslime uns nicht beim Essen zusehen müssen.

Viele Deutschen denken, dass die Frauen hier weniger Rechte als die Männer haben. Ich kann nur für meine Freundin sprechen, die sich hier sehr wohl fühlt. Sie muss sich nicht extralange Kleidung anziehen oder irgendwie bedecken, sondern kann normal in Shorts und Shirts herumlaufen. Ich würde sogar sagen, die Verschleierung ist hier so etwas wie das Dirndl in Deutschland. Viele Frauen verschleiern sich aus traditionellen Gründen.

Wenn ich mal Freizeit habe, verbringe ich die am liebsten mit meiner Freundin. Oder wir machen was mit Freunden. Wir haben eine kleine Expat-Community gefunden - unsere Freunde kommen aus Frankreich, Kanada, Spanien, Indien und dem Libanon. Wir laden uns gegenseitig ein und gehen nur selten aus, Alkohol ist sehr teuer hier. Für ein Bier zahlt man ungefähr 15 Euro.

Nach Deutschland fliegen wir ein bis zwei Mal im Jahr. Zurück in die Heimat möchte ich aber nicht, ich möchte gern eine eigene Immobilie kaufen und darin mit meiner Freundin wohnen."

Kulturschock
Foto: epa efe Lacerda/ dpa

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