Ein Herz für Langschläfer Wie sage ich's meinem Chef?

Mit Ausgeschlafenheit am frühen Morgen können manche Menschen niemals punkten, mit Schaffenskraft am Nachmittag und Abend umso mehr. Oft zwingen Arbeitgeber alle Angestellten in den gleichen Rhythmus. Dann kommt es darauf an, die Vorgesetzten zu überzeugen - sechs Tipps für Morgenmuffel.

DPA

Wer hat an der Uhr gedreht? Jeden Morgen nimmt das Verhängnis seinen Lauf - für Langschläfer, die ihr Beruf zum Frühaufstehen zwingt. Müde schleppen sie sich durch den Arbeitstag, der nicht ihren chronobiologischen Bedürfnissen entspricht, finden erst spät ihre Hochform und bauen im Laufe der Woche ein übles Schlafdefizit auf.

Muss das so sein? Muss es keineswegs, schreibt Buchautorin Bettina Hennig in ihrem Plädoyer für Arbeitszeiten, die Nachteulen mehr entgegen kommen. Aber wie überzeugt man auch den Chef davon, später starten zu dürfen? Die Journalistin hat sechs Tipps.

1. Beobachten Sie Ihre Vorgesetzten!

Schleicht Ihre Chefin auch ganz gern später durch die Bürotür und versucht dann, durch wilden Aktionismus ihr Versäumnis zu kaschieren? Gibt der Chef öfter mal vor, eine Panne, einen Termin bei der Bank, beim Arzt oder Vertrauenslehrer seines Kindes zu haben? Dann sind das Ihre Frau oder Ihr Mann. Nichts ist besser für Ihr Vorhaben als Vorgesetzte, die ebenfalls Eulen sind.

Andernfalls... hm. Sieht es nicht ganz so gut aus. Denn Lerchen zeichnen sich durch Rigidität und Prinzipienreiterei aus. Sie stilisieren ihre Fähigkeit, früh aufzustehen, zur Tugend. Entweder nehmen Sie einen langen Kampf auf sich oder wechseln den Job. Hilft ja nichts! Schlafen müssen Sie.

2. Sortieren Sie Gegner aus!

Wer belehrt Sie, dass Sie schon wieder zu spät kommen? Wer gibt Ihnen das Gefühl, dass Sie nachlässig und faul sind, weil Sie morgens nicht so gut drauf sind? Das sind Ihre Gegner. Rächen Sie sich mit Erfolg - und vielen Verbündeten. Drängen Sie die Gegner ins Abseits.

3. Suchen Sie sich Verbündete

Welcher Kollege, welche Kollegin nimmt es morgens - typisches Zeichen! - nicht so genau mit der Pünktlichkeit? Wer hängt abends (ebenfalls typisches Zeichen) ohne Murren ein paar Minuten dran? Das sind Ihre Freunde. Tun Sie sich zusammen, sprechen Sie über Ihren Plan, sammeln Sie Argumente, gehen Sie alle möglichen Szenarien durch. Nur Sie kennen Ihre Vorgesetzten, die Stärken, Schwächen, und Eitelkeiten - da versuchen Sie anzusetzen.

4. Lassen Sie sich einen Termin geben

Tragen Sie ihre Wünsche vor. Und rechnen Sie mit dem Schlimmsten: Änderungen sind nie willkommen. Sie machen Angst. Und: Selbst wenn Ihre Chefin oder Ihr Chef noch so tolerant gegenüber Ihrem Anliegen ist, auch sie oder er muss sich nach oben hin verantworten, Veränderungen durchsetzen, für neue Strukturen werben. Deshalb ist es gut, hier gleich ein paar Lösungen an die Hand zu geben.

Streichen Sie die Vorteile der Umstrukturierungen hervor: Will Ihre Chefin das beste Team im Unternehmen leiten? Erklären Sie ihr, dass ihr Team effektiver ist, wenn jeder dann arbeitet, wenn er am fittesten ist. Fordert der Chef Überstunden? Machen Sie ihm deutlich, dass das kein Problem ist, wenn man später kommt. Legen Sie Studien vor und verlangen Sie Verbindlichkeit. Vereinbaren Sie ein nächstes Treffen. Bleiben Sie hartnäckig, treiben Sie Ihre Ziele voran. Machen Sie den Vorgesetzten klar, dass Sie und Ihre zahlreichen Verbündeten nicht locker lassen - es aber mit einer besseren Performance entlohnen, sollten Ihre Wünsche Gehör finden.

5. Sie haben sich durchsetzen können?

Gratulation. Nun gilt es, andere Abteilungen oder andere Firmen für die neuen Strukturen zu erwärmen. Nehmen Sie Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen enderswo auf. Erklären Sie, wie Sie es geschafft haben, und lassen Sie sich von Erfolgen inspirieren oder erzählen, wo es Probleme gibt. Je mehr Betriebe ihre Arbeitszeiten umstellen, desto selbstverständlicher wird es, verschiedene Arbeits-, Lebens- und Lebensformen zu integrieren.

6. Sie sind in einer leitenden Position?

Yes, you can! Führen Sie flexible Arbeitszeiten ein - Ihre Leute werden es Ihnen danken.

  • Omid Najafi
    Bettina Hennig hat fast 20 Jahre für verschiedene Boulevardzeitungen und Illustrierte gearbeitet. Derzeit promoviert sie über Klatschjournalismus und hat einen Roman ("Luise - Königin aus Liebe") verfasst. "Der frühe Vogel kann mich mal!", ein beherztes Plädoyer zur Ehrenrettung der Langschläfer, ist ihr erstes Sachbuch.

insgesamt 2 Beiträge
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herecomesthebut 04.11.2011
1. Eigentlich
Eigentlich war ich heute sehr fit, aber der Artikel hat mich irgendwie so müde gemacht... nicht weil ich ein langschläfer bin, nein weil er so langweilig war. Und lustig war er auch nicht.
feuercaro1 05.11.2011
2. Rhythmisches Versagen
Was so heiter daherkommt, ist ein wirkliches Problem. Zeit meines Berufslebens habe ich unter den Kollegen gelitten, die sich tatsächlich für etwas Besseres halten, weil sie morgens ausgeschlafener sind als ich. Henning spricht an, was leider oft ungeschriebenes Gesetz in den Firmen ist: Wer vor 7 Uhr erscheint, ist engagiert und fleißig. Wer erst nach 9 Uhr einstempelt, ist eine faule Sau, hat keine Disziplin und wahrscheinlich ein Alkoholproblem. Es wäre schön, wenn sich dies änderte. Hennings Ansatz, es selbst zu versuchen, ist löblich - allein ich denke, er wird an tradierten Vorstellungen scheitern.
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