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Ein Jugendfußballtrainer erzählt "Viele Eltern haben zu hohe Erwartungen"

Wenn Kinder Fußball spielen, sind Eltern oft emotionaler als ihr Nachwuchs. Ein Jugendtrainer erzählt, warum er elterliche Spiel-Nachbesprechungen ablehnt - und sich einen Führerschein für Trainer wünscht.
Jugendliche beim Fußball

Jugendliche beim Fußball

Foto: Uwe Anspach/ picture alliance / Uwe Anspach/d

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist in vielen Berufen jede Menge Platz. In der Serie "Das anonyme Job-Protokoll" erzählen Menschen ganz subjektiv, was ihren Job prägt - ob Tierärztin, Staatsanwalt oder Betreuer im Jobcenter.

"Es müsste einen Führerschein speziell für Jugendfußballtrainer geben. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie brauchen eine besondere Ansprache und besonderen Schutz. Und doch erlebe ich immer wieder Kollegen, die schon Fünfjährige anbrüllen, mit vor der Brust verschränkten Armen. Wer Kinder trainiert, um Macht auszuüben, hat hier meiner Meinung nach nichts verloren.

Ich bin eigentlich Lehrer. Im Jugendfußball engagiere ich mich ehrenamtlich, weil ich das Gefühl habe, dass der Teamgedanke in unserer Gesellschaft verloren geht. Viele Menschen haben verlernt, zusammenzuhalten. Sie stellen sich immer selbst in den Mittelpunkt, vergessen die Gefühle ihrer Mitmenschen.

Fußball war schon immer meine Leidenschaft. Ich spiele im Verein, seit ich sechs Jahre alt bin. Meine Trainer waren damals meine Vorbilder. Sie haben mich bis heute geprägt und mir beigebracht, dass es wichtig ist, zusammenzuarbeiten. In der Jugend habe ich im Profifußball trainiert, als Trainer übernahm ich meine erste Mannschaft mit 18 Jahren.

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Mittlerweile bin ich für den gesamten Jugendbereich unseres Vereins verantwortlich, insgesamt sind das 22 Mannschaften. Außerdem trainiere ich zweimal wöchentlich eine U9- und eine U6-Mannschaft. Allein dafür investiere ich mit Vor- und Nachbereitung der Spiele 15 Stunden pro Woche. Auch am Wochenende bei Turnieren stehe ich am Spielfeldrand.

Den Kindern, die mir anvertraut wurden, möchte ich einen Schutzraum geben, in dem sie sich entwickeln können. Sie dürfen sich ausprobieren, auch mal einen Fehler machen, an dem sie wachsen können. Als Trainer stehe ich hinter ihnen, aber nicht vor oder neben ihnen. Ich nehme ihnen Entscheidungen nicht ab und versuche, mich möglichst wenig einzumischen.

Kinder wollen Dinge richtig machen und niemanden enttäuschen. Wenn dem Torwart mal der Ball aus der Hand rutscht oder jemand im Strafraum hinfällt und deshalb der Ball ins Aus geht, versuche ich zu stärken. Schimpfen macht die Situation nicht besser, sondern erzeugt nur Frust.

Aber ich brauche auch die Unterstützung der Eltern, damit die Mannschaft funktioniert. In unserem Verein achten wir sehr darauf, dass der Ehrgeiz nicht überhandnimmt. Aber ich habe auch schon Eltern erlebt, die wegen eines verlorenen Spiels wütend auf den Platz rannten und Kind und Trainer anbrüllten. Das verwirrt die Kinder nur und erzeugt noch mehr Druck.

Seit es am Spielfeldrand Coachingzonen für Trainer gibt, die Eltern nicht betreten dürfen, ist das Miteinander an Spieltagen entspannter geworden. Nur bei Hallenturnieren sind sich Eltern und Spieler oft noch zu nah. Und besonders schwierig wird es, wenn Eltern die Spiele zu Hause mit den Kindern nachbesprechen und ihnen Vorwürfe machen, wie 'Hättest du den Ball nur abgespielt...' Viele haben einfach zu hohe Erwartungen an ihre Kinder.

Auch ich als Trainer überschätze meine Spieler manchmal. Einmal, bei der Teambesprechung während der Halbzeitpause, sagte ich zu meiner U9-Mannschaft: 'Passt gut auf. Der Gegner ist heiß wie Frittenfett.' Nach dem Spiel, das mit 2:0 für uns gut ausging, kam ein Junge zu mir und fragte, wer denn jetzt dieser Heinz Frittenfett sei. Ich begriff: Hier war ich in meiner Sprache von der Kinderebene auf die Erwachsenenebene gerutscht."

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