Statistisches Bundesamt Väter trauen sich langsam Richtung Elterngeld

Sie kümmern sich nach der Geburt um ihr Kind und setzen deswegen im Job aus: Sieben Prozent mehr Väter haben im vergangenen Jahr Elterngeld bezogen. Trotzdem nehmen sie sich nach wie vor wesentlich kürzere Auszeiten als die Mütter.

Vater mit Sohn (Symboldbild)
Roger Richter / Getty Images/Westend61

Vater mit Sohn (Symboldbild)


Die Zahl der Väter, die für ihren Nachwuchs eine berufliche Auszeit nehmen und Elterngeld beziehen, ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Die Zahl stieg seit 2017 um sieben Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Die Zahl der Mütter, die Elterngeld erhalten, nahm dagegen nur um drei Prozent zu.

Doch die Mütter bezogen das Elterngeld deutlich länger als die Väter, wie aus den Zahlen hervorgeht: Ihre durchschnittliche Bezugsdauer lag im Schnitt bei 11,7 Monaten, bei den Vätern dagegen nur bei drei Monaten.

Auch sind Frauen bei dieser finanziellen Unterstützung der Kinderbetreuung insgesamt weiter deutlich in der Mehrzahl: Im Jahr 2018 erhielten den Daten zufolge rund 1,4 Millionen Mütter und 433.000 Väter Elterngeld. Zusammengerechnet waren das vier Prozent mehr Menschen als im Jahr 2017.

Diese Elterngeld-Modelle gibt es
Basiselterngeld
Das Basiselterngeld können alle frischgebackenen Eltern beantragen. Es beträgt in der Regel zwischen 65 und 67 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens der letzten zwölf Monate vor der Geburt - mindestens 300, höchstens 1800 Euro im Monat. Beantragt nur ein Elternteil das Elterngeld, wird es zwölf Monate lang ausgezahlt. Nimmt auch der Partner oder die Partnerin mindestens zwei Monate Auszeit für das Kind, verlängert sich der Bezug um zwei Monate. Alleinerziehenden stehen regulär 14 Monate zu. Das Basiselterngeld kann mit den anderen beiden Modellen kombiniert werden.
Elterngeld Plus
Das Elterngeld Plus eignet sich besonders für Angestellte und Selbständige, die nach der Geburt wieder stundenweise oder in Teilzeit arbeiten wollen. Sie können dann bis zu 50 Prozent ihres vorherigen Gehalts verdienen, ohne dass es auf das Elterngeld angerechnet wird. Dafür wird jeden Monat nur die Hälfte des Elterngelds ausgezahlt, allerdings doppelt so lange - also bis zu 24 statt bis zu zwölf Monate. Die Leistung wurde erst 2015 eingeführt.
Partnerschaftsbonus
Den Partnerschaftsbonus sollten Eltern wählen, die sich die Betreuung des Kindes teilen und mindestens vier Monate lang parallel zwischen 25 und 30 Stunden in der Woche arbeiten. Zur Belohnung schenkt ihnen der Staat vier zusätzliche Elterngeld-Plus-Monate. Die Bezugszeit lässt sich so auf bis auf 32 Monate verlängern. Der Bonus muss allerdings komplett zurückgezahlt werden, wenn die Bedingungen nicht erfüllt werden. Das ist bereits der Fall, wenn ein Elternteil nur eine Woche weniger oder mehr als 25 bis 30 Stunden arbeitet.

Eltern, deren Kinder ab dem 1. Juli 2015 geboren wurden, können zwischen Basiselterngeld und Elterngeld Plus wählen oder beides kombinieren. Elterngeld Plus fällt in der Regel niedriger aus, wird aber länger gezahlt - bis zu 36 Monate für die Elternteile zusammen.

Mit 30 Prozent wählte fast ein Drittel der Mütter Elterngeld Plus, bei den Vätern waren es 13 Prozent - jeweils ein leichter Anstieg.

Die Gründe, warum Väter weniger Elterngeld beziehen, sind verschieden: Laut der Plattform Elterngeld.de nehmen Väter nach der Geburt ihres Kindes auch gern Urlaub, anstatt beim Arbeitgeber Elterngeld zu beantragen. "Damit verpassen diese Väter die Chance auf die staatliche Leistung", erklärt Patrick Konrad, Pressesprecher von Elterngeld.de. Denn auch Väter haben einen Rechtsanspruch auf Elternzeit und Elterngeld.

Einige Väter entscheiden sich laut Pro-Familia-Beraterin Hannelore Lambertz-Eichhoff aus Angst um ihren Job allerdings bewusst für die Urlaubsvariante. "In kleineren, konventionellen Betrieben kommt das noch vor", sagt die Sozialarbeiterin.

kha/dpa/AFP

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Jadama 11.04.2019
1. Kompliziert, Bürokratisch, langsam
Als selbst betroffener Vater kann ich nur sagen, dass es kein Wunder ist, wenn das Elterngeld nicht so häufig in Anspruch genommen wird. Durch die nicht ganz unkomplizierten Anträge (und die gefühlt hundert benötigten Unterlagen) wühlt man sich bei passender Motivation ja noch durch. Absolut problematisch finde ich allerdings, dass der Antrag erst nach der Geburt des Kindes gestellt werden kann. Das führt dann dazu, dass ein vater, der das Einkommen der Familie allein einbringt sich zur Geburt keine Elternzeit nehmen kann. Der Arbeitgeber zahlt dann kein Gehalt mehr und dank langer Bearbeitungszeiten und enormer Bürokratie gibt es zunächst auch kein Geld vom Amt. Das ganze richte sich also eher an Besserverdienende.
andreasclevert 11.04.2019
2. Freut mich zu hören, als Elterngeldveteran :-)
Ich habe 2008 erstmals 12 Monate und dann in den weiteren Geburtsjahren der jüngeren Geschwister 2010 und 2013 jeweils auch ein Jahr Elterngeld als Vater bezogen. Das möchte ich nicht missen, weil es mich in vielerlei Hinsicht auch heute noch prägt im Umgang mit den Kindern, die nun 6, fast 9 und fast 11 sind. Empfehlenswert für alle Papas. Das kommt nur einmal im Leben :-)
Phil2302 11.04.2019
3. Eltenzeit lohnt sich?
Wo das denn? "Damit verpassen diese Väter die Chance auf die staatliche Leistung." Soweit ich weiß, gibt es doch maximal 1800 Euro netto in der Elternzeit. Wie soll ich den Einkommensverlust denn ausgleichen? Wenn ich Urlaub nehme verliere ich kein Geld, bei 2 Monaten Elternzeit gut 4500 Euro. Keine schwere Wahl. Ich habe keine Elternzeit genommen.
Herr Bordt 11.04.2019
4.
@ Nr.1: Zumindest für den Fall BaWü konnte ich aktuell die Erfahrung machen: Zeitraum zwischen Beantragung (einen Teil der Nachweise bekommt man automatisch bei der Geburt des Kindes) und Überweisung 3 Wochen. Da man das Elterngeld ab der Geburt beantragen kann, ist eine Auszahlung binnen eines Monats nach der Geburt absolut realistisch - soweit man die Zeit für den Antrag in der auch sonst schon mit allerlei ungewohnten Aufgaben vollgepackten Zeit findet... Rücklagen für ein paar Wochen sind da natürlich kein Fehler, aber auch generell im Leben (v.a. auch mit Familie) keine schlechte Idee. @3.: Schade.
index77 11.04.2019
5. Teurer Spaß, aber immerhin!
Elternzeit ist ein teurer Spaß, aber immerhin gab es was vom Staat dazu. Welche Alternative gäbe es denn sonst.. Ich hätte sogar unbezahlt frei genommen drei bis vier Wochen. So hatte ich einen Monat ab Geburt plus vier Wochen Urlaub. Das war schon schön, das Baby in dieser Zeit zu betreuen, während sich die Mutter erholt. Den 14 . Monat werde ich auch wieder nehmen. Das Elterngeld ist aber ansonsten eher eine Unterstützung für Doppel- oder leicht besser verdienende. Wer ohne Gespartes gerade mal mit dem Gehalt klar kommt, dem nützt das auch nichts einen Teil vom Staat zu bekommen. Die Zeit zwischen Geburt und Auszahlung war drei Wochen. Mit der Geburtsurkunde bewaffnet und den nötigen Nachweisen hat das Amt dann zwei Wochen benötigt und die Bundeskasse hat gezahlt. Eine Woche habe ich auf die Geburtsurkunde gewartet. Also alles in einem Gehaltsmonat geschafft.
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