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Job & Karriere

Berufswahl Hilfe, ich kann mich nicht entscheiden

Mathe-Lehrer oder Pferdewirt? Oder doch lieber was mit Medien? Wer die Wahl hat, schiebt sie gern auf. Und steht am Ende oft mit leeren Händen da. Martin Krengel hat seine Doktorarbeit über die Qual der Wahl geschrieben. Sein Rat: Hört endlich mit dem Grübeln auf!
Soll ich's wirklich machen oder lass ich's lieber sein? Die Jobwahl kann knifflig sein

Soll ich's wirklich machen oder lass ich's lieber sein? Die Jobwahl kann knifflig sein

Foto: Corbis

Eine Welt, in der man vom Tellerwäscher zum Bodybuilder und Millionär werden kann, scheint grenzenlos zu sein. Jeder kann alles erreichen, wenn er nur die richtigen Mittel und Wege findet. "Du kannst, wenn du willst", "Finde den Job, der dich glücklich macht" - die Versprechen der Jobexperten sind verlockend. Nur wissen viele gar nicht, was sie glücklich macht. Und so eiern, wenn es um die Berufswahl geht, die meisten Studenten herum wie Vierjährige beim ersten Versuch auf dem Fahrrad.

Auch ich war in der Berufsfindung lange geblendet vom Glanz der unbegrenzten Möglichkeiten. Ich schrieb, damals noch postalisch, 55 Unis an und bat um Studienpläne. Entschied mich für Wirtschaftswissenschaften, weil ich so hinterher die meisten Möglichkeiten hätte und mich am wenigsten festlegen musste. Bewarb mich an neun Auslandsunis und besuchte 15 Jobmessen. Die Qual der Wahl war meine Qual - bis ich beschloss, dieses Phänomen in meiner Doktorarbeit zu erforschen. Und ich fand einige Antworten in der Frage, warum wir es uns selbst so schwer machen.

Im Kern liegt unser Luxusproblem in der "Zuvielitis": Sucht man nach Vollzeitstellen speziell für Berufseinsteiger bietet die Online-Stellenbörse Monster im Einkauf 142, im Vertrieb 616, im Marketing 346, im Controlling 314 und im Personal 364 aktuelle Stellen. Nicht ganz leicht, sich hier zu entscheiden.

Jede Option zu prüfen, kostet Zeit und Nerven. Die Forschung bestätigt, dass Menschen sich desto schwerer und seltener entscheiden, je mehr Optionen zur Auswahl stehen. Das gilt für Konsumgüter, Dienstleistungen, Jobs. Sogar Ärzte oder Politiker vertagen gern Entscheidungen, wenn diese zu viel Energie zum Nachdenken erfordern.

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Bewerbungen: Wo geht's denn hier zum Job?

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Studenten, die 30 statt sechs Essay-Themen für Zusatzpunkte zur Auswahl hatten, gaben seltener Essays ab - und in schlechterer Qualität. Wer die Wahl hat, schiebt diese gern auf. Gerade junge Menschen möchten keine falschen Entscheidungen treffen und sich alle Optionen offenhalten. Bis sie zum Schluss froh sind, überhaupt noch etwas zu finden.

Früher gaben uns Kirche, Staat, Herkunft oder familiäres Umfeld eine gewisse Richtung vor. Es gab mehr Erfahrungen, die man weitergeben konnte. Aber was sollen Eltern, Onkel oder Freunde zum Jobangebot als Social Media Manager oder Affiliate Development Assistant sagen?

Eine Jobwahl provoziert innere Konflikte: Job A bietet ein tolles Gehalt und gute Aufstiegschancen. Doch die Firma liegt in der Pampa und die starre Hierarchie ist nicht zu übersehen. Job B bietet ein tolles Team, eine vielfältige Aufgabe und liegt im Zentrum Ihrer Lieblingsstadt. Der Wermutstropfen ist die magere Bezahlung. Die Frage ist nun, wie viel Schmerzensgeld Job A bieten muss, um B auszustechen. Doch die Präferenzen ändern sich. An einem Tag scheint die Lage der Firma wichtig zu sein, am anderen die Aufstiegschancen. Und oft gibt es auch noch Option C, D oder E.

15 Punkte auf der Was-will-ich-tun-Liste

Selbst wenn kein konkretes Angebot auf dem Tisch liegt, wiegt die Frage "Was wäre wenn...?" schwer. Gern vergleicht man all die Vorteile der nicht gewählten Optionen und stellt diese den Nachteilen der eigenen Wahl in Rechnung. Schlimmstenfalls hat jede Option einen Haken - und kein Job scheint mehr wirklich attraktiv zu sein. Was tun wir? Weitersuchen.

In meinen Seminaren über Selbstmangement und Lernmethoden stelle ich den Studenten vier Fragen: Was will ich tun? Was will ich sein? Was will ich haben? Was will ich können? Dazu soll jeder mindestens 15 Verben, Adjektive, Gegenstände, Tätigkeiten finden. Danach wird nach Mustern, Wiederholungen und Gemeinsamkeiten geschaut.

Mir hat diese Übung sehr geholfen bei der Entscheidung für oder gegen eine Doktorarbeit. Lesen, schreiben, vortragen, konzipieren und gründlich nachdenken standen ganz oben auf meiner Was-will-ich-tun-Liste. Diese glich ich mit den Aufgaben eines Doktoranden ab: lesen, schreiben, Dinge gründlich durchdenken... Bingo!

Vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig, wie wir uns entscheiden, sondern nur, dass wir uns überhaupt entscheiden. Sonst geht es uns wie Buridans Esel, der vor zwei großen, saftigen Heuhaufen stand. Beide schienen lecker, und der Esel schwankte immer zwischen den beiden attraktiven Optionen hin und her. Er konnte sich einfach nicht entscheiden, welchen er fressen wollte. So lange, bis er verhungerte.

Martin Krengel ist Zeitmanagement-Experte und Lerncoach. Er studierte in fünf Ländern Psychologie und Wirtschaft, beides mit Auszeichnung. Als Vortragsredner und Autor der Bücher "Der Studi-Survival-Guide" und "Golden Rules" entwickelte er eigene Zeitmanagement-Konzepte für Schüler, Studenten und Berufseinsteiger. Mit seiner Arbeit möchte er beweisen, dass nicht Intelligenz oder Glück über den Erfolg entscheiden, sondern die richtigen Methoden.Martin Krengel im Internet: Zeitmanagement für Wissensarbeiter 

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