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Ungleiche Löhne "Frauen sind zu brav"

Heute ist Equal Pay Day: Fast ein Vierteljahr müssen Frauen länger arbeiten, um auf das Durchschnittsgehalt von Männern zu kommen. Das ist ungerecht - aber oft liegt es auch am Verhandlungsgeschick der Frauen. Karriereberaterin Ute Bölke gibt im Interview Tipps.
Von Eva-Maria Hommel
Und nun zum Finanziellen: Frauen geben in Gehaltsverhandlungen zu schnell auf

Und nun zum Finanziellen: Frauen geben in Gehaltsverhandlungen zu schnell auf

Foto: Corbis
Zur Person
Foto: privat

Ute Bölke (Jahrgang 1960) ist Betriebswirtin und hat mehrere Jahre im Personalmanagement verschiedener internationaler Unternehmen gearbeitet. Seit 2000 ist sie selbstständige Beraterin und Coach in Wiesbaden. Unter anderem unterstützt sie Menschen bei Berufseinstieg und Bewerbung und berät Unternehmen in Personalfragen.

KarriereSPIEGEL: Frau Bölke, sind Frauen selbst schuld an der ungleichen Bezahlung? Trauen sie sich in Verhandlungen zu wenig?

Bölke: Von Schuld würde ich nicht sprechen. Aber man kann ein Rollenverhalten beobachten: Frauen neigen dazu, in Gehaltsverhandlungen eine Mindestgröße zu nennen. Wenn sie die nicht bekommen, kann es nur weiter runtergehen. Man sollte eine höhere Summe ansagen. Wenn der Chef nein sagt, fragt man nach: Was muss ich tun, um die Summe zu erreichen? Frauen geben da ganz schnell auf, sind schnell zu brav. Ein Gehalt muss aber ein Stück weit erkämpft und eingefordert werden. Wenn ich etwas will, muss ich knallhart sein und Gehaltsvorschläge auch begründen.

KarriereSPIEGEL: Warum fällt das Frauen so schwer?

Bölke: Frauen liegt es nicht unbedingt, über Geld zu reden. Sie sind ein Stück weit bescheiden. Oft höre ich Sätze wie "Die Aufgabe muss sinnstiftend sein." Geld spielt für viele Frauen keine so große Rolle. Für die meisten Männer dagegen schon.

KarriereSPIEGEL: Sollten Frauen sich also in Gehaltsverhandlungen wie Männer verhalten?

Was ist der Equal Pay Day?

Bölke: Wenn das heißt, dass Männer oft selbstsicher, führend, strategisch vorgehen: ja. Es ist nicht erheblich, ob jemand ein Mann oder eine Frau ist. Es geht ums Führen: ein Ziel anvisieren und das in den Verhandlungen verfolgen.

KarriereSPIEGEL: Gibt es auch etwas, was Frauen in Verhandlungen besser können als Männer?

Bölke: Frauen sind eher bereit zu Kompromissen, um die Fronten nicht so schnell verhärten zu lassen. Wenn ein Gehaltsziel nicht sofort erreicht werden kann, fragen sie: "Wann wäre es möglich, in welchem Zeitrahmen?" Es ist wichtig, den Gesprächsfaden weiterzuspinnen. Wenn einer das Gesicht verliert, ist das Gespräch zu Ende.

KarriereSPIEGEL: Und wie ist es, wenn eine Frau der Chef ist? Laufen die Verhandlungen dann fairer ab?

Bölke: Jedenfalls wird eine Frau einen Mann nicht besser bezahlen, weil er ein Mann ist. Sie wird sich mehr an Erfolgen und Arbeitsleistung orientieren. Und ich finde auch, dass oft mehr auf soziale Gerechtigkeit geachtet wird. Dass Frauen eher Rücksicht nehmen, wenn eine Frau ein Kind hat und deshalb Teilzeit arbeitet oder manchmal fehlt. Auch wenn es darum geht, aus der Teilzeit wieder eine Vollzeitstelle zu machen, sind Frauen unterstützender.

KarriereSPIEGEL: Abgesehen von Gehaltsverhandlungen - was können Frauen im Berufsalltag tun, um in höhere Gehaltsklassen aufzusteigen?

Bölke: Sie sollten taktischer vorgehen, so wie es viele Männer machen. Die sind gut informiert, wie ihr Gehalt im Branchenvergleich aussieht. Einige bewerben sich hier und da und führen Vorstellungsgespräche, nur um zu gucken: Was bin ich eigentlich wert am Markt? Damit gehen sie in Gehaltsverhandlungen. Die Informationen bekommen sie, indem sie netzwerken. Männer haben dafür allerdings oft mehr Zeit. Zwischen 30 und 40 spinnen sie Netzwerke, die sie beruflich weiterbringen. Viele Frauen vernachlässigen das, kümmern sich um Haushalt und Kinder, sind sozusagen das Backoffice des Mannes. Wer höhere Gehälter will, muss aber auch sagen: Das hat einen gewissen Wert in meinem Leben. Ich bin bereit, dafür einiges zu tun und das mit meinem Partner abzustimmen. Sprich: Wer passt auf die Kinder auf, wenn ich abends auf eine Netzwerk-Veranstaltung gehe?

Das Interview führte Eva-Maria Hommel (Jahrgang 1984). Sie ist freie Journalistin (www.weitwinkel-reporter.de) und schreibt vor allem über Arbeit und Soziales.