In Kooperation mit

Job & Karriere

Doris Brenner

Rat von der Karrierecoachin Erst zwei Jahre Funkstille, dann Bewerbung – geht das?

Doris Brenner
Ein Gastbeitrag von Doris Brenner
Ein Gastbeitrag von Doris Brenner
Arne würde sich gern bei einer Firma bewerben, bei der er vor Jahren ein Praktikum gemacht hat. Leider hatte er seitdem keinerlei Kontakt zu seinen ehemaligen Chefs. Wie er jetzt am besten vorgehen sollte.
Hallo, guten Tag, ich habe mich jetzt länger nicht gemeldet...

Hallo, guten Tag, ich habe mich jetzt länger nicht gemeldet...

Foto: Uwe Umstätter / Westend61 / imago images

Arne, 26 Jahre, schreibt: »Ich stehe kurz vor meinem Master-Abschluss als Elektroingenieur und überlege mir berufliche Einstiegsmöglichkeiten. Ich hatte ein dreimonatiges Praktikum bei einem Industrieunternehmen, wo es mir sehr gut gefallen hat und ich auch ein sehr gutes Zeugnis bekommen habe. Das Praktikum liegt allerdings schon zwei Jahre zurück, und ich habe den Kontakt seither nicht gehalten. Jetzt, wo ich einen Job suche, mich erst wieder zu melden, fühlt sich irgendwie blöd an. Wie gehe ich am besten vor?«

Hallo Arne,

es ist eine gute Idee, dort, wo Sie bereits einen praktischen Einblick gewinnen konnten und es Ihnen während des Praktikums gut gefallen hat, nach dem Studium beruflich einzusteigen. Sie können abschätzen, was auf Sie zukommt – anders als bei anderen Firmen, bei denen Sie sich einfach auf Stellenanzeigen bewerben und nicht wissen, was sich wirklich dahinter verbirgt.

Doch auch aus Sicht des Unternehmens sind Sie ein bevorzugter Kandidat. Sie schreiben, dass Sie ein sehr gutes Zeugnis bekommen haben, sprich: das Unternehmen scheint auch mit Ihnen zufrieden gewesen zu sein. Diese gemeinsame Erfahrung stellt auch für das Unternehmen eine Risikoreduzierung bei der Rekrutierung dar. Also alles paletti, wenn da nicht Ihr schlechtes Gefühl im Magen wäre: Zwei Jahre lasse ich nichts von mir hören, und jetzt, wenn ich einen Job brauche, melde ich mich wieder.

Ja, sicherlich würde es Ihnen leichter fallen, dort anzurufen, wenn Sie regelmäßig weiter im Austausch gestanden hätten. Doch das ist nun einmal nicht der Fall. Wie können Sie jetzt vorgehen, damit das Ganze nicht diesen unangenehmen Beigeschmack hat?

Einen guten Aufhänger suchen

Überlegen Sie sich, an was für Projekten Sie damals mitgearbeitet haben. Wurde ein neuer Fertigungsprozess entwickelt, der dann in der Produktion eingesetzt werden sollte? Oder haben Sie in der Produktentwicklung an einer neuen Applikation mitgearbeitet? Dies könnte ein guter Aufhänger sein, um auf Ihre damaligen Ansprechpartner zuzugehen und zu fragen, wie das Projekt weitergelaufen ist. Vielleicht finden Sie auch mit etwas Recherche einen Fachartikel, der mit dem Thema zu tun hat, und nehmen darüber Bezug. Indem Sie an die gemeinsame Arbeit anknüpfen, können Sie einfacher den Gesprächsfaden wieder aufnehmen, denn Sie haben ein Thema, das Sie verbindet.

Die eigene weitere Entwicklung aufzeigen

Versuchen Sie, für sich herauszuarbeiten, was Ihnen das Praktikum damals im Hinblick auf Ihre weitere Entwicklung gebracht hat. Gab es Schlüsselerlebnisse oder wichtige Erkenntnisse, die Sie gewonnen und die Sie geprägt haben? Hatten diese Einfluss auf Ihre weiteren Entscheidungen oder Ihr Handeln? Wenn dies der Fall ist, kann es ein guter Ansatz sein, mit der damaligen Führungskraft Kontakt aufzunehmen und jetzt mit etwas zeitlichem Abstand dafür zu danken. Sie glauben, dass Führungskräfte dafür keine Zeit haben und genervt sind? Aus meiner Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass ein ehrlicher Dank eine schöne Form der Wertschätzung darstellt, für die auch Manager empfänglich sind. Gerade Führungskräfte sind nicht gerade verwöhnt in puncto positives Feedback, da ist das oft Balsam auf der Seele. Doch Vorsicht: Sülzen Sie nicht einfach herum, sondern kommen Sie ganz konkret zum Punkt, was Ihnen wirklich geholfen hat, und dass Sie nun Ihr Masterstudium erfolgreich abschließen werden.

Als Referenzgeber anfragen

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass Sie im Zuge Ihrer Bewerbungsvorbereitungen anfragen, ob Ihre damalige Führungskraft bereit wäre, als Referenzgeberin zur Verfügung zu stehen. Da er oder sie Sie ja während des Praktikums sowohl als Mensch wie auch in Ihrer Arbeitsweise kennengelernt habe, sei Ihnen diese Einschätzung wichtig. Auch dieser Ansatz drückt Wertschätzung aus und hilft Ihnen konkret bei anderen Bewerbungen. Denn persönliche Referenzen haben in der Praxis einen deutlich höheren Stellenwert als oft standardisierte Zeugnisse. Fragen Sie konkret nach, wie er oder sie von potenziellen Arbeitgebern, bei denen Sie sich bewerben, kontaktiert werden möchte. Betonen Sie, dass es Ihnen während des Praktikums im Unternehmen gut gefallen hat. Fügen Sie ruhig hinzu, dass Sie, sollte es in nächster Zeit intern offene Stellen geben, daran auch sehr interessiert sind. So weiß die Führungskraft Bescheid und kann Sie möglicherweise auch bei internen Ausschreibungen ins Gespräch bringen, ohne den Druck, dass Sie eine konkrete Erwartung haben. Denn Sie bewerben sich ja auch anderweitig.

Nach Stellenausschreibungen suchen

Am einfachsten ist es natürlich, wenn es im Unternehmen offene Stellen gibt. Dann können Sie darauf direkt Bezug nehmen und fragen, ob Sie sich bei Ihrer Bewerbung auf Ihren damaligen Chef beziehen dürfen. Denn wie eingangs erwähnt, die reale Erfahrung mit einem Kandidaten im eigenen Unternehmen ist als Entscheidungsbasis durch nichts zu ersetzen. Sofern Sie keinen konkreten Ansprechpartner mehr haben, schreiben Sie zumindest in Ihrem Bewerbungsanschreiben direkt als Einstieg, dass Sie über mehrere Monate im Unternehmen als Praktikant tätig waren. Auch unter Berücksichtigung der Regelungen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) müssten Ihre Daten und damit auch die Bewertung durch Ihren Chef im Unternehmen noch gespeichert sein.

Also fassen Sie sich ein Herz und gehen Sie auf Ihren ehemaligen Praktikumsarbeitgeber zu. Denn genauso wie Sie einen Job suchen, sind Unternehmen grundsätzlich an guten Mitarbeitern interessiert. Und gerade in Zeiten, in denen es auf dem Arbeitsmarkt mit offenen Stellen eher eng wird, sollten Sie Ihren Wettbewerbsvorteil aktiv nutzen.