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Erste Hilfe Karriere Eine zweite Chance für Bewerber

Nach einer Absage erneut anklopfen? Viele trauen sich das nicht, wenn ein Vorstellungsgespräch nicht zum Erfolg geführt hat. Ein Fehler, findet Bewerbungshelfer Gerhard Winkler: Die Einblicke ins Unternehmen, die Sie da gewonnen haben, könnten Ihnen in der zweiten Runde helfen.
Noch mal, weil's so schön war: Dem Ruf schadet ein zweiter Versuch nicht

Noch mal, weil's so schön war: Dem Ruf schadet ein zweiter Versuch nicht

Foto: Corbis

Ein Leser fragte kürzlich: "Ich habe gerade ein umfangreiches Bewerbungsverfahren hinter mir und bin in der letzten Auswahlrunde ausgeschieden. Jetzt schreibt das Unternehmen wieder eine ähnliche Stelle aus. Ich bin unsicher, ob ich mich da noch mal bewerben soll, die kennen mich ja schon."

Man hat niemals eine zweite Chance, sagen die abgekämpften Boxer, die abgebrühten Werbefachleute und die ausgesprochenen Pessimisten. Diese Lebensweisheit stimmt in jedem Fall, wenn Sie ergänzen: "Ich habe nie eine zweite Chance, außer, ich versuche es noch einmal."

Alle professionellen Oberflächenveredler (auf Anhieb fallen einem Verkäufer, Friseure und Bewerbungscoaches ein) fangen ihre Kunden gern mit der banalen Erkenntnis, man habe niemals eine zweite Chance, auf den ersten Blick zu überzeugen. Gewiss gibt es für die Gelegenheit, einen guten ersten Eindruck zu machen, kein Replay. Doch wer lässt sich schon allein vom ersten Augenschein leiten?

Was Sie zu hören bekommen, sind eher Geschichten, wie Menschen auf den ersten Blick unscheinbar, unattraktiv oder uninteressant gewirkt und dann fröhlich einen Sympathiepunkt nach dem anderen gesammelt haben. Nach und nach Vertrauen aufbauen und dem kritischen Blick auf Dauer standhalten: Darauf kommt es an.

Ein zweiter oder dritter Platz ist kein K.o.

Und Sie haben doch auf Anhieb imponiert! Einen ersten Punktgewinn für den guten ersten Eindruck konnten Sie ja schon verbuchen. Sie haben sich zudem einer mehrstufigen Auswahlprozedur unterzogen, sind sehr gut über die Runden und bis in den Endlauf gekommen. Dort haben Sie einen ehrenhaften zweiten oder dritten Platz erreicht.

Der nutzt Ihnen nichts? The winner takes it all? Mal sehen.

Gesetzt den Fall, man hat sich erst am Ende gegen Sie entschieden: Jede Absage kann mit einer Neuanfrage beantwortet werden. Ob in den Wochen und Monaten nach dem Bewerbungsflop dieselbe oder eine ähnliche Position neu ausgeschrieben wurde oder ob Sie sich auf gut Glück wieder melden, ist dabei egal.

Mailen ist für Feiglinge

Es schadet grundsätzlich nicht Ihrer Reputation, wenn Sie sich nach Wochen oder wenigen Monaten erneut melden und Ihr fortgesetztes Interesse an einer Zusammenarbeit übermitteln. Rufen Sie an. Mailen ist nur für Feiglinge! Die Visitenkarten der Interviewer haben Sie ja zum Glück aufgehoben.

Holen Sie tief Luft, wählen Sie durch, starten Sie so: "Guten Morgen, Herr Schubert. Thekla Anzengruber. Ich war mit Ihnen im September im Gespräch wegen der Greenkeeper-Stelle für den Eastside-Platz. Sie hatten sich am Ende für eine Kollegin entschieden, da sie sich auch mit Bermuda- und Kentucky-Gras gut auskennt."

Sie selbst waren in der Zwischenzeit nicht faul, sondern haben in Florida einen Rasenpflege-Workshop besucht. Jetzt haben Sie vom Platz-Marshall, Herrn Blechner, erfahren, dass auch für die Wartung des Randy-Lyle-Platzes eine verlässliche Kraft gesucht wird. "Sie erinnern sich bestimmt, dass ich gerade zu Ihrer Golfanlage eine besondere Beziehung habe. Darf ich es wagen, mich erneut bei Ihnen zu bewerben?"

Gestandene Greenkeeper finden "darf ich es wagen" vielleicht zu affig. Dann formulieren Sie doch so: "Wollen Sie mir eine zweite Chance geben?" Oder Sie verkünden: "Ich möchte meinen Gärtnerhandschuh noch einmal in den Ring werfen."

Nun kennen Sie die Leute, auf die es ankommt

Ich wette um ein Dutzend Titleist-Bälle, dass Sie freundlich aufgefordert werden, sich erneut zu bewerben. Verschicken Sie jetzt aber nicht unbesehen den letzten Lebenslauf, gepaart mit einem lakonischen Begleitschreiben. Jedes Bewerbungsverfahren startet von vorn. Rüsten Sie sich dafür. Nach Ihrem ersten Jobfindungsversuch können Sie weit besser einschätzen, worauf es dem Platzbetreiber ankommt. Ergänzen Sie, nuancieren Sie Ihren Lebenslauf. Arbeiten Sie noch klarer heraus, was alles für Sie spricht.

Das gilt ebenso für Ihr Anschreiben. Auch wenn sich die Anforderungen der vorherigen und der neuen Stelle weitgehend gleichen: Ihr Wissen um die Wünsche und Vorstellungen des Jobanbieters hat sich erweitert. Vor allem kennen Sie schon ganz gut die Leute, die Sie erreichen und überzeugen wollen. Nutzen Sie diese Vorteile, formulieren Sie noch eine Spur selbstbewusster.

Auf dem Grün, dort, wo es drauf ankommt, wollen Sie Ihr Verhalten vom letzten Mal nicht einfach reproduzieren. Hat irgendetwas den Jobanbieter daran gehindert, Ihnen voll und ganz zu vertrauen? Sind Sie nicht verbindlich und fest genug aufgetreten? Haben Sie etwa Zweifel an Ihrer fachlichen Eignung und persönlichen Integrität zugelassen? Wussten Sie zu wenig über den Platz und seine Besonderheiten, über die Anlagenbetreiber und Mitglieder, über die Geschichte, das Selbstverständnis und den Anspruch dieses Orts? Machen Sie sich erneut kundig, forschen Sie weiter nach.

Sollten Sie bei den ersten Treffen die Vergütungsfrage zu ungeschickt und ängstlich angegangen sein, dann spricht nichts dagegen und alles dafür, Ihren Preis anzupassen. Es ist nie falsch zu zeigen, wie schnell man auf dem Platz und im Jobleben dazulernt.

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