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Erste Hilfe Karriere Mischt die Männercliquen auf!

Frauenquote? Muss sein, auch wenn's Männern wehtut, findet Karriereberaterin Svenja Hofert. Vieles versperrt Frauen den Weg in Führungsjobs: etwa der Anwesenheitswahn oder familienfeindliche Arbeitszeiten. Aber all das ändert sich nur durch einen Kulturbruch - den die Quote erzwingt.
Männliche Merkwürdigkeiten: Für den Kulturwandel braucht es die Quote

Männliche Merkwürdigkeiten: Für den Kulturwandel braucht es die Quote

Foto: Corbis

Sie ist Anfang 40, hat zwei Kinder, ist ehrgeizig, besitzt fachliches Know-how, Erfahrung und Führungskompetenzen. Sie möchte steuern, entscheiden, Verantwortung übernehmen, Mitarbeiter ins Boot holen. Sie hat all die Eigenschaften, die ein Manager braucht.

Dennoch kommt meine Kundin nicht dahin, wohin sie hin will: An die Spitze einer Abteilung. Der Grund ist, dass sie nicht um jeden Preis nach oben will, denn zuerst kommen die Kinder. Und nein, die möchte sie nicht bis 20 Uhr einer Kinderfrau überlassen. Man bekommt jedes Kind ja nur einmal. Karriere ja, aber nicht mit Anwesenheitspflicht.

Es gibt viele solcher Frauen, die das Steuer übernehmen würden, wenn sie sich dafür nicht den derzeitigen zeitlichen Gegebenheiten und männlichen Gepflogenheiten anpassen müssten. Eine Frauenquote sollte deshalb nicht kinderlosen Ex-McKinsey-Frauen dienen, die ihren Weg in Unternehmen auch so machen würden, weil sie letztlich in ähnlichen Strukturen denken und handeln wie Männer und deshalb die Vereinbarkeit von Karriere und Kind meist locker sehen - sondern den anderen.

"Karriere? Ich bin doch nicht blöd"

Das sind die, denen es um Work-Life-Balance geht, gutes Miteinander und nicht um pure Macht. Ein Teil von ihnen sagt ohnehin: "Karriere? Ich bin doch nicht blöd." Diese Frauen wollen in ihrem Beruf einen Sinn finden und haben wenig Ambitionen, einen ewigen Kampf gegen Männer zu führen, die an ihrem Stuhl sägen wollen, gegen etablierte Anwesenheits- und abendliche Repräsentationspflichten.

Wer an Unsitten wie diesen rührt, hilft nicht nur den Frauen. Derzeit herrschen auch seitens der Männer in Unternehmen nicht die Typen, die aus Freude steuern, entscheiden, Verantwortung übernehmen wollen. Es dominieren Netzwerker, Ellenbogenstarke und Anwesenheitskönige.

Ein Manager sagte neulich zu mir: "Ich bin auch immer bis 20 Uhr in der Firma, ich muss doch Vorbild für meine Mitarbeiter sein." Seine Teamleiterin soll zur gleichen Zeit nach Hause gehen, maximal eine halbe Stunde früher.

Wer um 15 Uhr gehen muss, bekommt keine Führungsposition

Die Grundüberzeugungen der männlichen Karriereherrscher sind frauenkarrierefeindlich. Zu ihrer Haltung passt eine Frau nicht, die um 15 Uhr gehen muss oder möchte. Sie sehen vielleicht nicht mal, dass Führung in modernen Zeiten nicht der Job des Fleißigen und Anspruchsdenkers ist, sondern die Aufgabe von Menschen, die kleine Boote oder große Schiffe lenken können.

Als Karriereberaterin bekomme ich eine Menge aus Unternehmen mit, auch von jenen, die sich öffentlich als frauenfreundlich bezeichnen. Auch dort werden ambitionierte Frauen immer wieder "strategisch rausgeekelt". Ich habe erlebt, dass Frauen, die schwanger wurden, Vereinbarungen unterschreiben mussten, nach der Geburt auf einen Führungsanspruch zu verzichten.

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Rare Spezies: Karrierefrauen in Deutschland

Foto: GfK

Natürlich sind solche Klauseln rechtlich nicht gültig. Aber eine Frau, die froh ist, überhaupt nach der Babypause weiterarbeiten zu können, unterschreibt alles und verliert nach solchen Attacken meist jede Lust am beruflichen Aufstieg.

"Bekomm du erst mal dein Kind, dann sehen wir weiter", sagte der Abteilungsleiter zu seiner Projektmanagerin und entzog ihr alle Projekte. Er meinte es gut - für sie, die direkt nach der Geburt weiterarbeiten wollte, war es eine Disqualifizierung. Jetzt sitzt sie zu Hause, wird sich mangels anderer Perspektiven selbständig machen.

Der Kampfgeist einer Frau ist oft eingeschränkt

Ganz oft werden Frauen, die Kinder bekommen, danach auf Stellen versetzt, die eine geringere Qualifikation erfordern. Sie haben entsprechende finanzielle Einbußen, die mit unternehmensinterner Gehaltsgerechtigkeit begründet werden. So was müssen die Frauen nicht akzeptieren. Die meisten tun es dennoch. Lieber keinen Ärger haben. Der Kampfgeist einer Frau ist meist eingeschränkt, wenn ihnen das Familien- und Privatleben wichtig ist und ihr Wunsch nach harmonischen Beziehungen stark.

Eine Frauenquote allein kann die Ungerechtigkeit nicht beenden, solange die Unternehmenskultur ist, wie sie oft eben ist. Dennoch spricht all das für eine Frauenquote. Denn sie könnte männliche Herrschercliquen aufmischen und so stärker zum Wesentlichen führen, was für den Unternehmenserfolg wichtig ist: Strategie, Kundenorientierung, Motivation der Mitarbeiter.

Erwarten Sie von einem Herrscher, dass er seinen Stuhl freiwillig räumt? Männer geben ihre Macht nicht einfach so auf, es muss einen Zwang geben. Es reicht nicht, dass die Personalverantwortlichen erkannt haben, wie wichtig die Frauenförderung ist. Die Reichweite der Personalabteilungen endet an den Abteilungsgrenzen. Dort sind es die Chefs, die bremsen und Steine in den Weg rollen. Quotenfrauen müssen und sollten keine weiblichen Abbilder der männlichen Machthaber sein, sondern eine gute Wahl für verantwortungsvolle Positionen - weil sie mit Freude Verantwortung übernehmen, entscheiden, ins Boot holen.

Das geht auch bis 15 Uhr nachmittags, denn gut geführte Mitarbeiter können sich selbst steuern.

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