Studie zur Erwerbstätigkeit Mütter mit älteren Kindern arbeiten öfter und länger

Frauen in Deutschland arbeiten heute deutlich mehr als vor 25 Jahren. Den größten Zuwachs gab es bei den über 50-Jährigen. Auch Mütter von Schulkindern haben viel häufiger einen Job.

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In Deutschland steigen Mütter einer Studie zufolge immer früher wieder in den Beruf ein und weiten ihre Stundenzahl auch stärker aus. Wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln mitteilte, stieg der Anteil der erwerbstätigen Mütter mit Kindern im Alter zwischen zehn und 14 Jahren von rund 70 Prozent im Jahr 2008 auf gut 78 Prozent im Jahr 2017.

Der Anteil der Mütter mit einer Arbeitszeit unter 21 Stunden sank zwischen 2008 und 2017 von 49 Prozent auf 37 Prozent. Gleichzeitig wuchs der Anteil der Mütter mit 21 bis 35 Stunden Arbeitszeit von knapp 25 Prozent auf fast 33 Prozent und der von Müttern mit über 35 Stunden Arbeitszeit von rund 26 Prozent auf rund 31 Prozent. Die Angaben basieren auf Daten des Statistischen Bundesamts sowie des Sozio-oekonomischen Panels.

Bei Frauen mit Kindern zwischen 15 und 17 Jahren nahm der Anteil der Erwerbstätigen von 75 auf 83 Prozent zu. Umfragen zeigten, dass die meisten Mütter mit Kindern im Teenageralter nicht nur einer Erwerbstätigkeit nachgehen, um das Familieneinkommen aufzubessern, schreibt der IW-Ökonom Wido Geis-Thöne in seiner Analyse. Der Beruf sei auch von "hoher emotionaler Bedeutung" für sie. Mütter, deren Kinder jünger als zehn Jahre sind, berücksichtigte er in seiner Auswertung nicht.

Generell ist der Anteil der erwerbstätigen Frauen in Deutschland gestiegen: 2018 arbeiteten rund 76 Prozent der 20- bis 64-jährigen Frauen. Vor 20 Jahren waren es nur knapp 59 Prozent.

  • Den größten Zuwachs gab es bei den 55- bis 64-Jährigen: Während 1993 in dieser Altersklasse nur rund 24 Prozent der Frauen beschäftigt waren, betrug der Anteil 2008 bereits 46 Prozent. Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen des Statistischen Bundesamtes lag er 2017 bei 65 Prozent. Dies führt der Autor vor allem auf Änderungen im Rentenrecht zurück, insbesondere auf die Abschaffung der Rente mit 60.
  • Bei den 35- bis 44-Jährigen ist der Anteil von 68 Prozent (1993) über knapp 77 Prozent (2007) auf rund 80 Prozent (2017) gestiegen. Den positiven Effekt beim Anstieg führt der Autor insbesondere auf den Ausbau der Betreuungsangebote im Kita- und Grundschulbereich zurück.

sun/AFP/dpa

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migampe 29.07.2019
1. Positiver Effekt?
Wo, biite schön, ist es denn positiv, wenn immer mehr Mütter immer länger arbeiten müßen, um einen vertretbaren Lebensstandrad halten zu können? Wie blöd sind wir eigentlich, die entzogene Freiheit auch noch toll zu finden? Achja, das Bild stellt genau die durchschittliche, alleinerziehende Mutter mit 2 Kinder dar....., oder?
VormSpiegel 29.07.2019
2. Traurige Statistiken werden gefeiert
Heute Frau, Alleinerziehend, nur 1 Einkommen, darf auch Vollzeit Arbeiten und am besten noch eine Nebentätigkeit oben drauf, damit alles gerade so über die Runden geht. Irgendwo muss man sich fragen was genau man dadurch gewonnen hat. Andere würden es einfach Überarbeitung nennen und Selbst-Versklavung.
alsterherr 29.07.2019
3.
Zitat von migampeWo, biite schön, ist es denn positiv, wenn immer mehr Mütter immer länger arbeiten müßen, um einen vertretbaren Lebensstandrad halten zu können? Wie blöd sind wir eigentlich, die entzogene Freiheit auch noch toll zu finden? Achja, das Bild stellt genau die durchschittliche, alleinerziehende Mutter mit 2 Kinder dar....., oder?
Lebensstandard ist bedingt durch den eigenen Anspruch. Kinderkriegen auch. Die Kombination aus beidem ist eben nur möglich, wenn ich einen von beiden Ansprüchen entsprechend runterschraube oder einen sehr gut bezahlten Teilzeitjob habe, mich selbständig mache oder andere Einnahmequellen habe.
HBaerbel 29.07.2019
4. Verschiedene Weltbilder
Nach meinem Weltbild ist es ohnehin überholt, dass Mütter oder Väter, bis auf den Zeitraum der Elternzeit, ihren Job auf Eis legen um ihre Kinder Vollzeit zu betreuen. Die meisten Eltern, die ich kenne sind nach spätesten 1,5 Jahren wieder ihrer Beschäftigung nachgegangen. Gruß Baerbel
devidia 29.07.2019
5. Die Freiheit nicht mehr vom Geld des Mannes abhängig zu sein
Ich habe ein 9 jährige und eine 2 jährige Tochter und arbeite in Vollzeit. Mein Mann ist kümmert sich morgens um die Kinder und ich ab dem Nachmittag. Ich finde es total gut, dass das Betreuungsangebot weiter ausgebaut wurde. Ich kann in meinem Job arbeiten und muss nicht nach zu langer Auszeit putzen gehen. Ich tue was für meine Rente und wir können uns mehr leisten. Was ich noch viel wichtiger finde ist ich bin auf das Geld meines Mannes nicht angewiesen. Sollten wir mal nicht mehr zusammen sein (Tod oder Scheidung oder...) dann würde es mir finanziell nicht so schlecht gehen.
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