Arbeitsbedingungen EU-Kommission fordert Standards für Praktika

Länger als sechs Monate sollte ein Praktikum nicht dauern, meint EU-Arbeitskommissar Laszlo Andor. Er will die Ausbeutung von Praktikanten verhindern: mit klaren Regeln zu Arbeitszeiten und Bezahlung.

Schluss mit Ausbeutung! Die EU-Kommission will Praktikanten helfen
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Schluss mit Ausbeutung! Die EU-Kommission will Praktikanten helfen


Sie rackern sich ab, schieben Überstunden, die es offiziell gar nicht gibt, und können kaum die Miete bezahlen: Praktikanten werden oft als Billiglöhner missbraucht. Das hat nun auch die EU-Kommission erkannt. Sie will Qualitätsstandards für Praktika definieren.

"Es kann nicht hingenommen werden, dass manche Praktikantinnen und Praktikanten derzeit als unbezahlte oder billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden", sagte EU-Arbeitskommissar Laszlo Andor am Mittwoch in Brüssel.

Mehr Klarheit will Andor unter anderem durch schriftliche Vereinbarungen schaffen: Darin sollen beide Seiten etwa Angaben zu Lernzielen, Betreuung, Arbeitszeit und möglicher Bezahlung festhalten. Schon in der Ausschreibung für eine Praktikumsstelle müsste stehen, ob der Posten bezahlt ist. Zudem möchte Andor die Dauer auf sechs Monate begrenzen. In einer aktuellen Umfrage, für die 7500 deutsche Praktikanten vor allem aus Automobil- und Handelskonzernen befragt worden waren, hatte jeder zweite gesagt, sein Praktikum dauere sechs Monate oder länger.

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Praktikantenspiegel 2014: Zufrieden mit dem Dauerpraktikum
Die Vorschläge sind eine Empfehlung an die EU-Staaten. Die Standards sollen für Firmen gelten, ebenso wie für Behörden oder Organisationen. Ein Schlupfloch würde allerdings bleiben: Praktika, die Teil eines Studiums oder der Berufsausbildung sind, wären von der Regelung ausgenommen.

Die EU-Kommission sieht den Vorstoß auch als Schützenhilfe im Kampf gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit. 5,7 Millionen Menschen im Alter unter 25 seien in Europa ohne Job, mahnte Andor. Dies sei inakzeptabel. "Ein Teil der Lösung ist es, Praktika so zu verbessern, dass sie jungen Menschen ein wertvolles Sprungbrett in die Arbeitswelt geben können", so der EU-Kommissar. Dazu müsse aber die Qualität stimmen.

"Viel zu häufig können Arbeitgeber Praktika als Quelle für günstige oder sogar kostenlose Arbeit nutzen", sagte Andor. Im Moment genüge eins von drei Praktika nicht den Standards.

Vor allem in Brüssel selbst sind viele Praktikanten unzufrieden: Im Sommer waren dort 200 junge Leute auf die Straße gegangen, um gegen die harten Arbeitsbedingungen zu protestieren.

dpa/vet

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