Urteil EU-Bewerbungen müssen in mehr Sprachen möglich sein

Wer sich um einen EU-Job bemühte, musste das bisher oft auf Englisch, Französisch oder Deutsch tun. Nun hat der EuGH entschieden: Die anderen 21 Amtssprachen dürfen bei Bewerbungen nicht pauschal ausgegrenzt werden.

Das Gelände des Europäischen Gerichtshofs (Archiv)
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Das Gelände des Europäischen Gerichtshofs (Archiv)


Für den Umgang mit den verschiedenen Sprachen in der Europäischen Union gelten klare Regeln. Derzeit gibt es 24 offizielle EU-Amtssprachen, in denen sich Bürger auch jeweils an die EU-Institutionen wenden können. Auch alle EU-Gesetze müssen in allen 24 Sprachen veröffentlicht werden. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat nun klargestellt, dass auch bei Bewerbungen um EU-Jobs die Sprachen nur bedingt beschränkt werden können.

Die Luxemburger Richter kippten am Dienstag in zwei Verfahren grundsätzliche Beschränkungen auf die englische, französische und deutsche Sprache, gegen die sich Spanien und Italien gewandt hatten.

Eine Ungleichbehandlung aufgrund der Sprache könne nur zulässig sein, "sofern sie einem tatsächlichen dienstlichen Interesse entspricht", erklärte der EuGH in einer Mitteilung. Diese Beschränkung müsse zudem angemessen und mit "klaren, objektiven und vorhersehbaren Kriterien" begründet sein.

In einem Verfahren hatte Spanien Vorgaben des Europaparlaments für Bewerbungen um eine Einstellung als Fahrer beanstandet. Dabei war unter anderem das Einschreibungsformular nur auf Englisch, Französisch oder Deutsch verfügbar. Zudem mussten die Bewerber über ausreichende Kenntnisse in einer der drei Sprachen verfügen.

Welche Sprache müssen Fahrer können?

Der EuGH sah in den Vorgaben eine unzulässige Ungleichbehandlung aufgrund der Sprache. Die Beschränkung auf drei Sprachen sei auch nicht dadurch gerechtfertigt, dass die eingestellten Fahrer insbesondere in französisch- oder deutschsprachigen Städten eingesetzt werden sollten und ihre Fahrgäste meist Englisch sprächen. Das Parlament habe nicht nachgewiesen, inwieweit diese Sprachen für die Aufgaben besonders nützlich seien und warum für die Bewerbung keine andere Sprache habe gewählt werden können.

Im zweiten Fall wandte sich Italien gegen Auswahlverfahren, in denen Bewerber auch nur zwischen Englisch, Französisch und Deutsch wählen konnten. Die Klage hatte bereits vor dem Gericht der Europäischen Union Erfolg. Die EU-Kommission legte dagegen Rechtsmittel ein, die der EuGH nun zurückwies. Das Gericht habe zutreffend entschieden, "dass die höchsten Ansprüche, denen ein Bewerber in Bezug auf Befähigung, Leistung und Integrität genügen muss, von den Sprachkenntnissen unabhängig sind", so der Gerichtshof.

Die Luxemburger Richter machten zugleich deutlich, dass das betroffene Europäische Amt für Personalauswahl nicht verpflichtet sei, den Schriftwechsel mit einem Bewerber in einer frei von diesem gewählten Sprache zu führen. Eine Beschränkung der Sprachenauswahl müsse aber gut begründet werden. In dem konkreten Fall habe die Behörde ihr Vorgehen jedoch nicht entsprechend gerechtfertigt.

ngo/AFP

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insgesamt 8 Beiträge
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seangerd 26.03.2019
1. Bürokraten
Bin auch der Meinung, daß Fahrer/Innen und sämtliche Diverse, die für einen Job auf den Faroer gebraucht werden, mindestens zypriotisch und maltesisch sprechen müssen. Ansonsten wären Sie ja fast nutzlos. Allerhöchstens würde es sonst zu einem Job im EU-PARLAMENT reichen.
kumi-ori 26.03.2019
2. Englisch allein sollte genügen.
Für jeden qualifizierten Job, auch den eines Fahrers, muss man heute Englisch können und jeder lernt es in der Schule. Der Fahrer bspw. einer EU-Behörde kann einen Fahrgast etwa aus Polen vom Flughafen abholen müssen, der vielleicht neben Polnisch noch Englisch oder Französisch spricht, aber zufällig kein Italienisch. Salvinis Rechtsnationale Partei möchte hiermit bei ihren Wählern Eindruck schinden.
Leser161 27.03.2019
3. Ist das nicht Qualifikation?
Wenn jemand für eine internationale Organisation wie die EU arbeiten will sollte er sprachlich fit sein. Dazu gehört eine der Weltsprachen zu denen die EU Amtssprachen zählen. Natürlich sollte man sich theoretisch auf sorbisch bei der EU bewerben können, aber wenn der Kandidat nur sorbisch kann wird es später im Job schwierig, er ist also schlecht qualifiziert. Da der Bewerber also sowieso sprachlich fit sein muss kann man auch gleich verlangen die Bewerbung in einer EU-Amtssprache zu verfassen.
Korken 27.03.2019
4. Schweiz
Die immer wieder als Vorbild herangezogene Schweiz hat ebenso mehrere Amtsprachen. Trotzdem werden nach meiner Recherche selbst beim Bund nicht alle bei den Formularen, auch Online, angeboten. Die EU demokratischer? Hm. In vielerlei Hinsicht, wie die Vorredner schon schrieben, dürfte es unnötig sein. Ansonsten muss in der Stellenbeschreibung als geforderte Sprachkenntnis eben Englisch etc. stehen. Damit ist das erneut seltsame EuGH Urteil umschifft.
CouscousGauthier 27.03.2019
5. Die EU-Kommission
hat drei Arbeitssprachen, das sind Englisch, Französisch und Deutsch. Jeder, der EU-Beamter werden will, muss mindestens eine dieser drei Sprachen sehr gut beherrschen. Aus diesem Grund finden Auswahlverfahren beim europäischen Amt für Personalauswahl (EPSO) nur in diesen drei Sprachen statt. Das ist ein wirkungsvoller Filter für die Vorauswahl geeigneter Kandidaten und vereinfacht nebenbei natürlich auch die Arbeit der EPSO-Mitarbeiter. Muttersprachler haben übrigens keinen Vorteil, da das Verfahren in einer Fremdsprache durchlaufen werden muss, also für Deutsche z.B. auf englisch und für Franzosen z.B. auf deutsch. Nun stellt sich der EuGH auf den Standpunkt, dass bestimmte einfache Tätigkeiten (z.B. Fahrer) es nicht rechtfertigen, die gleichen hohen Kriterien an Bewerber anzulegen. Dem mag man vielleicht folgen. Die Arbeit für EPSO wird dadurch auf jeden Fall viel schwieriger, wenn sie Bewerber zukünftig in 24 Sprachen "bedienen" müssen und durch den Wegfall einer Anforderung zukünftig die Bewerberzahlen steigen dürften.
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