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Erfolgsgeschichten von Managerinnen Nonnen als Karrierevorbilder

Wer zeigt mir, wie's geht? In den Siebzigern fehlten oft Vorbilder, wenn Frauen in Führungsverantwortung strebten. Eva Kreienkamp fand ihre Vorbilder auf dem Mädcheninternat - und wurde später Allianz-Managerin.
Verdankt ihrer Mädchenschule viel: Managerin Eva Kreienkamp

Verdankt ihrer Mädchenschule viel: Managerin Eva Kreienkamp

Zwölf Top-Managerinnen, ein Dutzend Geschichten: Hier zeichnen erfolgreiche Frauen ihren Weg nach oben nach - und sagen, worauf es dabei ankommt. Heute: Eva Kreienkamp, 52. Sie war zehn Jahre lang bei der Allianz Projektmanagerin und Geschäftsführerin in der Münchner Konzernzentrale, CFO der Berlikomm und Vorstandsvorsitzende der HKX, einem Konkurrenten der Deutschen Bahn.

"Vor 25 Jahren beendete ich mein Mathematikstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität und ging in die so genannte freie Wirtschaft - eine echte Zäsur. Das Studium war auf Forschung ausgerichtet und Wirtschaft so eine Art Gespenst, das besser ignoriert wurde.

Dennoch fühlte ich mich gut gerüstet. In meiner Schulzeit, die ich zum Teil in einem Ursulineninternat in Belgien verbracht hatte, merkte ich, dass ich in Mathematik gut bin, eine Erkenntnis, die mir wahrscheinlich im deutschen Gymnasium verschlossen geblieben wäre. Da habe ich auch gemerkt, dass Frauen mehr können als das, was in der Zeit - wir reden über die Siebzigerjahre - für Frauen im Angebot war.

Vorgezeichnete Lebenswege für Frauen waren nach wie vor die Hausfrauenehe oder eine sehr eingeschränkte berufliche Auswahl. Manche Berufe waren für Frauen - gesetzlich verankert - gar nicht zugänglich, und Vorbilder gab es kaum. Bei den Ursulinen aber schon, sie führten ein Kloster und eine große Mädchenschule wirtschaftlich autonom, intellektuell anregend und mit spirituellem Hintergrund. Lehrerinnen und Nonnen vermittelten den Schülerinnen Selbstvertrauen. Ich nahm den Auftrag mit: 'Mach selbst was aus Deinem Leben'.

Gute Führung als Rüstzeug für erfolgreiche Unternehmen

Das war Erlaubnis und Aufforderung zugleich und sehr hilfreich bei der Gestaltung meines Lebens. Meine beruflichen Stationen haben sowohl in der Breite als auch in der Tiefe eine Erweiterung von Verantwortung, von Branchen und Kompetenzen mit sich gebracht, häufig gepaart mit der Suche nach ganz neuen Sichtweisen.

Über die Zeit habe ich festgestellt, dass ich leidenschaftlich gerne in Startup- oder Pionier-Situationen arbeite, ich kann gut mit Unsicherheit und persönlichem Risiko umgehen.

Bei Amadeus, meiner ersten beruflichen Station und auch dem ersten Startup, in dem ich gearbeitet habe, war ich Trainee in einem Rechenzentrum. In dieser Schnupperphase wurde mir schnell bewusst, dass eine gute Unternehmens- und MitarbeiterInnenführung das Rüstzeug für erfolgreiche Unternehmen ist.

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Weiberwirtschaft: Männliche Macht, weiblicher Mumm

Foto: Getty Images/ Collage: Franziska Ebert

Ich wollte mehr darüber wissen, so habe ich mir ein Unternehmen gesucht, bei dem es möglich war, Führung zu lernen. Meine betriebswirtschaftliche und auch meine Führungsausbildung habe ich bei der Allianz erhalten, hier konnte ich jede Menge Erfahrungen sammeln, wie ein Konzern gesteuert wird. Und weiteres Startup-Knowhow: Der Versicherer gründete mit Allianz Asset Management (heute AGI) ein drittes Geschäftsfeld und ich war dabei. Großartig!

Zehn Jahre später wollte ich selber gestalten, mein eigener Chef sein. So ging ich in 2001 nach Berlin. Viele Frauen hatten dort bereits damals herausragende Positionen in Politik und Wirtschaft inne.

In einem Berliner Telekommunikationsunternehmen bekam ich die gewünschte Führungsposition. Nach drei Jahren gründete ich mit zwei Partnern ein Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt Gendermarketing. Ich wollte mehr wissen über Kundinnen und Kunden, deren Wünsche und Bedürfnisse in einer sich wandelnden Gesellschaft.

Die Quotenregelung ist ein wichtiges Signal

Wirtschaftlich wurde es für solche kleinen Unternehmen nach dem Lehman-Crash schwierig, also musste ich nicht lange überlegen, 2009 für das Projekt Hamburg-Köln-Express die Geschäftsführung zu übernehmen. Eine wahre Herausforderung. Es kam nun alles zusammen: Start-up, Wettbewerb mit dem Riesenkonzern und Monopolisten Deutsche Bahn, Ergebnisverantwortung, Internationalität, eCommerce, Pionier. Und nun läuft HKX, dank der Entschlossenheit und Leidenschaft aller daran Beteiligten. Für mich also ein guter Zeitpunkt weiterzuziehen.

Mir ist auch ehrenamtliches Engagement wichtig. Im Zuge meiner Karriere zur Topmanagerin ist mir immer wieder vor Augen geführt worden, dass es Frauen in der Wirtschaft, auch mir, bitterlich mangelt an eigenen Netzwerken und Lobbygruppen. Sichtbarkeit, Seilschaften und Solidarität sind Stichworte, die Männer gerade in Krisensituationen besser beherrschen als Frauen, das habe ich auch schon erlebt und einige empfindliche Dämpfer auf meinem Berufsweg erlitten. Unter anderem deshalb habe ich eigene Netzwerke mitgegründet und aufgebaut, insbesondere FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte .

Um den Anteil von Frauen in den Führungspositionen der Wirtschaft zu erhöhen, braucht es systemverändernde Impulse, Gesetze. Die neue Quotenregelung funkt endlich das Signal ins Land, dass Chancengleichheit für Männer und Frauen gewollt und aktiv unterstützt wird.

Mich persönlich drängt es derweil, die nächste Ebene wirtschaftlicher Gestaltung und Einflussnahme zu erreichen: die Aufsichtsräte. 'Ich will'. Dass ich das sagen darf und muss, verdanke ich den Ursulinen."

Protokolliert von Gisela Maria Freisinger
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