Fachkräfte in Deutschland Zahl der Akademiker aus dem Ausland steigt

Die Zahl der hochqualifizierten Arbeitnehmer aus dem Ausland steigt: Fast jeder fünfte Akademiker auf dem Arbeitsmarkt hierzulande hat keinen deutschen Pass. Die größte Gruppe stammt aus einem Nachbarland.

Vor allem osteuropäische Akademikerinnen und Akademiker finden den deutschen Arbeitsmarkt interessant
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Vor allem osteuropäische Akademikerinnen und Akademiker finden den deutschen Arbeitsmarkt interessant


Der Anteil an gut ausgebildeten Akademikern auf dem Arbeitsmarkt, die nicht in Deutschland geboren wurden, ist in den vergangenen zehn Jahren stark angestiegen. Der Wert kletterte von 13,6 Prozent im Jahr 2007 auf 18,7 Prozent im Jahr 2017. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die der Presseagentur Reuters vorliegt.

Der Anstieg sei umso bemerkenswerter, da in dem Jahrzehnt die Zahl der deutschen Hochschulabsolventen um über ein Drittel auf 10,1 Millionen zugenommen habe. "Die zugewanderte hoch qualifizierte Bevölkerung hat sich allerdings noch wesentlich dynamischer entwickelt und ziemlich exakt verdoppelt", heißt es in der Untersuchung: Die Zahl stieg demnach von rund 1,16 Millionen auf 2,32 Millionen.

Besonders bei Osteuropäern beliebt

"Die Zuwanderungaus der EU spielt eine Riesenrolle", sagt Studien-Autor Wido Geis-Thöne. Demnach kamen mit 235.000 die meisten der im Ausland geborenen Akademiker 2017 aus Polen, gefolgt von Russland (225.000) und Rumänien (118.000). Weitere wichtige Herkunftsländer waren Kasachstan wegen vieler Spätaussiedler (104.000), die Ukraine (101.000), China (82.000), Syrien (78.000), die Türkei (69.000), Frankreich (60.000) und Italien (58.000). Dann erst folgen Indien (54.000) und die USA (53.000).

Im selben Jahr stammten 906.000 (39 Prozent) der im Ausland geborenen Akademiker aus einem anderen EU-Land. Künftig sei wegen des demografischen Wandels aber "in jedem Fall mit einem Rückgang der Nettozuwanderung von akademisch qualifizierten Personen aus der EU zu rechnen", betont das IW.

Die Kölner Forscher plädieren dafür, die Zuwanderung hoch qualifizierter Fachkräfte langfristig zu fördern und zu sichern. Dafür müsse man bei der klassischen Erwerbsmigration und der Zuwanderung über das Bildungssystem ansetzen. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz sei dabei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

"Man sollte versuchen, noch mehr Ausländer zu rekrutieren, die an deutschen Hochschulen studieren wollen", sagte Geis-Thöne. Man müsse ihnen signalisieren, dass sie langfristig hierbleiben könnten. Eine weitere aktuelle Studie hatte ergeben, dass Deutschland mittlerweile zum beliebtesten nicht-englischsprachigen Gastland für Studenten aus aller Welt aufgestiegen ist. Nach den USA, Großbritannien und Australien sind demnach an deutschen Hochschulen die meisten ausländischen Studenten eingeschrieben.

him/Reuters



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spon-facebook-10000159648 15.08.2019
1. Warum sind so viele ausländische Studenten in Deutschland?
Die Antwort lautet, weil sie hier im Gegensatz zu den englischsprachigen Ländern keine Studiengebühren bezahlen müssen und zum Teil noch zusätzliche Förderungen und bevorzugt Plätze in den Wohnheimen erhalten. Deshalb ist Deutschland so überaus beliebt. So einfach ist das.
Besserwissser 15.08.2019
2. Wo ist das Problem ?
Zitat von spon-facebook-10000159648Die Antwort lautet, weil sie hier im Gegensatz zu den englischsprachigen Ländern keine Studiengebühren bezahlen müssen und zum Teil noch zusätzliche Förderungen und bevorzugt Plätze in den Wohnheimen erhalten. Deshalb ist Deutschland so überaus beliebt. So einfach ist das.
Versuchen sie mal als nicht Automotive, oder weltbekanntes EDV unternehemen 10 Softwareentwickler als UNI -Absolventen einzustellen, da bekommen Sie selbst wenn Sie nach Metall u Elektro TV zahlen, ca. 1 deutschen Bewerber. Wenn sie Glück haben aber eben ein paar Bewerber aus Europa und ein paar aus Asien die hier den Master zusätzlich zu dem Bachelor, den sie im Heimatland bereits gemacht haben.
doctiloquus 15.08.2019
3.
"...Man sollte versuchen, noch mehr Ausländer zu rekrutieren, die an deutschen Hochschulen studieren wollen", sagte Geis-Thöne..." Na das ist ja mal eine Super Idee! Wir empfangen die Welt mit offenen Armen. Was ist, wenn ich z.B. einen Bachelor an der Uni of Sydney mache? 21000 AUD pro Semester Studiengebühren + ein paar weitere Gebühren, 1600 AUD Wohnkosten (Bsp. Urbanest), zzgl. Lebenshaltung, zzgl. KV. Daneben hat der deutsche Student in Sydney Null-Vergünstigung, weder ÖPNV noch irgend etwas anderes.
lepuslateiner 15.08.2019
4. Und so gut
ist dieser Umstand - geehrter spon-facebook -, weil für die weitere Entwicklung Deutschlands dringendst geboten ! Ihr Kommentar klingt ein wenig kritisch - stimme Ihnen insofern zu, wenn/fallls Sie meinen sollten, dass ALLE gefördert werden sollten ! Exakt so ist es, damit wir hier in Deutschland auch in jeglicher Hinsicht weiterhin eine Zukunft haben. "Führen" Sie sich einmal den heutigen Artikel "unseres" pensionierten SponKommentators und ehemaligen BGH-Vors. der Strafrechtskammer Dr. Fischer zu "Gemüte" ! Scharf und überaus treffsicher wurde von ihm der angebliche Tönnies-Skandal aufbereitet !
Spiegelkritikus 15.08.2019
5. Erfreuliches und Unerfreuliches
Über 2 Millionen hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland - das ist erfreulich und ein Gewinn für Deutschland. Zum Ausgleich hat die Regierung Merkel in den letzten Jahren mindestens so viele weitere Migranten ins Land geholt, die großteils keine Qualifikationen haben und alimetiert werden müssen. Auch die OECD hat kürzlich diese kontraproduktive Migrationspolitik kritisiert und auf Kananda als Vorbild verwiesen.
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