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Geschlechterunterschiede bei der Jobsuche Frauen zaudern, Männer bewerben sich einfach mal

Frauen sind oft hoch qualifiziert, bewerben sich dann aber auf Positionen unter ihrem Niveau. Grund sind laut einer neuen Studie die Formulierungen der Stellenanzeigen - und längst überholte Klischees.
Trotz ausreichender Qualifikationen bewerben sich Frauen häufig auf Jobs unter ihrem Niveau - das verschärft den Fachkräftemangel

Trotz ausreichender Qualifikationen bewerben sich Frauen häufig auf Jobs unter ihrem Niveau - das verschärft den Fachkräftemangel

Foto: Hero Images/ Getty Images

Der Fachkräftemangel macht deutschen Unternehmen zu schaffen - dabei gäbe es durchaus qualifizierte Arbeitsuchende, die die offenen Stellen besetzen könnten. Besonders Frauen würden sich auf die vakanten Jobs in Engpass-Berufen oft gar nicht erst bewerben - obwohl sie ausreichende Fähigkeiten mitbringen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung am Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Ob in einem Beruf ein Engpass besteht, machen die Studienautoren am Verhältnis zwischen Arbeitslosen mit entsprechender Qualifikation und unbesetzten Stellen fest. Gibt es weniger als 200 Arbeitslose auf 100 offene Stellen in einem Beruf, herrscht Mangel.

Insbesondere in geschlechtstypischen Berufen, bei Männern etwa im Metall- und Maschinenbau, bleiben viele Stellen offen. Auch in der Lagerwirtschaft ist der Bedarf an Fachkräften immens. Gleiches gilt für die frauentypischen Berufe in der Alten- und Krankenpflege. "Typisch" für ein Geschlecht ist ein Beruf laut Studie dann, wenn mehr als 70 Prozent der Beschäftigten männlich oder weiblich sind.

Orientierung nach unten

Grund dafür sei, dass insbesondere Frauen sich zu selten auf für sie passende Angebote bewerben, so die IW-Studie. Im Jahr 2018 gab es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit durchschnittlich mehr als 62.000 offene Stellen für Hochschulabsolventen. Mit den rund 28.000 arbeitslosen Akademikerinnen, die trotz Hochschulabschluss eine Tätigkeit unterhalb ihres Qualifikationsniveaus suchen, ließe sich zumindest ein Teil der Stellen besetzen.

Doch warum orientieren sich Frauen beruflich häufiger an den unteren Sprossen der Karriereleiter? Entweder, weil sie ihre eigenen Qualitäten unterschätzen, oder weil sie glauben, dass sie aufgrund ihres Geschlechts nicht in ein bestimmtes Berufsfeld passen, so das Fazit der Studie. Diese Selbsteinschätzung schade den Unternehmen, weil es den potenziellen Bewerberkreis deutlich einschränke, heißt es in der Untersuchung.

"In den geschlechtsuntypischen Berufen gibt es viel seltener Personalmangel als in solchen mit überwiegendem Männer- und Frauenanteil", sagt Lydia Malin, Mitautorin der Studie. Ziel müsse es daher sein, schon bei der Berufsorientierung in den Schulen mit Geschlechterklischees im Job zu brechen.

"Selbstbewusstsein" statt "Durchsetzungsvermögen" in der Jobanzeige

"Erstaunlicherweise sind die Berufsbilder bei jungen Leuten noch traditionell", sagt Malin. "Die orientieren sich beruflich an ihren Eltern und Großeltern, dabei sieht die Realität heute ganz anders aus." Auf dem Bau oder im Metallbau, in klassischen Männerberufen also, würden mittlerweile Maschinen körperliche Arbeiten übernehmen. Die Berufe seien damit offener geworden, dennoch seien Frauen weiterhin deutlich in der Unterzahl, so Malin.

Hinzu komme, dass Frauen sich oftmals von den Stellenanzeigen nicht angesprochen fühlen. "Da sind dann die Unternehmen gefragt, ihre Gesuche so zu formulieren, dass auch Frauen sich bewerben", sagt Malin.

In einer Broschüre empfehlen die Studienautoren daher, statt "Verhandlungsgeschick" oder "Durchsetzungsvermögen" in einer Anzeige besser "Wortgewandtheit" und "Selbstbewusstsein" von potenziellen Bewerberinnen zu fordern. Oft seien die Gesuche überladen mit Anforderungen; Frauen fühlten sich davon eher überfordert, sagt Malin.

"Fachkräfte sind rar geworden. Deshalb muss man alle, die es gibt, erreichen", sagt Malin. Erst wenn man alle Arbeitsuchenden anspreche, ließe sich die Fachkräftelücke verringern.