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Kanzlei für Tierrecht: Ganz haarige Fälle

Foto: Fredrik von Erichsen/ dpa

Als Tieranwalt im Einsatz Vorsicht, bissig!

Die Deutschen lieben ihre Haustiere. Doch wenn Karlo kratzt, Brutus beißt oder Onkel Dagobert sein Vermögen dem Hamster vermachen will, ist Streit nicht fern. Für Anwälte kann Tierrecht darum eine clevere Geschäftsidee sein.

Joachim Cäsar-Preller, 51, ist über seine Hunde auf den Hund gekommen. Genauer: auf den Hund als Streitgegenstand vor Gericht. Für den Rechtsanwalt aus Wiesbaden sind Prozesse rund ums Haustier eine Säule seiner Kanzlei. "Es sind viele Menschen auf uns zugekommen und haben um Rat und Vertretung in tierrechtlichen Angelegenheiten gebeten", sagt der Jurist. Und damit nicht jeder Nachbarschaftsstreit wegen Hunden, Katzen oder Vögeln gleich vor dem Richter landet, bietet Cäsar-Prellers Frau Birgit Hilfe als Mediatorin an.

"Wir haben selbst Hunde. Früher haben wir schon mal mehr gehabt, jetzt haben wir zwei", so Cäsar-Preller. Seine Kanzlei liegt in einer Wiesbadener Altbauvilla. Beim Gespräch sind die winzigen Chihuahuas der Familie dabei: Die weiße Bambi ist vier Jahre alt, der etwas gelblichere Quirl zwei.

Die Tierliebe der Deutschen sorgt dafür, dass der Kanzlei und den wenigen anderen Rechtsanwälten, die auf Tierrecht spezialisiert sind, die Mandate nicht ausgehen. Nach Berechnungen der Heimtierbranche wurden 2012 in Deutschland 7,4 Millionen Hunde gehalten. In Wohnungen und Gärten schnurren mehr als zwölf Millionen Katzen. Dazu kommen zahllose Nager, Vögel und Fische. Für Futter und Pflege ihrer Lieblinge wendeten die Deutschen jährlich knapp vier Milliarden Euro auf.

Rechtliches Konfliktpotential gibt es genug: Waldi bellt zu laut in der Mietwohnung, Brutus hat das Nachbarskind gebissen, der teure Tierarzt hat bei der Behandlung einer Katze einen Fehler gemacht. Es gebe aber nur wenige Juristen, die sich mit Heimtierrecht befassen, heißt es beim Deutschen Anwaltverein in Berlin. "Das kann ein erfolgreiches Modell sein", sagt Sprecher Swen Walentowski. Sehr einträglich sei Tierrecht aber nicht - mit einer Ausnahme: "Pferderecht ist lukrativ."

Wohin mit Omas Dackel?

Und wer erbt nun nach Omas Tod den Dackel? Das sollte sie vorher regeln und mit dem Erben absprechen, sagt Cäsar-Preller. Wer darf nach der Scheidung die Katze behalten? Da gilt es abzuwägen: "Wo fühlt sich das Tier wohler, wer kann sich mehr kümmern?" Es klingt fast wie die Sorgerechtsentscheidung über ein Kind.

Die zunehmende Klagefreudigkeit in Sachen Haustiere sagt für das Ehepaar viel über gesellschaftliche Entwicklungen aus. "Tiere werden sehr vermenschlicht", sagt Birgit Cäsar-Preller, "Tiere dienen immer häufiger als Partnerersatz oder Kinderersatz."

Bei aller Liebe zu den eigenen Vierbeinern sehen die Eltern von zwei "hoffentlich wohlgeratenen" Kindern Tiere nüchterner. Juristisch ist ein Tier wenig mehr als eine Sache, es ist aber in seinen Rechten als Lebewesen geschützt. "Ein Tier kann nicht seine eigenen Rechtsgeschäfte regeln", sagt Cäsar-Preller. Deshalb können Tiere in Deutschland auch nicht erben.

Rechtsratschläge für Tierbesitzer stellt das Paar ins Internet, die beiden haben auch ein Buch verfasst. Joachim Cäsar-Preller war Gast bei einer Tiersendung, seine Frau will weitere Tiermediatoren ausbilden. Natürlich machen auch bei Anwalt Cäsar-Preller die Masse der Arbeit Steuer-, Straf- und Wirtschaftsrecht aus. Doch das Spezialangebot Tierrecht helfe, Mandanten zu gewinnen: "Wenn man für den Liebling, das Tier, gute anwaltliche Arbeit gemacht hat, kommen die Leute auch mit anderen Fällen."

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Friedemann Kohler/dpa/end
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