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Faktencheck Was das Homeoffice wirklich bringt

Arbeiten, wo und wann man möchte - das klingt zunächst verlockend. Viele Firmen machen Heimarbeit inzwischen möglich. Andere wehren entsetzt ab. Was bringt das Homeoffice?
Heimarbeit auf dem Balkon (Symbolbild)

Heimarbeit auf dem Balkon (Symbolbild)

Foto: imago/ Westend61

Smartphone und Tablet - mehr Büro brauchen Arbeitnehmer für ihren Job heute oft nicht mehr. Zu Hause am Schreibtisch, auf der Couch oder im Café checken sie Mails, telefonieren mit Kunden oder arbeiten am neuen Projekt.

Fast 40 Prozent der Unternehmen - und vor allem größere Firmen - bieten ihren Beschäftigten inzwischen die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten. Aber sind Mitarbeiter im Homeoffice wirklich produktiver und zufriedener? Und bringt es den Unternehmen vor allem Vorteile - oder überwiegen die Nachteile?

Fünf Thesen zum Homeoffice im Check:

1. Beruf und Familie lassen sich besser vereinbaren.

Dafür spricht, dass die Beschäftigten den Arbeitsort wählen und sich ihre Zeit flexibler einteilen können und dass der Weg zum und vom Job entfällt. Erfahrene Heimarbeiter aber wissen: Wirklich gut lässt sich beides nicht immer vereinbaren.

Ein kleines Kind zu Hause betreuen und nebenbei mit dem Chef telefonieren? Das kann ein ebenso schwieriger Spagat sein wie das Beantworten dienstlicher Mails auf dem eiligen Weg in die Kita. "Man ist im Zweifel im doppelten Stress", sagt Oliver Suchy, Leiter des Projekts Arbeit der Zukunft beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

2. Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten effizienter.

Kein Smalltalk mit den Kollegen in der Teeküche, kein störendes Telefonklingeln im Großraumbüro - viele schätzen am Homeoffice das konzentrierte und effiziente Arbeiten. Wenn ein Projekt schnell vorangehen muss, kann das ein Vorteil sein.

Schön, wenn dann auch noch die Waschmaschine nebenher laufen und die Mittagspause für einen kurzen Einkauf genutzt werden kann. Solche privaten Erledigungen können allerdings auch von der Arbeit ablenken - und nicht jeder Beschäftigte geht verantwortungsbewusst mit der größeren Freiheit beim Zeitmanagement um.

Umgekehrt braucht es auch eine gewisse Selbstdisziplin, damit vor lauter Effizienz etwa Pausenzeiten nicht zu kurz kommen.

3. Arbeit und Privatleben vermischen sich zu sehr.

Das gilt als Kernproblem der neuen Arbeitswelt - vor allem dort, wo es keine Regeln für das mobile Arbeiten gibt. Ein Großteil der Arbeitnehmer in Deutschland checkt auch nach Feierabend noch die beruflichen E-Mails.

Einige Unternehmen wie Volkswagen oder BMW räumen ihren Mitarbeitern zwar ein Recht auf Nichterreichbarkeit ein. Doch allgemein herrsche eher Wildwuchs, meint DGB-Experte Suchy. Der Druck, stets erreichbar zu sein, kann Arbeitnehmer sehr belasten - das gilt auch fürs Homeoffice.

4. Immer auf Abruf zu sein, macht krank.

Dafür spricht eine kürzlich veröffentlichte Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit. Selbst wer sich aus freien Stücken dafür entscheidet, auch außerhalb der eigentlichen Arbeitszeiten erreichbar zu sein, erholt sich demnach tendenziell schlechter und leidet häufiger unter Schlafstörungen.

Denn wer immer nach Lust und Laune arbeitet, sitzt in vielen Fällen deutlich zu lange am Schreibtisch - und findet es dann häufig auch schwer, abzuschalten. Mitarbeiter im Homeoffice sollten sich deshalb feste Arbeitszeiten setzen, rät Berufscoach Claudia Kauscheder.

5. Die Bindung zum Unternehmen geht durch Heimarbeit verloren.

Das sehen vor allem Arbeitgeber als potenzielles Problem. Gerade für das Arbeiten im Team, für die Mitarbeiterführung und für die Unternehmenskultur insgesamt sei das Homeoffice eine Herausforderung, teilte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände mit.

Siemens beispielsweise sorgt dafür, dass selbst Beschäftigte mit Telearbeitsplätzen höchstens 80 Prozent ihrer wöchentlichen Arbeitszeit von zu Hause aus absolvieren - aber nicht aus Misstrauen, sondern um einen guten Austausch zwischen den Kollegen zu gewährleisten, wie es vom Unternehmen heißt.

Anders ist das bei Microsoft: Die Mitarbeiter treffen je nach Erfordernissen des Projekts im Team zusammen, feste Präsenzpflichten gibt es nicht. Die Führungskräfte seien dafür verantwortlich, dass das Miteinander der Kollegen dabei nicht zu kurz kommt, sagte eine Microsoft-Sprecherin.

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Foto: Adri Berger/ Getty Images

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Christine Schultze/dpa/lov
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