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Deutsche Schauspieler berichten

"Ich erlebe immer wieder sexuelle Belästigung"

Karriere gegen Sex und anzügliche Bemerkungen: Missbrauch gibt es nicht nur in Hollywood, sondern auch an deutschen Theatern und Sets. Acht Schauspieler berichten.

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Donnerstag, 19.10.2017   06:30 Uhr

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Über Jahre hinweg soll US-Produzent Harvey Weinstein Schauspielerinnen bedrängt, sexuell genötigt und sogar vergewaltigt haben. Die Ermittlungen gegen ihn offenbaren die Gefahren einer Branche, in der wenige viel Macht besitzen. Kommt so etwas auch in Deutschland vor?

Es seien keine vergleichbaren Fälle bekannt, heißt es von den beiden größten deutschen Berufsverbänden. Allerdings sei nicht klar, wie hoch die Dunkelziffer sei - und genau hier liegt das Problem.

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"Die Täter haben auch deshalb so eine Macht, weil sie von dem Schweigen der Opfer und deren Scham profitieren", sagt Nina Brandhoff. Die 42-Jährige spielt regelmäßig in Serien wie "Um Himmels Willen", die "Rosenheim-Cops" oder "Der Bergdoktor" - und hat erst vor Kurzem von einem Regisseur, der ihr eine Rolle in Aussicht stellte, den Satz zu hören bekommen: "Ich würde jetzt gern deine Brüste aus deinem Ausschnitt holen und daran herumspielen."

Und Brandhoff ist offenbar nicht die einzige Schauspielerin, die so etwas erlebt. Nach einem Aufruf von SPIEGEL ONLINE meldeten sich Dutzende, die Ähnliches berichten, fast niemand traut sich wie Brandhoff, dies unter ihrem Namen zu tun:

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Eine junge Schauspielerin hält sexuelle Belästigung für Alltag in ihrem Beruf. "Neben regelmäßigen Poklapsen, werden auch mein Aussehen und die Größe meiner Brüste ständig bewertet." Eine Kollegin berichtet SPIEGEL ONLINE gegenüber von angedeuteten Vergewaltigungen, Gewalt, körperlicher und verbaler Belästigung und Grabschen auf und hinter der Bühne. "Das Traurige ist, dass die meisten Beteiligten nicht einschreiten - aus irgendwelchen beruflichen Gründen und Ängsten. Aber zusehen und schweigen können viele sehr gut."

Ein Schauspieler sieht den sexuellen Missbrauch auch in der Struktur begründet. "Viele Anfänger denken: 'Ich mache jetzt erst mal alles und mehr, um mich von den anderen abzuheben.' Die Branche ist knallhart. Keiner wartet auf dich."

Nasser Fleck auf heller Hose

Auch Nina Brandhoff sagt, sie habe anfangs oft "alles gemacht, was man mir gesagt hat". Sie habe nicht den Mut gehabt, sich zu wehren - zum Beispiel, als ein Fotograf sie dazu überredete, bei einem Shooting ihr T-Shirt auszuziehen. Der Anblick erregte ihn offenbar. Als sich ein nasser Fleck auf seiner hellen Hose bildete, rannte sie aus dem Studio. Später rief sie ihn an und forderte die Fotos zurück. Er willigte ein, wollte ihr die Negative in seinem Studio zurückgeben - und nutzte dann ihre Angst aus. "Er nötigte mich dazu, sexuelle Handlungen an ihm durchzuführen und erpresste mich mit den Fotos um Geld", erzählt Brandhoff.

Erst vor einem Jahr machte sie den Vorfall öffentlich. Anzeigen kann sie den Fotograf nun nicht mehr, der Fall ist inzwischen verjährt. Aber noch immer erlebt sie sexuelle Belästigungen - von Regisseuren, aber auch von anderen Schauspielern.

Ein Kollege habe ihr während einer Szene seine Hand fest und schmerzhaft zwischen ihre Beine gedrückt, sagt Brandhoff. Ein weiterer habe ihr die Zunge während eines Bühnenkusses tief in den Hals gestopft. "Abgesprochen war das so nicht."

Sie schätze die meisten ihrer Kollegen sehr, "aber leider gibt es auch welche, die ihren Status als Hauptdarsteller ausnutzen", sagt Brandhoff. "Einer zog mir während einer Drehpause das T-Shirt hoch, um drunter zu schauen. Einer anderen Schauspielerin steckte er einfach seine Zunge ins Ohr. Er belästigt fast jede Frau am Set. Alle bekommen es mit. Aber keiner sagt etwas, dazu ist er für die Serie zu wichtig."

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