Urteil im Prozess um Hochstapler Falscher Arzt muss fünf Jahre in Haft

Er arbeitete monatelang als vermeintlicher Mediziner - und verschrieb einem Baby ein ungeeignetes Medikament. Vor Gericht bat der Mann nun unter Tränen um Nachsicht. Eine Strafe erspart ihm das nicht.

Patrick Pleul / DPA

Das Landgericht Kassel hat entschieden: Fünf Jahre muss ein Hochstapler in Haft, der mit falschen Dokumenten als Arzt gearbeitet und dabei Behandlungsfehler gemacht hat.

Vor Gericht flehte der 37-Jährige unter Tränen um Nachsicht wegen seiner drei Kinder. Das Urteil mache ihn kaputt. "Sie haben sich selbst kaputt gemacht", sagte der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte sei unbelehrbar, weil er selbst dann weiter betrog, als er bereits wegen ähnlicher Vergehen verurteilt worden war. Das neue Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Alte Strafe in die neue eingerechnet

Der libysche Staatsangehörige hatte sich eine ganze Sammlung von gefälschten Unterlagen zugelegt - von Zulassungen bis zur Aufenthaltsberechtigung. So täuschte er Arbeitgeber und Personalvermittler. Er wurde in einer Kasseler Praxis, einer Klinik in Melsungen (Hessen) sowie in einer Klinik in Kemnath (Bayern) eingestellt. In Libyen hatte der Mann zwar eine medizinische Ausbildung gemacht. Bei einer Kenntnisprüfung in Deutschland war er aber durchgefallen.

Während seiner Zeit als falscher Mediziner soll er unter anderem einem Baby ein ungeeignetes Medikament verschrieben haben. Zudem soll er Fehler im Umgang mit Blutkonserven gemacht haben.

Bereits beim Prozessauftakt Mitte Juli flehte und schluchzte der Mann minutenlang. Er verwies auf seine Familie. Die ihm vorgeworfenen zahlreichen Vergehen räumte er teilweise ein, beharrte aber: "Ich bin trotzdem Arzt, ich schwöre bei Gott."

Nun wurde der Mann unter anderem wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung, Betrugs und versuchter Körperverletzung schuldig gesprochen. Er muss außerdem 22.000 Euro zurückzahlen, die er als Arzt verdient hatte. Die vorige Verurteilung zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft wurde in die neue Strafe eingerechnet.

nil/dpa



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