Vereinbarkeit von Kindern und Beruf Lieber Chef, familienfreundlich ist was anderes

Der Chef klopft sich auf die Schultern, die Mitarbeiter schütteln den Kopf: Wenn es um die Familienfreundlichkeit von Unternehmen geht, gehen die Einschätzungen weit auseinander, zeigt eine Studie.

Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen - das wollen familienfreundliche Unternehmen fördern
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Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen - das wollen familienfreundliche Unternehmen fördern


Ist die Firma familienfreundlich? Es kommt darauf an, wen man fragt: Acht von zehn Managern (83 Prozent) glauben, dass in ihrem Unternehmen Familie und Job gut zu vereinbaren sind. Von den Mitarbeitern teilen diese Meinung aber im Schnitt nur sechs von zehn.

Das zeigt der "Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2016", der im Auftrag des Bundesfamilienministeriums vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erstellt wurde. Angestellte beklagen darin vor allem, dass ihre Chefs nicht als Vorbilder taugen. Anders gesagt: Selbst- und Fremdwahrnehmung in Sachen Familienkompatibilität gehen bei vielen Vorgesetzten offenbar ziemlich weit auseinander.

Insbesondere männliche Führungskräfte müssten in den Betrieben "mit gutem Beispiel vorangehen" und Modelle wie Elternzeit oder Teilzeit zu "gelebtem Alltag" machen, sagte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig bei der Vorstellung des Berichts. Nehmen männliche Führungskräfte Elternzeit, so steige die Zahl der männlichen Kollegen mit Elternzeit im Betrieb um das Fünffache.

Ein weiteres Problem: Die Betriebe interessieren sich kaum für die Lebensphasen der Mitarbeiter und geben sich bei Arbeitszeitmodellen eher unflexibel. Die Firmen müssten in diesem Bereich innovativer werden, forderte Schwesig, und beispielsweise auf Väter und Alleinerziehende Rücksicht nehmen oder auf Beschäftigte, die Angehörige pflegen.

Dass trotz dieser Schwierigkeiten 77 Prozent der Unternehmen das Thema Familienfreundlichkeit wichtig finden, sei ein Erfolg, so die Familienministerin. Seit 2003 der erste Unternehmensmonitor erschien, sei die Flexibilität vieler Betriebe in Sachen Arbeitszeit, Arbeitsort und Aufgabenverteilung für Mitarbeiter mit Familienverantwortung deutlich gestiegen.

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Mut zur Familie?: Neue Väter, alte Rollen

him/afp



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gutes_essen 27.06.2016
1. Ansichtssache
Viele mittelständische und große Betriebe bieten Möglichkeiten an, diese werden oftmals einfach nur nicht kommuniziert oder genutzt. Das ist zumindest meine Erfahrung im Betrieblichen Gesundheitsmanagement.
ulrich_loose 27.06.2016
2. In erster Linie
sollen und müssen Firmen Gewinne einfahren und sind nicht für das Großziehen vom Nachwuchs der Angestellten zuständig. Allen "Modellen" haftet auch ein Markel an - erst sollen die aktuellen Arbeitgeber in Vorleistung treten und später mal (möglicherweise) soll es zu einem Ausgleich kommen.
andreasclevert 27.06.2016
3. Geht!
Habe da mal einen kleinen Dialog in einem Meeting zusammengefasst: Unter Papas auf Arbeit. Gespräch mit Chef über Einschulung. Kollegin bittet darum, endlich zur Sache zu kommen. Auch. Büroalltag 2016.
henryb_de 27.06.2016
4. Bitte erklären ?
Wo geht denn der "Arbeitgeber" in Vorleistung? Der "Arbeitnehmer" erhält gegen Ende des Monats für die geleistete Arbeit Geld, d.h. der Arbeitnehmer geht in Vorleistung. Und bei der Elternzeit heißt es ganz einfach keine Arbeit -> kein Geld vom Arbeitgeber oder eben weniger Arbeit -> weniger Geld vom Arbeitgeber. Und auch in der Elternzeit erziehen/großziehen die Eltern die die Kinder und nicht die Arbeitgeber. Der Einzige der hier jammern könnte wäre der Steuerzahler, der hier ausgleichen muß. Aber einen Grund die Arbeitgeber zu bedauern, kann ich nicht erkennen. Was ist ein Markel?
gutes_essen 27.06.2016
5.
Zitat von andreasclevertHabe da mal einen kleinen Dialog in einem Meeting zusammengefasst: Unter Papas auf Arbeit. Gespräch mit Chef über Einschulung. Kollegin bittet darum, endlich zur Sache zu kommen. Auch. Büroalltag 2016.
Natürlich nervt das. Aber kann man da nicht auch verstehen, dass Papa stolz auf das Kind ist, dass es schon in die Schule kommt? Außerdem... in der Zeit wo das Meeting ist muss man nicht arbeiten. Also wäre man doch blöd, da die freie Zeit zu verkürzen.
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