Beruf und Familie Fast jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit

Sie pflegen Kinder, sie betreuen Angehörige: Familiäre Pflichten hindern knapp die Hälfte aller Frauen in Deutschland daran, ganztätig zu arbeiten. Rund 45 Prozent von ihnen sind nur in Teilzeit tätig. Nur die Niederlande toppen diese Quote in Europa noch.

Callcenter-Mitarbeiterin: Mehr als zwei Drittel aller Frauen arbeiten in Deutschland
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Callcenter-Mitarbeiterin: Mehr als zwei Drittel aller Frauen arbeiten in Deutschland


Rund 45 Prozent der Frauen in der Bundesrepublik haben Teilzeitjobs. Europaweit liegt Deutschland damit weit über dem Durchschnitt von rund 32 Prozent. Noch mehr Teilzeitjobs haben nur die Frauen in den Niederlanden: Dort arbeitet nur ein Viertel aller Frauen ganztägig. Das berichtet das Statistische Bundesamt und bezieht sich auf Daten aus dem Jahr 2011.

Als Hauptgrund für ihre Teilzeittätigkeit nannte in Deutschland mehr als jede zweite Frau die Betreuung von Kindern, die Pflege von Angehörigen oder andere familiäre und persönliche Gründe. Auch damit liegen die Frauen in Deutschland über dem EU-Durchschnitt. Knapp ein Drittel (32 Prozent) der Frauen in der Bundesrepublik leben im gleichen Haushalt wie ihre Kinder. Alleinerziehend ist jede fünfte Frau.

In den östlichen europäischen Staaten hatten Frauen dagegen selten eine Teilzeitbeschäftigung. Nur zwei Prozent aller Frauen in Bulgarien arbeiten in Teilzeit. In der Slowakei sind es nur sechs Prozent. Dort und in anderen EU-Ländern, in denen wenige Frauen eine Teilzeitstelle haben, sind auch generell weniger Frauen erwerbstätig. Je weniger Frauen demnach in einem Land arbeiten, desto geringer ist auch die Quote von Frauen, die Teilzeitjobs haben.

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In Deutschland sind mehr als zwei Drittel aller Frauen im Alter von 15 bis 64 Jahren beschäftigt. Nach Schweden, Dänemark und den Niederlanden rangiert die Bundesrepublik damit auf Platz vier. Am niedrigsten liegt der Anteil der erwerbstätigen Frauen in Malta. Dort arbeiten 41 Prozent von ihnen. In Griechenland sind 45 Prozent der Frauen erwerbstätig und in Italien 47 Prozent.

Erst Ende Februar veröffentlichte das Statistische Bundesamt Daten zur Erwerbstätigkeit von Müttern. Demnach hatten zwei von drei Müttern in Deutschland im Jahr 2011 einen Job. Sechs Prozent aller Mütter waren auf Arbeitssuche. Die übrigen - mehr als jede vierte Mutter - waren nicht berufstätig und suchten auch keine Arbeitsstelle.

kha/dpa

insgesamt 58 Beiträge
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travelfox42 07.03.2013
1. Vollzeit?
Immer diese Stereotypen: Frauen->Kinder->Teilzeit. Es geht auch anders. Ich bin alleinerziehender Vater, mein Sohn ist im Grundschulalter und ich arbeite Vollzeit. Wenn man den richtigen Arbeitgeber hat und neben der Schule wohnt, dann kann so etwas auch funktionieren.
ftester 07.03.2013
2.
Zitat von sysopDPASie pflegen Kinder, sie betreuen Angehörige: Familiäre Pflichten hindern knapp die Hälfte aller Frauen in Deutschland daran, ganztätig zu arbeiten. Rund 45 Prozent von ihnen sind nur in Teilzeit tätig. Nur die Niederlande toppen diese Quote in Europa noch. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/fast-jede-zweite-frau-in-deutschland-arbeitet-in-teilzeit-a-887427.html
... und schon geht das BlaBla wieder los, die Mehrzahl der Frauen welche ich kenne, die nicht arbeiten, wollen das auch gar nicht und die anderen sagen: wenn wir nicht das Häuschen an der Backe hätten würd ich sooo gern Teilzeit arbeiten ... jetzt geht gleich das Gejammer über Ungleichheiten im Beruf und im Besonderen im Leben der Frauen wieder los, bin schon gespannt wie weit die Meinungen diesmal von der Realität abweichen...(der, der Elternteilzeit und Haushalt gemeistert hat, dieses lustig fand und sich dabei im Gegesatz zur Vollzeitarbeit auch noch erholt fühlte:-))
amlimit 07.03.2013
3. Nur?
Nur in Teilzeit? Was spricht eigentlich dagegen, NUR in Teilzeit seinen Anteil am BSP erbringen zu wollen, um seinen Kindern auch vor 18 Uhr von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Ich will nicht Vollzeit arbeiten, ich möchte mich selbst um die Erziehung der wichtigsten Menschen in meinem Leben kümmern können, und dabei NUR Teilzeit arbeiten. Völlig klar, jeder soll soviel arbeiten wie er oder sie möchte, und die entsprechenden Betreuungsmöglichkeiten müsen gegeben sein. Aber wo bitte setzen wir denn inzwischen unsere Prioritäten? Nur. Ich könnte schreien.
Plasmabruzzler 07.03.2013
4.
Bevor der Aufschrei kommt: das suchen sich Frauen selbst so aus. Eine Studie von 20-Jährigen offenbart (s. BMFSFJ - 20-jährige Frauen und Männern heute (http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationen,did=96102.html):)) ---Zitat--- Beruflich streben sie [Frauen] eine Teilzeitstelle an, um umfassend für die Kinder da sein zu können und sie in der Ausbildungszeit zu fördern. [...] Das Männerbild ist klar umrissen: Er ist der Hauptversorger. Er hat die Pflicht und Bürde, eine berufliche Situation und Position zu erlangen, die die Familie finanziell und dauerhaft absichert. ---Zitatende--- Daraus resultiert das Fazit: ---Zitat--- Die jungen Frauen stellen ihre Rollenvorstellungen nicht infrage, haben keinen sozialpolitischen Impetus nach Veränderungen von Rollenbildern und Benachteiligung. Es dominiert die Weltperspektive, sich mit vorfindlichen Strukturen, Chancen und Barrieren abfinden und mit diesen irgendwie umgehen zu müssen. Pragmatische Alltagsklugheit ist die wichtigste Ressource. Die jungen Frauen haben subkutan ein sensibles Gespür für Möglichkeiten und Grenzen in ihrem Leben. Nicht sozioökonomische Rahmenbedingungen und soziokulturelle Rollenvorstellungen zu verändern ist ihre Maxime, sondern sich in vorhandenen Strukturen zu arrangieren, das Beste daraus zu machen. ---Zitatende--- Bleibt nur zu hoffen, dass diese Frauen auch einmal daran denken, dass irgendwann eine mickrige Rente auf sie zukommt und eine Beziehung zu einem vermögenden Mann nicht unbedingt ewig hält.
kantreuter 07.03.2013
5. Vollzeit!
Hätte die Natur gewollt dass alle Frauen Vollzeit arbeiten, dann wär'n auch Menschenkinder Nestflüchter... Aber klar doch! Es ist die Emanzipation, die Frauen und Männer gleichermassen Vollzeit und möglichst beide über 40 Wochenstunden arbeiten lässt und alle Politiker haben das verstanden. Und wovon träumen wir nachts?
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