In Kooperation mit

Job & Karriere

Schlafstörungen Fensterlose Jobs gefährden die Gesundheit

Ein lichtdurchflutetes Eckbüro hätte jeder gern - viele Beschäftigte müssen aber ganz ohne Fenster auskommen. Die Folgen der dämmrigen Verliese könnten weit ins Privatleben reichen: Die Betroffenen schlafen schlecht und nehmen zu.
Bitte mal austreten: Wer dauerhaft unter Kunstlicht arbeitet, schläft schlecht

Bitte mal austreten: Wer dauerhaft unter Kunstlicht arbeitet, schläft schlecht

Foto: Corbis

Und, wie war das Wetter heute? Wer mit dieser Frage seinen Feierabend beginnt, hat nicht nur viel verpasst an seinem fensterlosen Arbeitsplatz. Er könnte auch insgesamt unter einer schlechteren Lebensqualität leiden. Dies legt zumindest eine amerikanische Studie nahe.

Demnach schlafen Beschäftigte, die unter Kunstlicht arbeiten, im Durchschnitt 46 Minuten kürzer als diejenigen, die unter Tageslicht arbeiten. Zudem war ihr Schlaf weniger erholsam, fand ein Team aus US-amerikanischen und taiwanischen Medizinern, Neurowissenschaftlern und Architekten in seiner Fallstudie heraus ("Impact of Windows and Daylight Exposure on Overall Health and Sleep Quality of Office Workers - A Case-Control Pilot Study ") .

Fotostrecke

Großraumbüros: Die Kollegen so nah

Foto: SPIEGEL ONLINE

Der schlechtere Schlaf hat wiederum eine geringere Konzentrationsfähigkeit zur Folge und kann zu einer höheren Fehler- oder Unfallquote führen. Ebenso wirke er sich negativ auf die hormonelle Balance aus, was zu steigendem Appetit und Übergewicht führen kann, so die Forscher.

Auch beim allgemeinen Wohlbefinden schnitt die Kunstlicht-Fraktion deutlich schlechter ab: Sie bewertete ihren eigenen Gesundheitszustand schlechter als die Vergleichsgruppe und war während der Arbeit weniger aktiv. Ein Verhaltensmuster, das den Wissenschaftlern zufolge erstaunlicherweise auch im Privatleben zu beobachten war.

Verwirrte innere Uhr

Statt das fehlende Tageslicht durch Aktivitäten im Freien auszugleichen, bewegten sich die Kunstlicht-Arbeiter sogar noch deutlich weniger an der frischen Luft als die Kontrollgruppe. Auch insgesamt waren sie weniger aktiv. Ein Phänomen, dass den Wissenschaftlern zufolge möglicherweise mit einem durch fehlendes Tageslicht gestörten Biorhythmus zu erklären ist.

"Der menschliche Biorhythmus wird stark von Hell-dunkel-Mustern gesteuert. Direktes Licht ist einer der Hauptfaktoren, um den Rhythmus und die damit verbundenen körperlichen und psychischen Prozesse im 24-Stunden-Takt zu halten", so die Forscher. Fehlendes Licht am Arbeitsplatz verwirrt die innere Uhr.

Allerdings handelt es sich bei der Untersuchung, die in der aktuellen Ausgabe des "Journal of Clinical Sleep Medicine " veröffentlicht wurde, lediglich um eine Pilotstudie. Nur 49 Leute hatten daran teilgenommen - 22 davon ohne Tageslicht am Arbeitsplatz, 27 mit nahem Fenster, alle arbeiteten sie von 9 bis 17 Uhr. Für verallgemeinerbare Erkenntnisse bedarf es noch weiterer Forschung zu diesem Thema.

mihec/end
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.