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Bankenwelt im Wandel "In drei Klicks zur Geldanlage"

Wenn's um Geld geht - Sparkasse? Junge Menschen meiden Bankfilialen. Geld überweisen, leihen, anlegen: Das geht alles per Smartphone. Jetzt setzen kleine flotte Finanzfirmen die traditionellen Großbanken unter Druck.
Von Silvia Dahlkamp
FinTech statt Filialen: Finanz-Start-ups machen klassischen Banken Konkurrenz

FinTech statt Filialen: Finanz-Start-ups machen klassischen Banken Konkurrenz

Foto: Lukas Schulze/ dpa

Wer früher einen Kleinkredit brauchte, machte einen Termin bei seinem Geldinstitut vor Ort. Eine junge Dame geleitete den Kunden ins Hinterzimmer mit Milchglasscheibe, servierte Kaffee mitsamt Keks. Der Bankberater - dezenter Anzug, schlichte Krawatte, blanke Schuhe - fragte höflich: Und, Sie wollen verreisen? Und dann stotterte der Kunde, ein wenig verlegen, dass er doch den Urlaub so dringend brauche. Aber leider sei die Waschmaschine kaputt gegangen, dann dieser Motorschaden am Auto. Und jetzt, na ja - gibt es die Möglichkeit auf einen Kleinkredit?

Bieder, bedächtig, immer ein bisschen peinlich. So liefen Kreditgespräche in Zeiten, als Oma und Opa noch ein Sparbuch hatten. Ihre Enkel erledigen Geldgeschäfte nicht mehr am Schalter, sondern setzen sich an den Computer. Welche Bank hat interessante Fonds, wo gibt es ein halbes Prozent mehr Zinsen? Und natürlich vergleichen sie auch bei Krediten die Konditionen.

Sind Filialbanken die nächsten Dinosaurier des Internetzeitalters?

In der Bankenzukunft tragen Kreditberater Knitterhemd und Schlabberjeans, weil sie viel häufiger mit Kunden chatten statt reden, von Bildschirm zu Bildschirm. Motto: Wenn's um Geld geht - Smartphone. Damit können Kunden in Sekundenschnelle Geld überweisen, aber auch Geld anlegen oder leihen.

Obacht, die FinTechs kommen

Vor allem in Berlin sprießen viele Finanz-Start-ups aus dem Boden, meist Firmen mit coolen englischen Namen. Die meisten stammen aus den USA, manche sind Milliarden Dollar wert. Eine kleine Auswahl zum Anklicken:

FinTech heißen die Filialen der Zukunft - ein Kunstwort aus "Finanzen" und "Technologie". Ein neuer Markt für Finanzdienstleistungen, ein Schreckgespenst für traditionelle Banken. Die stehen mit ihrem Namen zwar noch für Sicherheit, aber ebenso für Langsamkeit und, schlimmer noch: Langeweile.

"Banken haben es komplett verlernt, im Sinne des Kunden zu denken", sagt Oliver Vins, Mitgründer der Internetplattform Vaamo. Sein Werbeversprechen: "In drei Klicks zur Geldanlage." Das funktioniert so: Statt lange über Fondsprospekten zu brüten oder Aktienkursverläufe zu studieren, geben Anleger auf der Webseite einfach ihr Sparziel ein, plus Zeitraum und Risikobereitschaft. Eine Software im Hintergrund wählt Anlageprodukte aus; eine Partnerbank kümmert sich um die Abwicklung.

Bevor Vins im vergangenen Jahr mit Vaamo online ging, hat er lange als Strategieberater gearbeitet - "und täglich erfahren, wie groß das Potenzial für bessere und faire Finanzprodukte ist". Zusammen mit zwei ehemaligen Studienkollegen zog er das Finanzportal hoch. Klar sei es schwer, gegen Banken mit riesigen Marketingbudgets anzukommen, sagt Vins, doch die Zeiten seien günstig: "Gerade die jüngere Generation unter 40 kann sich heute kaum noch vorstellen, eine Bankfiliale zu betreten, und sucht nach guten Alternativen."

Enorme Investitionen in die FinTech-Szene

Die FinTech-Szene boomt. Die meisten der Internet-Finanzfirmen bieten klassische Dienstleistungen an, Kreditvergabe oder Zahlungsverkehr. Andere FinTechs sammeln zum Beispiel finanzmarktrelevante Twitter-Nachrichten oder Daten von Fitnessbändern, die für Krankenversicherer interessant sein können. "Die digitale Revolution bei Finanzdienstleistungen ist weit fortgeschritten", so Julian Skan von Accenture.

Eine Analyse der Unternehmensberatung ergab, dass Geldgeber auf den Erfolg der FinTech-Firmen setzen. So haben sich die Investitionen allein 2014 verdreifacht - weltweit auf 12,2 Milliarden Dollar. Die größten Spieler kommen aus den USA, aus Australien, Großbritannien, Indien und Schweden. Das wohl bekannteste FinTech ist PayPal, die Bezahltochter von Ebay.

In Deutschland ist die FinTech-Szene noch klein, aber fein. 82 Millionen Dollar investierten Geldgeber in zahlreiche Start-ups in Berlin, um sie stark zu machen gegen ihre Konkurrenten, traditionelle Geldinstitute. Die Deutsche Bank etwa spürt den Druck und hält dagegen, indem sie selbst eine Milliarde Euro in die Digitalisierung ihrer Angebote steckt. Andere - wie die Commerzbank - engagieren Start-ups, damit sie komfortablere Angebote für ihre Kunden entwickeln.

Schöne, schnelle, neue Welt. Niels Nauhauser, Bankenexperte bei der Verbraucherzentrale in Baden-Württemberg, mahnt trotzdem zur Vorsicht: "Klar ist es interessant, wenn Überweisungen per SMS verschickt werden können." Aber Kreditvergaben von privat zu privat oder die Vermittlung von Unternehmensbeteiligungen, das seien hochriskante Angelegenheiten: "Woher sollen Verbraucher wissen, ob zum Beispiel eine angebotene Rendite von sechs Prozent angemessen ist für das damit verbundene Ausfallrisiko?"

Mit Material von dpa
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