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Studie zu Homeoffice Väter nehmen sich nicht mehr Zeit für ihre Kinder, selbst wenn sie es können

Väter machen Überstunden, Mütter auch - doch die kümmern sich auch noch um die Kinder. Eine Studie zeigt: Homeoffice und flexible Arbeitszeiten belasten Eltern. Und sie verstärken das Ungleichgewicht.
Mann mit Kinderwagen

Mann mit Kinderwagen

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern sind groß: Während Väter ihre Kinder pro Arbeitswoche durchschnittlich gut acht Stunden betreuen, sind es bei Müttern 21 Stunden. Das geht aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor .

Die Wissenschaftlerin Yvonne Lott untersuchte, ob sich dieses Ungleichgewicht ändert, wenn sich Eltern ihre Arbeit flexibler selbst einteilen können. Und sie ging der Frage nach, ob Mütter und Väter auch anderweitig profitieren, weil sie sich dann zum Beispiel mehr Zeit für Erholung oder Schlaf nehmen.

Lott analysierte dazu die Arbeitszeitmodelle von Eltern in Hinblick auf die Betreuungszeit für ihre Kinder, ihre Freizeitaktivitäten und ihren Schlaf - und kam zu eindeutigen Ergebnissen.

Die Studie wurde von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Auftrag gegeben. Durchgeführt wurde sie von der Wissenschaftlerin Yvonne Lott, Expertin für Gender und Arbeitszeit am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI), das zur Stiftung gehört. Veröffentlicht wurde sie unter dem Titel "Weniger Arbeit, mehr Freizeit? Wofür Mütter und Väter flexible Arbeitsarrangements nutzen" in der Reihe "WSI Report".

Mütter und Väter arbeiten demnach durchweg mehr, wenn sie Homeoffice machen oder ihre Arbeitszeit selbst bestimmen können. Mehr Zeit für Kinderbetreuung wenden hingegen nur die Frauen auf. An Freizeit und Schlaf sparen beide.

  • Mütter, die im Homeoffice arbeiten, machen eine zusätzliche Überstunde im Job. Zugleich kümmern sie sich deutlich mehr um die Kinder: Sie kommen in der Woche auf drei Stunden mehr Betreuungszeit als Mütter, die nicht von Zuhause arbeiten können.

  • Väter machen im Homeoffice mehr Überstunden - wöchentlich zwei mehr als Väter ohne Heimarbeit. Sie nehmen sich aber nicht mehr Zeit für die Kinder.

Noch deutlicher sind die Unterschiede bei flexiblen Arbeitszeiten.

  • Mütter, die sich ihre Arbeit selbst einteilen können, arbeiten wöchentlich eine knappe Stunde mehr als Mütter mit festen Arbeitszeiten. Um die Kinder kümmern sie sich anderthalb Stunden zusätzlich.

  • Väter, die völlig frei über ihre Arbeitszeiten entscheiden können, machen wöchentlich 3,5 zusätzliche Überstunden, obwohl die meist nicht bezahlt werden. Um die Kinder kümmern sich Väter mit derartiger Vertrauensarbeitszeit hingegen eine Stunde weniger als Männer mit Kindern und festen Arbeitszeiten.

Mehr Zeit für Erholung, also etwa für Schlaf oder Sport, nehmen sich Beschäftigte mit Kindern im Haushalt generell nicht, auch wenn sie es könnten: "Einen Freizeitgewinn mit flexiblen Arbeitsarrangements gibt es weder für Mütter noch für Väter", schreibt Lott.

Mit verantwortlich für das Ungleichgewicht seien die Erwartungen in den Betrieben. Vätern werde oft noch die Ernährerrolle zugeschrieben. Für sie sei es schwerer, flexible Arbeitszeiten für außerberufliche Verpflichtungen einzusetzen.

Frauen würden laut Genderforscherin Lott hingegen widersprüchliche Erwartungen vermittelt: Zum einen sollen sie als Mutter für die Kinder präsent sein, zum anderen "richtig arbeiten". Daraus könne eine Doppelbelastung resultieren, wie sie die Studie nahelege.

Ungleichheit auch am Wochenende

Der sogenannte Gender Care Gap, also der Umstand, dass Frauen mehr Sorgearbeit wie Haushalt und Kinderbetreuung übernehmen, bleibt auch am Wochenende bestehen. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung untersucht. Die Studie wird am Mittwoch im "DIW Wochenbericht" veröffentlicht und liegt dem SPIEGEL bereits vor.

Demnach leisten Frauen auch sonntags durchschnittlich 1,5 Stunden mehr unbezahlte Arbeit als Männer. In Haushalten mit Kindern sei der Gender Care Gap besonders ausgeprägt. Grundlage für die Untersuchung ist ebenfalls das Sozio-Oekonomische Panel.

In Paarhaushalten mit Kindern bis sechs Jahre verbringen Frauen sonntags mit Hausarbeit und Kinderbetreuung demnach knapp vier Stunden mehr als ihr männlicher Partner. Sind Kinder zwischen 7 und 18 Jahren im Haus, beträgt der Unterschied immerhin noch zwei Stunden und 48 Minuten. Bei heterosexuellen Paaren ohne Kinder machen Frauen 36 Minuten mehr Hausarbeit.

Die Studienautorin Claire Samtleben schreibt, "das Argument, die ungleiche Belastung durch die höhere Erwerbstätigkeit des Mannes sei der Grund für eine ungleiche Aufteilung der Hausarbeit, ist somit zumindest für erwerbsfreie Tage wenig überzeugend."

Sowohl Lott als auch Samtleben empfehlen Maßnahmen gegen das Ungleichgewicht wie etwa die Ausweitung der Partnermonate im Elterngeld.