Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt Lange Wege in schnelle Jobs

Wie kann man Flüchtlinge schnell in Arbeit bringen? Um dafür gute Strategien zu entwickeln, fehlen selbst Forschern wichtige Daten. Das soll sich jetzt ändern.

Syrische Flüchtlinge nehmen an einer Bildungsmaßnahme in Cottbus teil
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Syrische Flüchtlinge nehmen an einer Bildungsmaßnahme in Cottbus teil


Nach und nach kommen immer mehr Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt an. Die meisten finden jedoch erst mal keinen Job, sondern landen in der Arbeitslosigkeit. Im April waren laut der Bundesagentur für Arbeit 136.000 Männer und Frauen aus den sogenannten Asylzugangsländern erwerbslos gemeldet - 64.000 mehr als vor einem Jahr.

Überraschend ist das nicht: Es braucht einfach Zeit, Flüchtlingen Deutsch beizubringen, sie auszubilden und in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Gut 70 Prozent der Flüchtlinge haben keine abgeschlossene Berufsausbildung, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) schätzt.

Viel wissen jedoch selbst Experten noch nicht über die Neuankömmlinge. Das IAB in Nürnberg geht davon aus, dass im vergangenen Jahr etwa 600.000 Menschen im erwerbsfähigen Alter nach Deutschland kamen. In diesem Jahr könnten noch einmal 200.000 bis 300.000 dazukommen.

Lediglich einige geben freiwillig Auskunft über ihren Bildungsstand, wenn sie ihren Asylantrag stellen. Demnach hat jeder vierte Mensch mit guter Bleibeperspektive nur eine Grundschule oder gar keine Schule besucht.

Knapp die Hälfte gab an, auf ein Gymnasium oder eine Hochschule gegangen zu sein. Die Allgemeinbildung scheint demnach besser zu sein als die beruflichen Qualifikationen. Eine gezielte Erfassung von Bildung und (Fach-)Kenntnissen der Asylbewerber fehlt bislang. Das macht es schwer, sie angemessen zu unterstützen. Eine Studie des IAB soll nun Abhilfe schaffen. Ergebnisse wird es jedoch erst im Herbst geben.

Große Unterschiede beim Verdienst

Bis dahin behilft man sich mit Erfahrungen aus der Vergangenheit: Die Angehörigen der letzten großen Flüchtlingsbewegung in den Neunzigerjahren hätten ein ähnlich schlechtes Ausbildungsniveau gehabt, sagt Herbert Brücker vom IAB.

Damals kamen die meisten Menschen vom Westbalkan, aus dem Nahen Osten, aus Afghanistan und der Türkei. Es dauerte 15 Jahre, bis etwa 70 Prozent dieser Flüchtlinge dauerhaft Arbeit gefunden hatten.

Nur ein knappes Zehntel der Zuwanderer im erwerbsfähigen Alter fand damals gleich im ersten Jahr einen Job. Diese Quote entspricht in etwa den Erfahrungen aus einem aktuellen Modellprojekt der Arbeitsagentur, in dem Zuwanderer gezielt nach ihren Qualifikationen gefragt und entsprechend gefördert wurden: Von den etwa 1400 Teilnehmern konnten bis Dezember 2015 nur etwa 160 in Arbeit oder Ausbildung vermittelt werden.

Auch beim Verdienst gab es bisher große Unterschiede zwischen Flüchtlingen und Deutschen: Selbst nach 15 Jahren lag der Lohn von Geflüchteten im Schnitt bei 80 Prozent des Lohns von Einheimischen.

Die mittleren Stundenlöhne der Geflüchteten hätten in den ersten Jahren bei rund 13 Euro gelegen, später bei 16 Euro, sagte Brücker. Dies sei zwar deutlich weniger als bei Einheimischen, aber immer noch über dem Mindestlohn. Brücker sieht deshalb in den 8,50 Euro pro Stunde auch keine Integrationsbremse wie etwa Ex-Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Vorteile von Ballungsräumen

Und noch eine häufige politische Forderung wird von den Erkenntnissen der Forscher infrage gestellt: dass Flüchtlinge an einem bestimmten Wohnort bleiben sollen. Die Wohnsitzauflage behindere die Arbeitssuche, sagt Brücker. Denn dafür sei Mobilität nötig.

Ohne solche Auflagen siedelten sich Migranten meist in Ballungsräumen wie München, Frankfurt oder Stuttgart an - wo die Arbeitslosigkeit unterdurchschnittlich sei. In Großstädten hätten im vergangenen Jahr 23 Prozent der Menschen aus Asylzugangsländern einen Job gehabt, in ländlichen Regionen nur knapp 15 Prozent. "Die Menschen wissen selbst am besten, wo sie sich entwickeln können", sagt Brücker.

Catherine Simon/dpa/lov

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