Fluglotsenmangel Flugsicherung lockt mit 2000 Euro Prämie pro Extraschicht

Verspätete Flüge, weil Fluglotsen fehlen: Die Deutsche Flugsicherung will dieses Szenario in der Ferienzeit verhindern. Sie bietet üppige Zahlungen für Sonderschichten an - doch die Mitarbeiter wollen nicht nur Geld.

Vorfeldkontrolle am Hamburger Flughafen
Axel Heimken/ DPA

Vorfeldkontrolle am Hamburger Flughafen

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Nach dem Chaos-Sommer in der deutschen Luftfahrt im vergangenen Jahr bahnt sich neuer Ärger an: Die bundeseigene Deutsche Flugsicherung (DFS) könnte in den Sommermonaten erneut erhebliche Verspätungen im Luftverkehr verursachen und damit Regierung und Kunden verprellen, wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.

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DFS-Chef Klaus-Dieter Scheuerle fehlen für die Ferienzeit Dutzende Fluglotsen, deshalb will er nach SPIEGEL-Informationen seine Kontrolleure zu freiwilligen Zusatzeinsätzen animieren - gegen Aufschläge von bis zu 2000 Euro pro Extraschicht. Mehr als eine pro Monat ist nicht drin, weil die Kontrolleure im Hochsommer ohnehin extrem belastet sind.

Doch die Anfang April gestarteten Gespräche zwischen der DFS-Leitung und der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) kommen bislang nur zäh voran. Der letzte, für Anfang Mai angesetzte Verhandlungstermin wurde von den GdF-Funktionären sogar abgesagt. Sie verlangen, dass nicht nur Lotsen, sondern auch Fachkräfte wie Techniker oder Flugdatensachbearbeiter auf Wunsch gut bezahlte Sonderschichten schieben dürfen.

"Es geht nicht nur ums Geld", stellt GdF-Tarifvorstand Markus Siebers klar, "sondern auch um die Frage, wer an dem Modell partizipiert." Siebers und seine Kollegen wollen mit der Geschäftsführung zudem eine langfristige Vereinbarung zur Ausbildung und Rekrutierung von Fluglotsen erarbeiten, damit Personalengpässe künftig erst gar nicht entstehen.

Ob die Streitparteien bis zum Ferienbeginn Ende Juni eine Lösung finden, ist fraglich. Kommt es zu keiner Einigung, bleibt bei der DFS alles beim Alten - zulasten der Airlines und Passagiere.

Das Problem nachhaltig zu lösen scheint angebracht. Europa leidet unter einem deutlichen Luftraumkapazitätsproblem. Seit Anfang der Neunziger hat sich der innereuropäische Luftverkehr verdreifacht. Die europäische Flugsicherung Eurocontrol erwartet, dass die Anzahl der Flüge, die mit bis zu zwei Stunden Verspätung starten, bis 2040 um das Siebenfache steigen wird.

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insgesamt 42 Beiträge
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smartphone 17.05.2019
1. Selbst schuld
Wer geeignete Bewerber aus unklaren Gründen nonchalant absagt, braucht sich nicht zu wundern, wenn man unerwartet keine mehr findet . Das Problem liegt hauptsächlich an einer fragwürdigen HR Denke. MIt Geld kann man Fundamentalfehler nicht kaschieren ! Hie hilft nur eine Entlassungswelle eines gewissen Schwellkopfs.
Thomas Ka. 17.05.2019
2. Job ohne Zukunft
Der Job eines Fluglotsen wird in sehr naher Zukunft von einer KI abgelöst werden. Ich wette darauf, in 3-5 Jahren ist in China der erste Flughafen mit einer solchen Fluglotsen KI ausgestattet.
frank1980 17.05.2019
3.
1000 euro netto für einen Tag extra arbeiten ist für 99,5 % der Arbeitnehmer schon ziemlich heftig.
Lankoron 17.05.2019
4. Zulasten der armen Airlines
und Passagiere...dass die Überstunden, Extraschichten, Sonderarbeiten etc zulasten der Beschäftigten gehen, kommt dem Reporter wohl nicht in den Sinn.
denklug 17.05.2019
5.
Das Foto zeigt die VorfeldKontrolle (apron control) am Hamburger Flughafen. Zuständig ist hier Hamburg Airport. Die Fluglotsen der DFS sitzen im Tower.
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