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Selbstmordserie vor zehn Jahren Gericht verurteilt Ex-Chef von France Télécom zu Gefängnisstrafe

Vor zehn Jahren erschütterte eine Suizidserie von Mitarbeitern des Staatsunternehmens ganz Frankreich. Nun wurde die damalige Konzernspitze wegen "institutionellen psychischen Mobbings" schuldig gesprochen.
Didier Lombard

Didier Lombard

Foto: Michel Euler/ AP/ DPA

Weil sie ihre Mitarbeiter "moralisch belästigten", hat ein Gericht in Paris gegen ranghohe französische Manager Haft- und Geldstrafen verhängt. Gut zehn Jahre, nachdem mindestens 18 Mitarbeiter von France Télécom sich das Leben genommen hatten, verurteilten die Richter am Freitag den ehemaligen Vorstandschef, Didier Lombard, zu einem Jahr Gefängnis, davon acht Monate auf Bewährung. Er soll außerdem eine Geldstrafe von 15.000 Euro zahlen.

Lombard hat nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP Berufung eingelegt. Zwei weitere Ex-Manager wurden ebenfalls zu Gefängnisstrafen verurteilt. Das Unternehmen, das 2013 in Orange umbenannt wurde, soll die Höchststrafe von 75.000 Euro zahlen.

Der Fall und das Urteil sind bemerkenswert. Zwischen April 2008 und 2010 hatten laut Ermittlern mindestens 18 Mitarbeitende Selbstmord begangen, 13 weitere sollen es versucht haben. Die Suizidserie hatte in Frankreich eine heftige Debatte über die Kultur in französischen Firmen ausgelöst - gerade in ehemals staatlichen Betrieben, in denen der Wettbewerbsdruck durch private Konkurrenten steigt.

"Management durch Terror"

Gewerkschaften sprechen sogar von mehr als 60 Suiziden bei France Télécom. In Frankreich standen nun zum ersten Mal ein Konzern und dessen Führungspersonal wegen Mobbings vor Gericht. Bei dem Unternehmen habe ein "Management durch Terror" geherrscht, schrieb ein Mitarbeiter Medien zufolge in seinem Abschiedsbrief.

Im Zuge einer tiefgehenden Restrukturierung des Unternehmens sollen die ehemaligen Manager mit Druck und Zwangsversetzungen versucht haben, einen notwendigen Stellenabbau auf die Angestellten zu übertragen, so die Vorwürfe.

Warnungen von Gewerkschaften, Betriebsärzten, Krankenkassen

France Télécom hatte im Laufe der Jahre 22.000 Stellen gestrichen und 10.000 umgewidmet, um auf die steigende Konkurrenz im Telekommunikationssektor zu reagieren. Da die französischen Arbeitnehmerrechte aber sehr stark sind und hohe Abfindungen vorgesehen hätten, seien andere Methoden angewendet worden, um den Umbau umzusetzen. Die Beschuldigten bestritten die Vorwürfe.

In einem Anfang des Jahres 2010 veröffentlichten Untersuchungsbericht hieß es, das Management hätte Angestellte in neue Jobs gezwungen, die weit von ihrem Heimatort entfernt waren oder für die Bewertung ihrer Arbeit Ziele herangezogen, die schlicht unerreichbar waren. Auf Warnungen von Gewerkschaften, Betriebsärzten und Krankenkassen sei völlig unzureichend reagiert worden. Der Chef des Konzerns, Didier Lombard, war daraufhin zurückgetreten.

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jl/dpa-afx/rtr
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