In Kooperation mit

Job & Karriere

Sprache Frankreich führt weibliche Berufsbezeichnungen ein

Autorin, Botschafterin, Ministerin? In Frankreich gibt es für zahlreiche Berufe keine offizielle weibliche Form. Das soll sich nun ändern.
Noch heißt sie "Madame le Ministre": Frankreichs Justizministerin Nicole Belloubet

Noch heißt sie "Madame le Ministre": Frankreichs Justizministerin Nicole Belloubet

Foto: LUDOVIC MARIN/ AFP

Weibliche Bezeichnungen für Berufe, Titel oder Dienstgrade sucht man bislang vergeblich im offiziellen französischen Wörterbuch, das die ehrwürdige Académie française herausgibt. So wird dort etwa für Autorin der männliche Begriff "auteur" statt "auteure" verwendet oder für Lehrerin "professeur" statt "professeure". Auch das Wort "ambassadrice" steht nicht für Botschafterin, sondern für "Gattin eines Botschafters".

Doch das soll sich nun ändern: In Zukunft soll es für viele Berufsbezeichnungen in Frankreich auch eine weibliche Form geben. Das hat die Akademie, eine Gelehrtengesellschaft sowie wichtige Sprachinstanz, am Donnerstagabend mit großer Mehrheit entschieden. Bislang sperrte sie sich gegen eine "Feminisierung" der französischen Sprache.

Das "e", das vielen Bezeichnungen dann hinzugefügt wird, soll allerdings nicht ausgesprochen werden, sondern stumm bleiben, wie die französische Zeitung "Le Figaro" berichtet.  

Alltagssprache fortschrittlicher

Prinzipiell gebe es keine Hindernisse für die Feminisierung von Berufsbezeichnungen, heißt es in dem Bericht der Akademie. Es handele sich um eine "natürliche Entwicklung der Sprache", die seit dem Mittelalter beobachtet wird. Es solle nun sichergestellt werden, dass der Platz der Frau in der Gesellschaft auch in der Sprache abgebildet wird.

In der Alltagssprache, in Zeitungen und Magazinen ist die Frau hingegen längst in der Gesellschaft angekommen. Dort sowie auch in Stellenanzeigen sind Bezeichnungen wie "professeure" für Lehrerin oder "ingénieure" für Ingenieurin längst üblich.

Auch in Ländern wie Belgien, der Schweiz oder Kanada tut sich die Gesellschaft nicht so schwer. Ganz zu schweigen von den weitverbreiteten Französisch-Wörterbüchern "Petit Larousse" und "Petit Robert" aus privaten Verlagen.

"Wahre Unworte"

Noch vor fünf Jahren betonte die Akademie in einer Stellungnahme zur "Feminisierung", sie sei gegen ein System, das den Frauen Bezeichnungen wie "professeure" (Lehrerin), "recteure" (Rektorin) oder "auteure" (Autorin) aufzwinge. Dies seien "wahre Unworte", wetterte die Akademie.

Das bisher gültige Wörterbuch des Französischen von 1932-35 legt nahe, dass Frauen in bestimmten Berufen nicht vorgesehen sind. So handelt es sich bei einer "préfète" nicht um eine Präfektin, sondern um die "Ehefrau eines Präfekten".

Auch bei höheren Ämtern war die Akademie bisher eindeutig: Sie verurteilte neumodische Ausdrücke wie "Madame la ministre" für Ministerin. Korrekt heiße es nach Gutdünken der Akademie: "Madame le ministre", mit dem männlichen Artikel. Viele französische Ministerinnen unterwarfen sich dieser Sprachregel.

Nur acht Neuauflagen in 400 Jahren

Wer die eigentümliche Denkweise verstehen will, dem hilft ein Blick in die Annalen der Académie française. Die 1635 von Kardinal Richelieu gegründete Gelehrtengesellschaft zeichnet sich durch große Gründlichkeit aus. So hat sie es in knapp vier Jahrhunderten auf gerade acht Wörterbücher gebracht - die neunte Auflage ist seit 33 Jahren in Vorbereitung. Die deutsche Duden-Redaktion arbeitet deutlich schneller: Sie hat seit 1880 insgesamt 27 Auflagen geschafft.

Für übergroße Hast sind die "Unsterblichen" nicht bekannt, wie die auf Lebenszeit ernannten Sprachpäpste in Frankreich heißen. Unter den größtenteils stark ergrauten 35 Mitgliedern sind vier Frauen, eine weitere ist nominiert, wartet aber noch auf ihre offizielle Aufnahme.

kha/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.