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Urteil in Frankreich Mann wird gekündigt, weil er nicht an Exzessen teilnimmt – zu Unrecht

Alkoholrausch in der Schulung, sexuelle Handlungen mit Kollegen: Weil ein Mann nicht bei den Orgien in seiner Firma mitmachen wollte, wurde er gefeuert. Sieben Jahre später sprach ihm ein Gericht Schadensersatz in Höhe von 3000 Euro zu.
Party mit den Kollegen ist okay – aber in Maßen (Symbolfoto)

Party mit den Kollegen ist okay – aber in Maßen (Symbolfoto)

Foto: AzmanL / Getty Images

Manchmal scheint »Wolf of Wall Street« gar nicht so fern.

T. hatte als leitender Berater in der Pariser Beratung Cubik Partners gearbeitet. Das Unternehmen sei dafür bekannt, dass man dort »Spaß« haben könne, schreibt etwa die britische Tageszeitung »Telegraph«. In der Beratung gibt es laut unterschiedlichen Berichten eine ganze Reihe an regelmäßigen und unregelmäßigen »Ritualen«, die Konferenzen nicht so langwierig und Schulungen weniger trocken gestalten sollten.

Mobbing und gemeinsame Betten bei Seminaren

Konkreter soll die Firma ihre Mitarbeitenden dazu gezwungen haben, »an Seminaren und Drinks am Ende der Woche teilzunehmen, die häufig in übermäßigem Alkoholkonsum endeten«, so der Kassationshof , das höchste Gericht in Frankreich. Zu den Festen gehörten demnach auch simulierte sexuelle Handlungen, das Teilen von Betten mit Kollegen während mehrtägiger Seminare sowie Mobbing mit verletzenden Spitznamen und andere Formen der Schikane, berichtet etwa die »New York Post «.

T. war damit nicht einverstanden. Vor Gericht legte er dar, »kritisches Verhalten an den Tag zu legen und sich einer Unternehmenspolitik zu verweigern, die in der Aufforderung zur Teilnahme an verschiedenen Exzessen beruht«.

Daraufhin wurde T. 2015 vom Unternehmen entlassen, er hatte zuvor vier Jahre für die Beratung gearbeitet. Dort war man über den Verlust von T. nicht traurig. Er sei »beruflich unzulänglich« und verkörpere nicht die »Party-Atmosphäre«, die das Beratungsunternehmen kultivieren wolle. Weitere Gründe für die Entlassung von T. waren laut Unternehmen, dass er langweilig sei, schlecht zuhören könne und es schwierig sei, mit ihm zu arbeiten.

Grundrecht auf »Würde und Achtung des Privatlebens«

Nun, sieben Jahre nach seiner Kündigung, entschied der Pariser Kassationshof, dass die Entlassung zu weit ging. Das Gericht kassierte damit ein anderes Urteil aus dem vergangenen Jahr.

T. habe seine »Meinungsfreiheit« ausgeübt, indem er sich der obligatorischen Partys enthielt, die er mit »Promiskuität, Mobbing und der Aufforderung zu verschiedenen Formen von Exzessen und Fehlverhalten« in Verbindung brachte, so die Richterinnen und Richter in ihrer Entscheidung. Die »Spaßkultur« von Cubik Partners habe T.s »Grundrecht auf Würde und Achtung des Privatlebens« verletzt. Die Kündigung sei daher nicht rechtmäßig gewesen.

Das Gericht ordnete einen Schadensersatz in Höhe von 3000 Euro an. T. fordert aber 461.000 Euro an Entschädigung. Über diese Forderung will das Gericht später entscheiden, berichtet die »New York Post«.

flg

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