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Job & Karriere

Mann einer Karrierefrau "Es war mein persönlicher Ehrgeiz, sie aufsteigen zu sehen"

Thomas Lücke, 53, kümmerte sich um Kinder und Haushalt, damit seine Frau in der Pharmabranche aufsteigen konnte. Hier erzählt er, warum Frauen mitverantwortlich sind, wenn es zu Hause ungerecht zugeht.
Manuela und Thomas Lücke

Manuela und Thomas Lücke

Foto: Finn Lücke

"Wir haben uns in Erlangen kennengelernt. Manuela arbeitete als Produktmanagerin bei einer pharmazeutischen Firma, ich hatte gerade mein erstes Staatsexamen geschafft. 1996 kam unser erster Sohn Lasse zur Welt, und weil ich mit meiner Fächerkombination Deutsch und Geschichte kaum Chancen auf eine Anstellung als Lehrer hatte, tauschten wir die Rollen.

Manuela begann nach sechs Monaten, Vollzeit zu arbeiten. Ich kümmerte mich um unser Kind und arbeitete gleichzeitig von mittwochs bis freitags im 150 Kilometer entfernten oberfränkischen Hof als Lehrer in Teilzeit. Wenn Manuela auf mehrtägigen Konferenzen war, nahm ich Lasse in die Schule mit. Wir fuhren mit der Bahn morgens um vier Uhr los. Er war etwa anderthalb Jahre alt.

Ich ließ Lasse tagsüber bei der Hotelmanagerin oder fragte Kollegen: 'Hast du eine Freistunde? Könntest du gerade mal auf ihn aufpassen?' Oft saß er auch hinten an der Wand im Klassenzimmer mit seiner Flasche und schaute mir beim Unterrichten zu. Für mich war das Hyperstress, meine Oberstufenschüler gingen professionell damit um. Die Schulleitung akzeptierte es, sie war froh, dass ich die Schwangerschaftsvertretung übernahm.

Avantgardist in der Sandkiste

Manuela bekam kurz darauf das Angebot, für einen Job nach Schweden zu gehen. Nach zwei Jahren zurück nach Bayern, dann wieder Schweden, Griechenland, München - wir zogen als Familie mehrmals um. Zwischendrin war ich dreimal je ein halbes Jahr alleinerziehend, weil es wegen meines Jobs oder der Schule der Kinder für uns besser war, nicht dort zu leben, wo Manuela gerade arbeitete.

Problematisch war für mich vor allem die finanzielle Abhängigkeit. Wir Männer wachsen mit dem Gedanken auf, dass wir eine Familie ernähren können müssen. Ihn loszulassen, fiel mir schwer. Auch der Verlust von Eigenständigkeit hat mich lange beschäftigt. Einige Freunde von früher sind heute Anwälte oder Ärzte und kaufen sich ein neues Auto oder ein Motorrad, ohne ihre Frauen zu fragen. Das ist bei mir nicht drin. Wenn mein Gehalt wegfallen würde, würde das kaum auffallen.

Ich kokettiere andererseits mit meiner Rolle. Wenn ich ein schickes Auto fahre, lasse ich alle wissen, dass es das Auto meiner Frau ist. In den Neunzigerjahren fühlte ich mich als Avantgarde damit, der einzige Mann in der Sandkiste zu sein.

"Was macht der Typ schon wieder auf meiner Couch?"

Es hatte aber auch eine Kehrseite: Ich hatte wenig Anschluss. Zwei Mütter mit kleinen Kindern gehen beliebig oft zusammen Kaffee trinken. Das war mir verwehrt. Ich war in derselben Rolle, aber trotzdem isoliert. Wenn ich bei einer Bekannten mit Kind zu Hause im Wohnzimmer saß, fragte ihr Mann spätestens beim dritten Mal: 'Was macht der Typ schon wieder auf meiner Couch?'

Oder ich rief morgens um halb neun bei einer Nachbarin an, um mich zu verabreden. Ihr Mann nahm ab. Dann herrschte erst mal kurz Funkstille und Verwirrung. Ich sehe nicht aus wie George Clooney, aber ich bin tageslichttauglich und damit ein potenzieller Täter.

Sowohl Männer wie auch Frauen sagten mir oft: 'Thomas, super, ganz klasse, was du machst. Aber bei uns ginge das nicht.' Ihr Argument ist immer, dass der Mann halt mehr verdient. Aber ich habe oft gemerkt, dass das beide Seiten auch nicht anders wollen.

Hausarbeit ist eine Sisyphusarbeit: Man bringt die Kinder zur Kita, man macht die Wohnung sauber, geht einkaufen, das Kind bringt einen Freund mit nach Hause, dann ist alles wieder unaufgeräumt. Und abends fragt der Partner: 'Was hast du eigentlich den ganzen Tag gemacht?'

Auch Frauen müssen lernen, was es heißt, mehr zu verdienen

Umgekehrt haben Frauen ein größeres Problem damit, ökonomische Verantwortung zu übernehmen. Das ist in ihrem Denken überhaupt nicht verankert. Wenn ich meine Abiturienten frage, wollen zwei von zehn Jungs 'eine Familie ernähren' können. In 20 Jahren habe ich das noch von keinem Mädchen gehört.

Ich war zehn Jahre lang Vertretungslehrer und die Gymnasiallehrerinnen, die ich vertrat und die ja selbst gut dotierte Jobs hatten, waren alle mit Oberärzten, Notaren oder Richtern zusammen, die ebenfalls gut verdienten. Ich frage mich, warum sich Frauen so oft Partner suchen, die materiell mindestens auf Augenhöhe sind.

Männer sollen akzeptieren, wenn Frauen mehr verdienen - aber umgekehrt sollten Frauen das, was damit einhergeht, ebenso akzeptieren. Wenn der Mann im Restaurant erwarten würde, dass die Frau die Rechnung zahlt, fänden das viele meiner weiblichen Bekannten komisch, auch wenn sie das bessere Gehalt haben.

Wir kennen ein Pärchen: Beide haben hochbezahlte Jobs in der Medizinerbranche. Als das erste Kind kam, sagte sie knallhart zu ihm: 'Jetzt hast du mich zu versorgen.' Da musste er ran. Es wäre schön, wenn es gleichberechtigter zuginge, aber das liegt auch an den Frauen.

"Meine Karriere hintenanzustellen, fiel mir nicht leicht"

Unsere Söhne sind heute 17 und 22 Jahre alt und sie haben noch nie gefragt, warum es bei uns anders lief. Sie haben gesehen, wie Mama drauf ist und was sie braucht. Wenn sie Urlaub hat, startet sie nach anderthalb Wochen ein Projekt, weil ihr langweilig ist. Sie strukturiert die Küche um oder richtet den Keller neu ein oder schichtet das Holz neu auf. Es kann auch anstrengend sein, wenn sie zu Hause ist. Sie hat einfach sehr viel Energie. Auch ihre Hartnäckigkeit ist ziemlich außergewöhnlich.

Manuela ist 1,63 Meter groß und es ist schon allein körperlich schwer für sie, sich in der männerdominierten Pharmaindustrie durchzusetzen. Es hat mich sehr geärgert, wie oft sie nicht ernstgenommen wurde, und es war mein persönlicher Ehrgeiz, sie aufsteigen zu sehen. Sie ging mit so viel Ehrgeiz und Energie an ihre Arbeit heran. Anfangs als Produktmanagerin setzte sie zum Beispiel den Webauftritt für die ganze Firma neu auf. Wäre sie ein Mann gewesen, wäre sie danach drei Stufen hochgefallen, doch sie wurde mit einem Lob abgespeist.

2007 war ich an einem Gymnasium in Erlangen festangestellt und wäre vielleicht noch verbeamtet worden. Aber wir hatten damals die Möglichkeit, noch einmal nach Schweden zu gehen. Ich stehe hinter der Entscheidung, Manuela nach Schweden gefolgt zu sein, weil es für die Familie das Beste war. Aber es fiel mir trotzdem nicht leicht, meine eigenen Berufswünsche hintenanzustellen.

Was Familienfreundlichkeit angeht, war Schweden ein Quantensprung in die Zukunft. Dort arbeiten beide Elternteile und teilen sich die Erziehung der Kinder. Der Staat hat die Infrastruktur dafür geschaffen, dass man sein Kind morgens um sieben abgeben kann.

Als wir 2002 zurück nach Deutschland gingen, fühlte ich mich wie im Mittelalter. Ich fütterte um zwölf Uhr auf einer Parkbank in Herzogenaurach meinen Sohn und die Leute blieben stehen, um zu gucken. Im Restaurant fragte mich die Kellnerin: 'Wo ist die Mutter?' Ich antwortete: 'Die arbeitet, so wie Sie.'

Wenn Frauen wirklich erfolgreich sein wollen, müssen sie Dominanz, Ehrgeiz und Akribie mitbringen. Es ist eine Herausforderung für den Mann, damit klarzukommen, wenn sie das dann auch in der Familie ausleben. Manuela schreibt mir genau auf, was ich im Haushalt machen soll. Das könnte demütigend sein, aber wir sind mit den Jahren ein eingespieltes Team geworden, es macht mir nichts aus.

Ich bin immer noch einfacher Lehrer für Deutsch, Geschichte und Sozialkunde, ich habe in diesem Sinne also keine Karriere gemacht. Aber ich habe alle Schulformen und viele verschiedene Bildungsansätze erlebt, das hilft mir sehr in meiner Arbeit. Und meine Schüler interessiert es nicht, ob ich Oberstudienrat bin oder nicht, solange ich den Stoff gut erklären kann."

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