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Führungspositionen Genau so wenige Frauen an der Spitze wie vor zehn Jahren

Auf der obersten Führungsebene von Unternehmen ist nur jede vierte Chefposition mit einer Frau besetzt - genau wie vor zehn Jahren. Verbesserungen zur Geschlechtergerechtigkeit gab es jedoch in einem anderen Bereich.
Eine unter vielen: Mehrere männliche und ein weibliches Vorstandsmitglied stehen auf einer Hauptversammlung zusammen auf dem Podium.

Eine unter vielen: Mehrere männliche und ein weibliches Vorstandsmitglied stehen auf einer Hauptversammlung zusammen auf dem Podium.

Foto: Oliver Berg / DPA

Frauen in Führungspositionen - darüber wurde in den vergangenen Jahren viel diskutiert, Gesetze wurden erlassen, Versprechungen gemacht. Und was hat es gebracht? Zumindest auf der oberen Führungsebene: nichts.

Weiblichen Mitarbeitern gelingt der Sprung an die Unternehmensspitze immer noch so selten wie vor zehn Jahren. Nach wie vor sei lediglich jede vierte Chefposition auf der obersten Führungsebene eines Privatunternehmens mit einer Frau besetzt; schon im Jahr 2004 lag der entsprechende Frauenanteil nur bei 24 Prozent.

Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Zwar sei der Anteil im Jahr 2012 vorübergehend auf 26 Prozent gestiegen, im Jahr 2014 aber wieder auf 25 Prozent gesunken.

Verbessert hätten sich dagegen in den vergangenen zehn Jahren die Karrierechancen von Frauen auf der zweiten Führungsebene. Habe der entsprechende Anteil im Jahr 2004 bei 33 Prozent gelegen, seien 2014 bereits 39 Prozent der Stellen im mittleren Management mit einer Frau besetzt gewesen. "Nur auf der zweiten Führungsebene holen Frauen langsam auf", betonen die Autoren der Studie. Dort nähere sich der Chefinnenanteil dem Anteil der in Privatunternehmen beschäftigten Frauen (43 Prozent) allmählich an.

Frauenquote Vorstände, Grafik: SPIEGEL ONLINE

Frauenquote Vorstände, Grafik: SPIEGEL ONLINE

Foto: SPIEGEL ONLINE; Quelle: FidAR e.V.

Generell hätten Frauen in kleineren Betrieben bessere Aussichten auf die Chefpositionen als in Großbetrieben, im Osten bessere als im Westen Deutschlands, berichten die Nürnberger Arbeitsmarktforscher. Am häufigsten ständen Frauen an der Spitze in Betrieben der Gesundheits- und Erziehungsbranche (43 Prozent), im Einzelhandel (38 Prozent) und im Gastgewerbe (39 Prozent). Am geringsten seien die Aufstiegschancen für Frauen gemessen am Anteil aller weiblichen Mitarbeiter der Branche bei Banken und Versicherungen (12 Prozent).

Nach Angaben der Bundesregierung wächst inzwischen auch die Rolle von Frauen in Kontrollgremien von Unternehmen mit Bundesbeteiligung. Zum 31. August 2015 stieg die entsprechende Frauenquote auf 36 Prozent und lag damit über dem seit Januar 2016 geforderten Anteil von 30 Prozent.

Der Bund habe damit die Vorgaben zur Besetzung der Aufsichtsgremien mit Frauen in seinen Unternehmen mehr als erfüllt, betonte Finanzstaatssekretär Jens Spahn (CDU). Dagegen waren von den 136 Geschäftsführerpositionen in allen unmittelbaren Bundesbeteiligungen im Jahr 2014 nur 21 mit Frauen besetzt, was einem Anteil von 15,4 Prozent entspricht.

Die verbindliche Frauenquotefür Aufsichtsräte von großen Unternehmen gilt seit dem 1. Januar 2016. Für mittelgroße Firmen gelten flexiblere Regelungen.

Eine Umfrage zeigte jüngst, dass trotz Gesetz längst nicht alle 102 börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen bei Neubesetzungen ihrer Führungspositionen fest mit Frauen planen. In immerhin 31 Unternehmen sollen mehr Frauen in den Aufsichtsrat rücken.

lgr/dpa
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