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Studie zu Teamverhalten Männer riskieren zu viel, Frauen zu wenig

Männer verhalten sich in Gruppen risikobereiter als allein, reine Frauengruppen hingegen lassen Chancen ungenutzt. Für Arbeitsteams heißt das: Je gemischter, desto besser die Entscheidungen.

Männer sind eher risikofreudig, Frauen eher risikoscheu - an diesen Klischees ist tatsächlich etwas dran. Vor allem in Gruppen hat die Geschlechterzusammensetzung einen signifikanten Einfluss darauf, wie riskant eine von ihr getroffene Entscheidung ist. Das fanden Forscher des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) heraus.

Das Ergebnis: Sobald ein Geschlecht im Team überrepräsentiert ist, macht sich das geschlechtertypische Verhalten bemerkbar. Je höher der Anteil männlicher Gruppenmitglieder, desto riskanter ist eine gemeinsame Entscheidung. Umgekehrt ist die Risikobereitschaft einer Gruppe umso geringer, je mehr weibliche Mitglieder sie hat. Dies deckt sich mit verhaltensökonomischen Erkenntnissen, wonach Männer bei Individualentscheidungen risikobereiter sind als Frauen.

Sind jedoch beide Geschlechter gleichermaßen vertreten, seien die Beschlüsse ausgewogener und damit besser. "Eine Frauenquote für Aufsichtsräte kann also zu einer besseren Entscheidungsqualität führen, wenn damit die Männerdominanz abgemildert oder sogar ausgeglichen wird", schreiben die Forscher der noch unveröffentlichten empirischen Studie.

Für die Studie analysierten die Verhaltensökonomen vom IfW in einem kurzen Experiment die Entscheidungen von Gruppen, die aus drei Personen bestanden - mit jeweils unterschiedlicher Geschlechterzusammensetzung. Die Teilnehmer kannten sich vorher nicht.

Foto: Institut für Weltwirtschaft Kiel

Die Experimente zeigten: Eine reine Männergruppe ist bei ihrer Entscheidung sogar zu einem höheren Risiko bereit, als es jedes einzelne Gruppenmitglied für sich genommen gewesen wäre. Umgekehrt treffen reine Frauengruppen weniger riskante Entscheidungen, als jedes einzelne Mitglied für sich genommen bereit gewesen wäre. "Beides ist nicht optimal", sagt Ulrich Schmidt vom IfW. "Männergruppen riskieren wider besseren Wissens zu viel, Frauengruppen lassen wider besseren Wissens Chancen ungenutzt."

Als mögliche Ursache für dieses Gruppenverhalten sagen die Forscher: "Es erscheint plausibel, dass Risikobereitschaft als eine Art kulturelle Norm angesehen wird, so dass Männer sich in der Gruppe zu höherer Risikoübernahme gedrängt fühlen, während für Frauen das Gegenteil gilt."

Obgleich solcher Erkenntnisse und der gesetzlichen Frauenquote zeigen Unternehmen noch immer wenig Ehrgeiz, den Frauenanteil im Vorstand wirklich zu erhöhen. Vor allem die MDax-Unternehmen hinken dabei hinterher, wie eine Studie der britischen Anwaltskanzlei Allen&Overy zeigt.

Demnach haben sich 75,6 Prozent aller im MDax notierten Unternehmen tatsächlich die Zielgröße "null Frauen" verordnet. Was nichts anderes heißt, als dass drei Viertel aller Unternehmen bis zum Ablauf der ersten selbst gewählten Frist Ende Juni 2017 nicht vorhaben, Frauen in den Vorstand zu berufen. Gerade mal 7,3 Prozent der Gesellschaften gaben an, eine Quote von 30 Prozent oder mehr erreichen zu wollen.

lgr