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Frauenquote in MDax-Unternehmen Das selbst gewählte Ziel: keine einzige Frau

Gegen kaum ein Gesetz haben sich Unternehmen so gewehrt wie gegen die Quote. Und sie wollen sie auch weiterhin nicht: Drei Viertel der MDax-Unternehmen haben sich einen Frauenanteil von null Prozent verordnet - völlig gesetzeskonform.
Abstimmung im Bundestag zur Einführung einer Frauenquote (2015)

Abstimmung im Bundestag zur Einführung einer Frauenquote (2015)

Foto: Soeren Stache/ dpa

Viel Ehrgeiz zeigen die Unternehmen nicht in Sachen Frauenförderung: Auch knapp zwei Jahre nach der Einführung der gesetzlichen Frauenquote machen Dax- und MDax-Konzerne nach Informationen des SPIEGEL wenig Anstalten, ihren Frauenanteil im Vorstand wirklich zu erhöhen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Vor allem die MDax-Unternehmen hinken dabei hinterher. Das zeigt eine Studie der britischen Anwaltskanzlei Allen&Overy. Demnach haben sich 75,6 Prozent aller im MDax notierten Unternehmen tatsächlich die Zielgröße "null Frauen" verordnet. Was nichts anderes heißt, als dass drei Viertel aller Unternehmen bis zum Ablauf der ersten selbst gewählten Frist nicht vorhaben, Frauen in den Vorstand zu berufen.

Diese erste Frist endet spätestens am 30. Juni 2017. Zwar kann es sein, dass bis dahin keine Wechsel in den Vorständen anstehen - offenbar werden sie aber auch nicht zugunsten von Frauen beschleunigt. Gerade mal 7,3 Prozent der Gesellschaften gaben an, eine Quote von 30 Prozent oder mehr erreichen zu wollen.

Etwas besser sieht es in den Dax-Konzernen aus. Zwar hat sich auch hier ein Drittel der Unternehmen für die Zielgröße null entschieden. Aber immerhin 37 Prozent streben einen Frauenanteil von 10 bis 14,9 Prozent, 25,9 Prozent einen Anteil von 15 bis 29,9 Prozent und 3,7 Prozent einen Anteil von 30 Prozent und mehr Frauen im Vorstand an.

"Das zeigt, dass das Argument, es gebe nicht ausreichend qualifizierte Frauen, nicht stimmen kann", sagt Studienautorin Katharina Stüber. Denn je größer der Konzern sei, desto mehr qualifizierte Frauen fänden sich. "Ich vermute, dass sich der politische und öffentliche Druck bisher in erster Linie auf die Dax-Konzerne gerichtet hat. Die Unternehmen des MDax stehen hier nicht so sehr im Fokus."

Ob sich die Zahlen in absehbarer Zeit ändern, bleibt abzuwarten. Denn auch für die erste und zweite Führungsebene sind die Ziele der Dax- und MDax-Konzerne überschaubar: Hier soll der Frauenanteil gerade mal um rund 15 beziehungsweise 20 Prozent steigen.

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