Führen durchs Chaos Wer ist hier der Boss?

Wer bewährt sich als Chef - und wer lässt lieber die Finger von Führungsaufgaben? Das "manager magazin" prüfte die Chef-Talente von 150.000 Teilnehmern. Das Ergebnis: Viele beherrschen das Standardprogramm, würden aber in Krisenzeiten untergehen. Und nicht alle Branchen sind gleichermaßen krisenfest.

Corbis

Von Eva Buchhorn


Johannes Teyssen hat eine klare Antwort auf die Frage "Können Sie Chef?": Ja. Der Eon-Chef sitzt hemdsärmelig am Besprechungstisch, kann mit seinem aus tiefster Kehle hervorpolternden Lachen Gläser zittern lassen. Und erledigt offenbar recht entspannt eine Aufgabe von herkulischen Dimensionen: Er soll dem 82-Milliarden-Euro-Umsatz-Konzern den Weg durch die nächsten Jahre ebnen, mitten durch eine Wirrnis, an deren Ende ein vollkommen gewandeltes Unternehmen stehen muss.

Schon die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke verstand er nur als Gnadenfrist, seit Fukushima stehen alte Gewissheiten in Frage. Klar ist: In den nächsten Jahrzehnten muss der Konzern seine Stromgewinnung von Atomenergie auf erneuerbare Träger umstellen - und vielleicht noch viel schneller als gedacht, je nach politischer Lage. Nur wer jetzt die Weichen richtig stellt, wird am Ende profitabel arbeiten.

Auch wenn sich erste Tendenzen absehen lassen: Die Frage, welche Energieträger in 30 Jahren den Markt bestimmen werden, ist völlig offen. Sind es die Offshore-Anlagen in der Ostsee? Oder gewinnt, wer sich jetzt die attraktivsten Sonnenplätze in der algerischen Wüste sichert? Johannes Teyssen kann das nicht wissen - und muss doch darüber entscheiden.

Menschelndes auf der einen Seite, große strategische Zukunftsentwürfe auf der anderen: In diesem Spannungsfeld arbeiten Topmanager. Und insgeheim fragen sich viele ihrer Untergebenen, ob sie es selbst nicht viel besser könnten.

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Gewinnerbranchen und Verlierertypen: Die Ergebnisse des Chef-Tests im Überblick
Mit Hilfe des Online-Cheftests von "manager magazin" und Xing konnten Interessierte ihre Eignung zum Topmanager individualisiert einschätzen lassen - ausgeprägte Stärken genauso wie mögliche Defizite. Knapp 150.000 Testteilnehmer vom Trainee bis zum Vorstand stellten sich bereits der Frage: "Habe ich das Zeug zur Nummer eins?"

Ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass die Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten viele Leistungsträger intensiv umtreibt. Angesichts des offenen Teilnehmerfeldes kann und will der Cheftest keine repräsentative Leistungsschau des Topmanagements sein. Doch aufgrund des hohen Anteils der Befragten mit Führungserfahrung (zwei Drittel) und des hohen Durchschnittseinkommens (knapp 70.000 Euro) lassen sich auch in diesem Bereich qualifizierte Aussagen treffen.

Die Auswertung sämtlicher eingereichter Fragebogen und ihre Kombination mit den persönlichen Angaben lieferten empirische Ansätze zur Beschreibung des Führungspotentials der Mitarbeiter deutscher Unternehmen:

  • Wo entfalten sich heutzutage Talente: in welchen Funktionen, in welchen Branchen?
  • Welcher Werdegang qualifiziert am ehesten für die Topetage?
  • Was können erfahrene Führungskräfte besser, und wo punkten die jungen?

Der Cheftest zeigt: Wer hierzulande Chef ist, der ist es in der Regel zu Recht. Teilnehmer mit Führungserfahrung erreichten deutlich mehr Punkte als Nichtführungskräfte; Geschäftsführer und Vorstände übertrumpften das mittlere Management.

Können Sie Chef?

Wie schätzen Sie die folgenden sieben Aussagen aus dem Alltag einer Führungskraft ein? Sie können ihnen zustimmen, sie ablehnen oder ihnen neutral gegenüber stehen - ganz wie es Ihren Erfahrungen und Werten entspricht. Nachdem Sie alle Aussagen beantwortet haben, erhalten Sie eine kurze Analyse Ihrer Führungskompetenz.

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Vor allem absolute Topverdiener mit Gehältern über 150.000 Euro ragten in nahezu allen Kategorien des Chef-Tests heraus: Sie sind umsetzungsstärker, finden sich in schwierigen Situationen eher zurecht und beherrschen die Königsdisziplin des Managens - das strategische Denken.

Auch Eon-Chef Teyssen wird sich an seinem strategischen Konzept messen lassen müssen. Er weiß jetzt schon, dass er Details immer wieder ändern und feinjustieren müssen wird. Für Teyssen ist wichtig, dass die Grundrichtung stimmt: "Ich lasse mir nicht von meiner Umwelt strategische Entscheidungen aufdrängen, sondern behalte meine eigene Linie", sagt er.

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