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Belastet und verunsichert Ein Drittel aller deutschen Manager steckt in der Krise

Eine Studie zeigt, dass viele Chefs mit ihrer Rolle hadern und darunter leiden. Besonders drei Faktoren erweisen sich als "Führungsgift".
Ein Drittel aller deutschen Manager kommt mit der eigenen Rolle schlecht klar

Ein Drittel aller deutschen Manager kommt mit der eigenen Rolle schlecht klar

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Martin DM/ E+/ Getty Images

Alarm auf der Chefetage: Eine repräsentative Befragung unter knapp tausend Führungskräften in Deutschland zeigt, dass viele Manager und Managerinnen mit ihrer Rolle schlecht zurechtkommen, sich nicht ausreichend unterstützt fühlen und Selbstzweifel hegen. 30 Prozent der Befragten gaben eine hohe Führungsbelastung an; ein Fünftel glaubt, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden; ein Viertel findet, er oder sie trüge mehr zu einer Gruppe bei, wenn sie von jemand anderem geführt werde. Die Bertelsmann Stiftung hat die Befragung in Zusammenarbeit mit dem Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung (RMI) an der Universität Witten/Herdecke erstellt.

Fazit der Studienautoren: "Nimmt man hinzu, dass weitere 25 Prozent bei den entsprechenden Aussagen nur teilweise zustimmen, kann man bei der Hälfte der deutschen Führungskräfte davon ausgehen, dass sie ihrer Verantwortung nicht unbeschwert nachkommt." Das stelle ein gravierendes Führungsproblem für Unternehmen dar, da eine hohe Belastung sich signifikant negativ auf den Führungserfolg auswirke.

Die Studienautoren warnen vor einem Teufelskreis

Woraus aber setzt sich die hohe Belastung zusammen? Die Autoren der Studie identifizieren im Wesentlichen drei Faktoren als "Führungsgift": Wer sich besonders belastet fühlt, klagt oft über diffuse Unternehmensziele, stark formalisierte Arbeitsabläufe und zweifelt an seinen Mitarbeitern. Umgekehrt berichten die Manager, die sich wenig belastet fühlen, dass ihre Aufgaben klar seien. Am weitesten klaffen die Werte bei der skeptischen Haltung zu den eigenen Mitarbeitern auseinander: Bei den weniger belasteten Managern berichten nur 16,4 Prozent davon, bei den stark belasteten haben 44,7 Prozent kein Vertrauen in die eigenen Leute. Die Folge kann laut Studienautoren sein, dass ein Teufelskreis entstehe, bei dem auf beiden Seiten die Leistung abnehme. Allerdings stimmt mehr als die Hälfte der stark als auch der weniger belasteten Führungskräfte eher positiven Aussagen über die eigenen Mitarbeiter zu - eine ambivalente Grundhaltung also.

Welche Konsequenzen können Unternehmen nun aus diesen Erkenntnissen ziehen? Zum einen diese: Gute Führung braucht gute Bedingungen im Unternehmen - Bürokratie ist hinderlich, unklare Ziele sind es auch. Und man sollte die Verfassung der eigenen Führungskräfte im Blick haben. "In Entwicklungsgesprächen mit Führungskräften sollte deren Belastung Thema sein. Gegebenenfalls können ihnen die Personalabteilungen Unterstützung mit ebenenübergreifenden Workshops und auch Coachings anbieten", regt Liz Mohn an, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung. Aufsichtsrat und Gesellschafter sollten nicht nur harte Fakten begutachten, sondern auch die Organisationskultur stärker in den Fokus nehmen und regelmäßig die Führungsbedingungen überprüfen.