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Arbeitsrecht WM und Job - wie geht das zusammen?

Bald ist Fußballweltmeisterschaft - und viele Spiele werden zur besten Kernarbeitszeit angepfiffen. Wie sollen Fans sich da auf ihren Job konzentrieren? Am besten, Sie bereiten sich jetzt schon vor.

Am Donnerstag beginnt die Fußballweltmeisterschaft. Für manchen Fan ist dann alles andere zweitrangig. Das Problem dabei: Das Leben geht weiter, egal ob gerade eine spannende Partie übertragen wird. Viele Spiele laufen zu Zeiten, in denen in den meisten deutschen Firmen gearbeitet wird. Aber man kann ja nicht einfach den Job bis zum Finale sausen lassen. Hier erfahren Sie, was erlaubt ist:

  • Darf ich das Spiel während der Arbeit im Fernsehen verfolgen?

Kein Chef muss sich bieten lassen, dass Angestellte 90 Minuten gebannt vorm Bildschirm hocken. "Weder für die Fußball-WM noch für andere Sportereignisse dürfen Mitarbeiter ihre Arbeit unterbrechen, um die Spiele zu verfolgen", erklärt der Arbeitsrechtler Michael Fuhlrott von der Hochschule Fresenius in Hamburg. Es sei denn, der Arbeitgeber genehmigt dies ausdrücklich. Ansonsten droht eine Abmahnung.

  • Kann ich zumindest das Radio einschalten?

Das lenkt bestimmt weniger ab als Fernsehen. Aber auch das kann der Arbeitgeber untersagen, selbst wenn die Mitarbeiter parallel zum Spiel weiterarbeiten könnten. Radiohören ist zwar kein Grund für eine Kündigung, wohl aber für eine Abmahnung.

Es kommt allerdings darauf an, woraus genau die Arbeit besteht und ob sie durch das Zuhören beeinträchtigt wird: Ein Pförtner zum Beispiel kann eher mal einige Minuten dem Kommentator folgen als ein Bereichsleiter einer Bank, der konzentriert einen Fall bearbeitet.

Auch Kollegen oder Kunden dürfen nicht gestört werden. In jedem Fall sollten Sie vorher mit dem Chef abklären, ob Radiohören erlaubt ist. Verbieten Vorgesetzte das, müssen sie vorher den Betriebsrat darüber informieren, falls es einen gibt - ansonsten ist das Verbot unwirksam.

  • Was ist mit dem Internet?

Hat der Arbeitgeber die private Nutzung des Firmeninternets untersagt, kann ein Verstoß zur Kündigung führen. Auch wenn kein Verbot ausgesprochen wurde, ist Vorsicht geboten: Das Bundesarbeitsgericht hat in einem Fall geurteilt, dass es einem Verbot gleichkommen kann, wenn der Chef keine klare Ansage gemacht hat.

Selbst bei erlaubter Privatnutzung des Internets kann jemand seinen Job verlieren, wenn er zu ausschweifend surft. Fragen Arbeitnehmer nur hin und wieder Spielstände per Liveticker auf dem Smartphone ab, kann das wohl geduldet werden - die Ablenkung ist ja eher gering.

  • Kann ich Urlaub nehmen für Fußballspiele?

So, wie Sie für alles andere Urlaub nehmen können. Ein Anspruch auf Urlaub oder Freistellung besteht - wie sonst auch - nicht. Wollen alle Arbeitnehmer das Finale sehen und dafür einen freien Tag nehmen, kann der Arbeitgeber aus betrieblichen Gründen anordnen, dass eine gewisse Mindestbesetzung in der Firma bleibt.

  • Was droht bei Unpünktlichkeit oder Alkohol am Arbeitsplatz?

Wer wiederholt zu spät kommt, kann dafür im Extremfall gekündigt werden. Gleiches gilt, wenn während der WM "krank gefeiert" wird. Kommt heraus, dass der Arbeitnehmer stattdessen Fußball geschaut hat, kann nach einer Abmahnung die fristlose Kündigung folgen.

Nach ausgiebigen Feiern alkoholisiert am Arbeitsplatz zu erscheinen, ist ebenfalls ein Grund zur Abmahnung, in gravierenden Fällen sogar für eine Kündigung. "Um ein gutes Betriebsklima zu schaffen, sollte der Arbeitgeber allerdings während der WM auch mal ein Auge zudrücken", rät Arbeitsrechtler Fuhlrott. Ein Glas Bier oder Sekt in der Mittagspause kann im Einzelfall erlaubt sein. Wichtig ist, wie in allen anderen Fällen, sich vorher darüber abzustimmen.

mamk/afp
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