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Büromöbel für Futuristen Im Skorpion ist ein Platz frei

Erfinder und Wissenschaftler tüfteln am Büro der Zukunft. Ein Riesenskorpion als Bürostuhl und Roboter, die an Meetings teilnehmen. Lampen imitieren einen Wolkenhimmel, riesige Touchscreens dienen als Konferenztische - viele verwegene Entwürfe gibt es schon zu kaufen.
Von Martin Hintze
Bildschirm statt Stachel: Dieser Skorpion ist ein Bürostuhl

Bildschirm statt Stachel: Dieser Skorpion ist ein Bürostuhl

Foto: Emperor

Martialisch sieht das Gerät aus. Wuchtig, befremdlich. Als stamme der "Emperor 1510" direkt aus dem Star-Trek-Requisitenfundus. Das knapp zwei Meter hohe und zwei Zentner schwere Monstrum verkörpert das, was sich kanadische Erfinder des Modern Work Environment Lab unter dem "ultimativen Computerarbeitsplatz" vorstellen.

Kaum hat man im Sitz Platz genommen, senkt sich der Skorpionenschwanz hydraulisch. Statt eines Giftstachels schieben sich drei 24-Zoll-Monitore vor die Augen. Die Tastatur wird vor den Sitz geklappt, die Maus liegt auf den breiten Armlehnen, in denen sich auch Anschlüsse für weitere Computer-Hardware befinden.

Um den Rücken zu entlasten, kann der Sitz um 15 Grad nach hinten geneigt werden, die Füße ruhen entspannt auf einer Ablage. In den Rahmen integrierte LED-Lichter sorgen für eine blendungsfreie Sicht auf die Monitore. Den adäquaten Sound sollen integrierte Stereo-Lautsprecher und ein Subwoofer unter dem Sitz liefern.

Fotostrecke

Schreibtische im weltweiten Vergleich: Grünzeug, Kitsch und Autoschlüssel

Foto: Uta Brandes/ Michael Erlhoff

Und das ist nur das Modell für den Massenmarkt. Wer auf die 6200 Dollar knapp 39.000 Dollar drauflegt, erhält die Maßanfertigung "Emperor 200", noch ein ganzes Stück imposanter. Gimmicks wie ein Luftfilter, ein Ledersitz und ein Notfall-Akku gehören zur Grundausstattung. Ganz nebenbei rotiert das Gerät kaum merklich um die eigene Achse, um blendenden Sonnenstrahlen zu entgehen.

Alles nur Spinnerei? Mitnichten. Auf der International Consumer Electronics Show in Las Vegas räumte der eigenwillige Bürostuhl einen Design-Preis ab. Verkauft wurde er auch schon, an eine Herzklinik in Dallas beispielsweise. Auch im Emirat Dubai ist man laut Hersteller sehr interessiert.

2011 orderte Media-Saturn gleich 21 Geräte für eine Marketing-Kampagne in Österreich. Auch Börsenhändler gehören zur anvisierten Zielgruppe. Ob sich der Skorpion aber je in den Großraumbüros der Normalsterblichen durchsetzen wird, scheint allein wegen seiner Größe mehr als fraglich.

Telepräsenzroboter: Der Boss ist da

Tach, Chef: Avatare sollen Geschäftsreisen überflüssig machen

Tach, Chef: Avatare sollen Geschäftsreisen überflüssig machen

Foto: anybots

Was bedeuten schon Entfernungen? Kommunikationstechnologien wie der Telegraf, das Telefon, Internet und Videokonferenzen haben die Welt zusammenrücken lassen und den Grundstein für globale Konzerne gelegt. Und für die wirklich wichtigen Verhandlungen steigt der CEO gern in den Businessjet. Doch auch Geschäftsreisen könnten bald der Vergangenheit angehören. Stellvertreter-Roboter sind die Zukunft - zumindest, wenn es nach dem Willen ihrer Erfinder geht.

Telepräsenzroboter sollen es gleichgültig werden lassen, ob das Meeting in London, New York oder Tokio stattfindet. Der Chef ist allgegenwärtig. Genauer: sein Avatar. Ein Roboter auf Rollen, der mit vertrauter Stimme Anweisungen geben kann. Ein Bildschirm in Kopfhöhe zeigt die Mimik. Mit Kamera und Mikrofon überträgt der Vertreter aus Metall und Plastik, was um ihn herum passiert. Ferngesteuert wird der Avatar über das Internet. Gearbeitet wird auch an Computerbrillen und Sensoren, die zugleich die Bewegungen des Anwenders übertragen.

Noch steckt die Technik in den Kinderschuhen: Die Roboter sind teuer, Kameras und Mikrofone zu störanfällig für eine flüssige Konversation. Auch die Steuerung ist im Vergleich zu einer Videokonferenz kompliziert. Angestellte können also durchatmen. Die Gefahr, den ferngesteuerten Chef ständig im Nacken zu haben, ist relativ gering. Noch. In US-Krankenhäusern werden bereits Hunderte Telepräsenzroboter eingesetzt.

Wolkenhimmel: Cabrio-Feeling im Büro

Heiter bis wolkig: Der Virtual Sky macht aus der Bürodecke einen Himmel

Heiter bis wolkig: Der Virtual Sky macht aus der Bürodecke einen Himmel

Foto: Fraunhofer IAO

Arbeiten unter freiem Himmel, wie oft haben sich Großraumbüro-Bewohner sich das nicht schon gewünscht? Eine Lampe der etwas anderen Art soll diesen Traum wahr werden lassen - unabhängig vom Wetter. Virtual Sky heißt die Entwicklung von Forschern des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart. Sie kann einen Himmel nachahmen, inklusive vorbeiziehender Wolken.

Auf einer Kachel, die einen halben Meter im Quadrat misst, sitzen 288 LEDs. Darunter ist eine Folie angebracht, die für weiches Licht sorgt. "Mit dem Virtual Sky wollen wir die Natur zurück ins Büro holen", sagt Oliver Stefanie vom IAO.

Das Problem aus Sicht des Forschers: An einem Wochentag seien deutsche Büroarbeiter im Schnitt 15 Minuten unter freiem Himmel. In den USA sind es gar nur fünf Minuten. Der Tageslichtmangel könne zu Schlafstörungen und Winterdepressionen führen. Der Virtual Sky soll wie ein Oberlicht wirken und so Abhilfe schaffen.

Ein erster Test fiel positiv aus: Nach acht Stunden unter dem Virtual Sky fühlten sich die Probanden deutlich wacher und wohler als bei statischem Licht. Allerdings empfanden hoch konzentriert Arbeitende es als aufmerksamkeitsstörend. Kreative Denker wie Webdesigner ließen sich durch die künstlichen Wolken nicht ablenken.

Touchscreens: Zu Tisch bitte

XXL-Tablet: Bis zu fünf Personen können das SUR 40 von Samsung gleichzeitig bedienen

XXL-Tablet: Bis zu fünf Personen können das SUR 40 von Samsung gleichzeitig bedienen

Foto: Microsoft

Vier Beine, eine Platte - das SUR 40 von Samsung sieht aus wie ein gewöhnlicher Design-Tisch. Doch dieser hat es in sich: Die Oberfläche ist ein 40-Zoll großer, berührungsempfindlicher Bildschirm mit HD-Auflösung. Im Inneren werkelt ein PC mit der Microsoft-Software Surface.

Der Unterschied zu herkömmlichen Tablet-Computern wie dem iPad liegt darin, dass mehrere Menschen zugleich das SUR 40 nutzen können. Bis zu fünf Anwender können mit allen zehn Fingern beispielsweise Fotos per Wisch stapeln, vergrößern und drehen. Oder gemeinsam an einer Präsentation basteln. Auch Gegenstände, die auf den Tisch gelegt werden, erkennt das Gerät - zumindest, wenn man sie zuvor registriert hat.

Wer braucht einen knapp 9000 Euro teuren Tischcomputer? Die Hersteller wollen Hotellobbys, Arztpraxen und Einzelhändler von den Vorzügen der Technik überzeugen. Und in Aktion sieht das XXL-Tablet durchaus spektakulär aus.

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